Symposium im Rahmen des SEAM Festivals 3.–5. Juli 2026
inhalt:
Reduziert auf eine reibungslose Schleife aus Aktion und Reaktion, ist Interaktivität in der Ära der „geringen Latenz“ zur Norm geworden. Digitale Systeme haben darauf konditioniert, unmittelbares Feedback zu erwarten und zu liefern.
Wenn Kinder versuchen, auf einer gedruckten Seite per „Pinch-to-Zoom“ zu zoomen, oder wenn die Geduld für langwierige politische Prozesse fehlt, stellt sich die Frage:
Wie hat die Normalisierung interaktiver Reaktionsfähigkeit kognitive und soziale Gewohnheiten verändert?
Interaktivität zu hinterfragen bedeutet, hinter die glatten Oberflächen der Benutzeroberflächen zu blicken. Es ist eine Einladung, das Performative und Fremde in den Interaktionen zwischen lebendigen und technologischen Systemen neu zu betrachten und sich auf ein Verständnis von Interaktivität als Entscheidung, Beziehung und Kraft zuzubewegen (oder dorthin zurückzukehren).
Diskussionsthemen
Die Vereinnahmung des Spiels: Interaktionen wie das Stöbern, Sammeln oder Rollenspiel – ursprünglich in der Popkultur entstanden – wurden in mächtige Systeme der Extraktion und Herrschaft integriert. Ist es möglich, einen reichhaltigen Raum für kritische und reflektierte Formen der Interaktivität zurückzugewinnen – jenseits vereinfachender Logiken von Gamification oder der bloßen Umwandlung linearer Abläufe in interaktive Prozesse?
Reaktivität, Antwortfähigkeit (Response-ability), Verweigerung: Was würde es bedeuten, die Beziehung zu interaktiven Technologien im Geiste der Antwortfähigkeit neu zu denken? Können Menschen Systeme schaffen, die das Unproduktive und Spielerische wertschätzen und zugleich offen für Akte der Fürsorge und der Verweigerung sind?
Pädagogik in einer brennenden Welt: Lehrende stehen vor der Herausforderung, interaktive Kunst, Spiele und Technologie inmitten von ökologischem Zusammenbruch, algorithmischer Kriegsführung und dem Aufstieg undurchsichtiger KI zu vermitteln.
Wie lehren sie Interaktivität, während sie gleichzeitig mit ethischen Fragen zu Elektroschrott, militärischer Finanzierung sowie den ökologischen und sozialen Kosten digitaler Infrastrukturen auseinandersetzen?
Programm
- 10:00 Begrüßung und Warm-up: Hannah Perner-Wilson + Sebastian Quack
- 11:00 Impulsvortrag (Thema noch offen)
- 11:30 – 12:30 Austauschrunde: Pädagogiken der Interaktivität
- 12:30 – 13:30 Mittagspause
- 13:30 Daphne Dragona: After Interactivity – Zur Kuratierung von Handlungsmacht im Zeitalter der Unmittelbarkeit
- 14:00 Darren O'Donnell & Elli Kühne: Die Interaktion vor dem Kunstwerk
- 14:30 – 15:30 Austauschrunde: Inszenierung interaktiver Kultur
- 15:30 – 16:00 Abschlussrunde
- 17:00 Eröffnungsfeier des SEAM-Festivals
Dieses Symposium findet zeitgleich mit dem SEAM-Festival statt, bei dem Studierende der Fachrichtung „Spiel und Objekt / Experimental Play“ vom 3. bis 5. Juli performative und interaktive Arbeiten präsentieren.
Das Festival dient als lebendiges Labor für die diskutierten Themen und erkundet die Schnittstellen von darstellenden Künsten, Medienkunst, sozial engagierter Praxis und spekulativem Design.
- Datum: 3. Juli 2026, 10:00–16:00 Uhr | Ort: HfS Ladenlokal | Veranstalter: MA Spiel und Objekt / Experimental Play, HfS Ernst Busch, Berlin
- Anmeldung erforderlich
IN ENGLISCHER SPRACHE
Zusätzliche Informationen
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