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Museumswohnung WBS 70
Wohnzimmer der Plattenbau Museumswohnung WBS 70 © Stadt und Land GmbH

Museumswohnung WBS 70

Zeitgeschichte hautnah

Beim Betreten der Museumswohnung WBS 70 begeben Sie sich auf eine Zeitreise. Hier wird die DDR wieder lebendig.

Möbel und Einrichtungsgegenstände sorgen in der Hellersdorfer Straße 179 für authentisches Flair: von der grün gepolsterten Couch und dem Rafena-Fernseher im Wohnzimmer bis hin zu original DDR-Kochgeschirr und Lebensmitteln in der Küche. Details wie Tapeten, Fußbodenbelag, Dekor, Bücher und Schallplatten lassen den Besucher tief in die Alltagswelt der DDR eintauchen.

Auch das am häufigsten reproduzierte Kunstwerk der DDR darf nicht fehlen: An der Wand hängt ein Druck von Walter Womackas Gemälde „Am Strand“.

Die Museumswohnung ist Teil einer 1986 vom Wohnungsbaukombinat Cottbus errichteten Siedlung. Sie vermittelt nicht nur Eindrücke von Mobiliar und Konsumgütern aus dieser Zeit, sondern ist auch ein lebendiges Zeugnis für den DDR-Großsiedlungsbau.

Plattenbau als Lösung

Anfang der 1970er Jahre herrscht in der DDR Wohnungsmangel. Die Antwort der Regierung ist ein großangelegtes Projekt, um möglichst viele Wohnungen in kurzer Zeit und zu einem günstigen Preis zu bauen. Bis 1990 soll jeder Bürger eine eigene Wohnung haben.

Seit Ende 1950er Jahren hat sich die Plattenbauweise bewährt. Das Zusammensetzen von Betonfertigteilen ist billiger und geht schneller als die Stahlskelettkonstruktion oder der traditionelle Mauerwerksbau.

Anfangs macht der Plattenbau aber auch Probleme: So enthält der Wohnungsbautyp P 2 zu viele Sonderbauteile. Das treibt die Kosten in die Höhe. Die DDR-Regierung steht unter Druck, den Plattenbau stärker zu rationalisieren, um ihr ehrgeiziges Ziel einhalten zu können.

Wandelbares Erfolgsmodell

Mit der Entwicklung der WBS 70 (kurz für Wohnungsbauserie, die Zahl steht für das Entstehungsjahr 1970) sind die Architekten und Stadtplaner Wilfried Stallknecht und Achim Felz beauftragt.

Gemeinsam planen sie eine Bauweise, die auf standardisierten technischen und architektonischen Grundlagen basiert. Sie entwerfen Wohnungen als Funktionseinheiten, die in ihrer Kombination die Teile des Gebäudes ergeben.

Um noch schneller bauen zu können, finden ausschließlich Fertigbauteile in der Länge von sechs Metern Verwendung. Da die Außenwände das Gewicht des Gebäudes tragen, ist die Gestaltung der Grundrisse in der WBS 70 freigestellt. Auch die Fassade können die Architekten durch das Hinzufügen von Elementen variieren.

Wandelbar wie kein anderer Plattenbautyp, avanciert die WBS 70 zum beliebten und weit verbreiteten Gebäude in der DDR. Sie prägt das Erscheinungsbild des Landes.

Höher, schneller – und gescheitert

Gerade in Ost-Berlin besteht dringend Bedarf an neuen Wohnungen. Mit Blick auf die 750-Jahr-Feier Berlins 1987 startet in den 1970er Jahren ein großes Bauprojekt am Rand der Teilstadt: In den Ortsteilen Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf baut die DDR-Regierung in rund zehn Jahren 91.400 neue Wohnungen – die größte Plattenbausiedlung Europas. Für einen solchen Zuwachs an Wohnraum, meldet der DDR-Nachrichtendienst ADN, brauche eine Stadt normalerweise Jahrhunderte.

Die rationelle Bauweise der WBS 70 macht‘s möglich. In rund 18 Stunden entsteht eine Wohnung wie die in der Hellersdorfer Straße 179. Und die Mieten für die WBS-70-Wohnungen sind niedrig. Eine 3-Raum-Wohnung mit 61 Quadratmetern kostet 109 Mark im Monat – etwas mehr als zehn Prozent des monatlichen Durchschnittseinkommens eines Arbeiters. Dies verdankt sich nicht allein der Plattenbauweise. Mieten und Nebenkosten sind staatlich subventioniert.

Die Wohnungen der WBS 70 sind begehrt. Jede hat ein eigenes Badezimmer, Warmwasser und Fernwärme – anders als im weitgehend unsanierten Altbau. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands zeigen sich aber auch ihre Grenzen: Die Bauten sind wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung sanierungsbedürftig. Zudem bietet der Wohnungsmarkt in Berlin neue Möglichkeiten. Viele Menschen wollen nicht mehr in einer „Platte“ leben und ziehen weg.

Wandel zur Museumswohnung

2004 erfolgt die Sanierung des Gebäudes, in dem sich die Museumswohnung WBS 70 befindet. Das kommunale Wohnungsunternehmen Stadt und Land beschließt als Trägerin, einen Teil dieses architektonischen Erbes der DDR zu bewahren.

Durch sorgfältiges Zusammentragen der authentischen Ausstattungsteile gelingt es, den Flair dieser Zeit einzufangen. Der Hellersdorfer Wolfgang Sawatzki veranstaltet Führungen in der Wohnung, bei denen er anekdotenreich aus dem Leben in der WBS 70 erzählt.

Museumswohnung WBS 70
© Stadt und Land GmbH

Die Museumswohnung in Berlin-Hellersdorf zeigt mit Originaleinrichtung, wie in der DDR gewohnt wurde.

Museumswohnung WBS 70

Unsere Tipps rund um die Museumswohnung WBS 70

Wenn Sie sich über weitere kreative Lösungen für das Erbe des DDR-Plattenbaus informieren wollen, sollten Sie einen Abstecher zu den Ahrensfelder Terrassen unternehmen. Um die Lebenswirklichkeit der DDR besser zu verstehen, können Sie das Stasimuseum im Haus 1 auf dem ehemaligen Gelände des Ministeriums für Staatssicherheit besuchen. Es informiert über die politische Überwachung und Verfolgung unter der SED-Diktatur.

Praktische Tipps von visitBerlin

Zur Museumswohnung WBS 70 gelangen Sie am besten mit U-Bahn-Linie 5 (Richtung Hönow) bis zur Haltestelle Cottbusser Tor. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin WelcomeCard.

 

Öffnungszeiten

Sonntag 14:00 – 16:00 (außer an Feiertagen)