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ein Simultandrama nach Karl Kraus

Der Zuschauer kann in den Zeitungsredaktionen sitzen und auf alten Schreibmaschinen tippen, sich in die Betten des Lazaretts legen, im Kaffeehaus Kaffee trinken und die Zeitung lesen, im Vorstadttheater Sekt trinken und im offenen Mannschaftswagen aufs Schlachtfeld hinaus fahren.

Szene Die letzten Tage der Menschheit
Szene Die letzten Tage der Menschheit © Sebastian Kreuzberger

Unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb Karl Kraus in den Jahren 1915-1922 „Die letzten Tage der Menschheit“, eine „Tragödie in 5 Akten mit Vorspiel und Epilog“. Kraus schreibt im Vorwort, das Stück „sei einem Marstheater zugedacht“, da ein normales Publikum ihm nicht standhalten könne. Wegen seiner enormen Anforderungen ist es noch nie komplett aufgeführt worden, es gehört zu den großen ungehobenen Schätzen des Welttheaters.

Der Wiener Regisseur Paulus Manker hat sich dieser Tragödie verschrieben und 2018, zur hundertsten Wiederkehr des Kriegsendes, seine erste Version dieses Werkes realisiert. Die Berliner Inszenierung wurde von Manker nochmals erweitert. Es ist eine monumentale Unternehmung von ca. sieben Stunden Gesamtdauer, die ebenso außerordentliche räumliche Dimensionen verlangt. Die Belgienhalle in Berlin-Siemensstadt, ein historischer Industriebau aus dem Ersten Weltkrieg, bietet auf 16.000 Quadratmetern mit drei Hallenschiffen diese Möglichkeiten. Und das Publikum? Es wird in „Die letzten Tage der Menschheit" buchstäblich zum Hauptakteur, das die Simultanszenen dieses grandiosen Raum-Theaters frei durchwandern kann.

Das Publikum ist nicht nur Zeuge, sondern Teil des Geschehens. Es entscheidet, wem es folgen will. Jeder konstruiert sich sein eigenes Drama.

In der Pause wird den ZuschauerInnen zusätzlich ein 3-gängiges Dinner serviert, als „Leichenschmaus“ zum Tode des Kaisers Franz Josef.

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