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Festival of Lights
ICC - Internationales Congress Centrum Berlin © berlin-lights.com, Foto: Verworner

ICC - Internationales Congress Centrum Berlin

Hightech-Architektur aus den Siebzigerjahren

Vorübergehend geschlossen. - Völlig losgelöst von der Erde – die Aluminium-Fassade des ICC Berlin erinnert an die Raumgleiter aus Star Wars-Filmen.

Gefeiert – und verspottet – für sein ungewöhnliches Äußeres: Das 1979 eröffnete Gebäude scheint aus der Zeit gefallen. Das ICC zählt zur Hightech-Architektur, die in den Siebzigerjahren populär wird. Ihre Stahl- und Glasbauten sind von einer Ästhetik geprägt, die die Funktion der Gebäudeteile offenlegt.

International auftrumpfen

West-Berlin, 1970. Die Kongresshalle in Tiergarten, die sogenannte Schwangere Auster, ist endgültig zu klein geworden. Sie fasst maximal 1.200 Personen. Damit kann West-Berlin als Kongress-Standort international nicht mehr mithalten.

Schon 1966 schreibt die Ausstellungs-, Messe-, Kongress-GmbH (AMK) einen Wettbewerb für eine Mehrzweckhalle mit einer Kapazität für ca. 4.000 Personen aus. Der Sieger-Entwurf stammt von einem jungen, noch unbekannten Architekten-Ehepaar: Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte.

Vor der Ausführung wird klar: Eine bloße Mehrzweckhalle ist keine Lösung für zukünftige Herausforderungen. Tourismus-Experten prophezeien Ende der 1960er Jahre eine stetige Zunahme von Kongressen – eine profitable Einnahmequelle. West-Berlin will sich als Kongressstadt neu definieren und benötigt ein angemessenes Tagungszentrum.

Am Ende wird es ein Mammutprojekt. Die Baukosten betragen fast eine Milliarde Mark. Damit löst das ICC 1979 die erst ein Jahr zuvor eröffnete Staatsbibliothek als teuersten Neubau West-Berlins ab.

Parallel zum ICC entsteht in Ost-Berlin der Palast der Republik, ein Prestigeobjekt der DDR, dem es etwas entgegenzusetzen gilt. Das ICC soll die Überlegenheit der sozialen Marktwirtschaft symbolisieren und dazu beitragen, die Wirtschaft des damals noch isolierten West-Berlins anzukurbeln.

Raumschiff am Start

Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erhalten den Auftrag, das Tagungszentrum zu bauen. Sie planen ein Riesen-Gebäude: 313 Meter Länge, 89 Meter Breite, 40 Meter Höhe.

Etwas mehr als 20.000 Teilnehmer finden hier bei Groß-Events Platz. Es gibt insgesamt 80 Tagungsräume, von je sieben bis 6.000 Quadratmeter. Das Auditorium fasst bis zu 5.000 Personen, Saal 2 rund 4.000 Besucher.

Allein aufgrund seiner Ausdehnung sticht das ICC hervor, und es zählt zu den wenigen Großbauten, die die Hightech-Architektur hervorgebracht hat.

Zudem beeindruckt das Gebäude durch sein maschinenartiges Aussehen: futuristisch, entsprechend der wachsenden Technikbegeisterung der 1970er Jahre. Deutlich zu sehen ist das an der fachwerkartigen Konstruktion, die an der Fassade verläuft. Sie unterstützt die Statik des Tagungszentrums und erzeugt Assoziationen an ein Baustellengerüst.

1975, zu Beginn der Bauarbeiten, liegt die erste Mondlandung sechs Jahre zurück. Kein Wunder, dass das voluminöse Gebäude mit seiner Form und der Aluminium-Fassade Raumschiff genannt wird. Als beliebtes Postkartenmotiv wird es zu einem Wahrzeichen des zukunftsorientierten West-Berlins.

Ausstattung mit Retro-Charme

Die Haustechnik des ICC ist bei der Eröffnung auf dem neuesten Stand: 8.000 Sessel in den Konferenzräumen verfügen über eine Dolmetsch-Funktion für bis zu acht Sprachen. Von jedem Platz aus können sich die Teilnehmer per Mikrofon zu Wort melden.

Treppenhäuser und Foyers beeindrucken mit futuristischen Elementen. Geometrische Op-Art-Teppiche, ein innovatives Wegeleitsystem aus roten und blauen Leuchtröhren: Die meisten Elemente der Innenausstattung sind bis heute original erhalten und besitzen Retro-Charme.

Über den Messedamm führt eine dreigeschossige Brücke hinüber zum Messegelände. So können Konferenz- und Messeteilnehmer bequem zwischen den Gebäudekomplexen hin- und herlaufen.

Der Entwurf ist ein voller Erfolg. Über 30 Jahre lang bleibt das ICC Berlin das wichtigste Tagungszentrum Deutschlands. In den 1980er und 2000er Jahren erhält es viele Auszeichnungen, wie beispielsweise den World Travel Award.

Ende oder Neuanfang?

Trotz seiner Beliebtheit kommt das ICC Berlin auch mit seiner Technik in die Jahre. Ein weiteres Problem ist die Asbest-Belastung.

2014 findet vorerst die letzte Veranstaltung statt. Aber das ICC hat noch nicht ganz ausgedient: Das Land Berlin nutzt es zwei Jahre lang, von 2015 bis 2017, als Notunterkunft für Flüchtlinge, und bekommt den Auftrag, ein Konzept zur Weiternutzung zu entwickeln.

Unsere Tipps rund um das ICC

Besuchen Sie den Berliner Funkturm mit seinem Restaurant und der Aussichtsplattform (in 162 Meter Höhe), und genießen Sie den Panoramablick über die Stadt. Für Architekturfans: Gegenüber von ICC und Funkturm befindet sich das Haus des Rundfunks, erbaut von 1929 bis 1931 nach Entwürfen von Hans Poelzig. 

Praktische Infos von visitBerlin

Das ICC im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erreichen Sie von der Innenstadt am besten mit der S-Bahn bis zum S-Bahnhof Westkreuz oder zum U-Bahnhof Kaiserdamm mit der Linie U2. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.