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Die erste Berliner Einzelausstellung der finnischen Künstlerin Jenna Sutela in der Galerie der Schering Stiftung vereint innovativ Kunst mit Wissenschaft. Die gezeigten künstlerischen Arbeiten befassen sich mit einem menschlichen, körpereigenen Produkt: der menschlichen Milch.

Jenna Sutela, HMO Fountain 2022
Jenna Sutela, HMO Fountain 2022 Jenna Sutela, HMO Fountain 2022

In "Stellar Nursery" zeigt die Künstlerin ihre Installation mit dem Titel" HMO Nutrix (2022)" und ihre neueste Filmarbeit "Milky Ways (2022)".

Im "HMO Nutrix" wird synthetisch hergestellte menschliche Milch als blubbernder „Brunnen“ inszeniert. Das Blubbern entsteht mithilfe von Milchpumpen, die die Flüssigkeit aufwirbeln, während ein biomimetischer Kehlkopfgesang die Installation animiert. Die Lösung ist mit Stoffen angereichert, die die Forschung als wichtigste Bestandteile der Brustmilch identifiziert hat. Humanmilch-Oligosaccharide (HMOs) können zwar vom Säugling nicht verdaut werden, füttern aber seine Darmbakterien. Sie schützen das Neugeborene vor Krankheiten, fördern seine kognitive Entwicklung und bauen sein Mikrobiom entscheidend auf.

Sutela nutzt die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, um sie im Film "Milky Ways" in einer poetischen Erzählung mit dem Mythos der Entstehung der Milchstraße durch die spritzende Brustmilch der Göttin Hera zu verknüpfen. Während die griechische Göttin die Galaxie erschafft, entsteht mithilfe der Brustmilch ein mikrobielles Universum im Körper eines Kindes.

Sutela widmet sich in ihren recherchebasierten Arbeiten zum einen der Symbiose von Mensch und Mikroorganismen. Zum anderen verweist sie auf die Anstrengungen der Nahrungsmittelindustrie, die Inhaltsstoffe humaner Brustmilch biotechnologisch zu kopieren und sie als optimierended Nahrungsergänzungsmittel zu vermarkten.

Jenna Sutela (*1983, Turku, Finnland) widmet ihre Arbeit lebenden Organismen wie Bakterien und Schleimpilzen sowie Klang und Sprache. In ihren audiovisuellen Werken, Skulpturen und Performances knüpft die Künstlerin Verbindungen zwischen biologischen Entitäten und Technologien. Ihr besonderes Interesse gilt dem produktiven Zusammenwirken von menschlichen und nicht-menschlichen Organismen.

Die Ausstellung, die vom 15. September bis 27. November im Ausstellungsraum der Schering Stiftung zu sehen sein wird, entsteht mit Unterstützung von Primer, Kopenhagen und dem Haus der Kunst, München. Die Ausstellung findet in Kollaboration mit der Screen City Biennial statt, die ebenfalls im Herbst eröffnet wird.


Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst einen wissenschaftlichen Vortrag über das Potential und die gesundheitsfördernde Wirkung bestimmter Zuckermoleküle – so genannter HMOs – in der menschlichen Brustmilch sowie eine Paneldiskussion, die sich u.a. der Frage widmet, warum sich unser Verhältnis nicht nur zu Brustmilch fundamental verändern muss.

DEEP WITHIN AND DEEP WITHOUT
Jenna Sutela im Gespräch mit Sissel Tolaas und Sarah Johanna Theurer
Dienstag, 18. Oktober 2022, 18–20 Uhr [Englisch]

Die Künstlerinnen Sissel Tolaas und Jenna Sutela diskutieren mit den Kuratorinnen Sarah Johanna Theurer (Haus der Kunst München) und Christina Landbrecht (Schering Stiftung) über ihre Affinität zu wissenschaftlichen Themen, ihre bisherigen Kollaborationsprojekte und ihr Interesse an körpereigenen Produkten sowie die Frage, welchen Beitrag Kunst zu einer neuen Betrachtung und Wertschätzung von Bakterien leisten kann.

KOMPLEXE ZUCKER – ALLESKÖNNER IN DER MUTTERMILCH?
Vortrag von Prof. Dr. Silvia Rudloff
Dienstag, 8. November 2022, 18–20 Uhr [Deutsch]

Prof. Dr. Silvia Rudloff, Ernährungswissenschaftlerin und Immunologin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wird in ihrem Vortrag über die sogenannten Humanmilch-Oligosaccharide (HMOs) – essenzielle Bestandteile der Muttermilch, die für Sutelas Skulptur „HMO nutrix“ titelgebend waren – und ihre Wirkung auf den Aufbau des Organismus des Säuglings sprechen.

Der Eintritt ist frei. Anmeldungen bitte vorab via Mail an zaida.violan@bureau-n.de
Zusätzliche Informationen
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Schering Stiftung