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Das stonekollektiv hinterfragt performativ, wie der Fußballballsommer 2006 deutschen Nationalstolz wieder massentauglich werden ließ und setzt sich märchenhaft erdichtend dem Verdrängen der Nazivergangenheit zur Wehr.

Deutschland. Ein Labermärchen.
Deutschland. Ein Labermärchen. © Heike Kandalowski

Wer es damals als Reporter*in oder Fan miterlebt hat, kann sich noch gut erinnern an die große Euphorie, die Deutschland erfasste als die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zum zweiten Mal nach 1974 im eigenen Land gastierte. Während die deutschen Autoflaggen flattern, belegt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Männer zwar nur den dritten Platz und dennoch: die Stimmung ist ungetrübt. Blendendes Wetter, volle Stadien und der Siegeszug von Public Viewing auf Plätzen, Straßen, Kneipen. Ein Sommermärchen, fast zu schön, um wahr zu sein. Ein Sommermärchen, dass es Deutschland erlaubt, das »dunkle Kapitel« der eigenen Geschichte umzublättern und dieses erfolgreich in das Masternarrativ einer vereinigten bundesrepublikanischen Identität zu integrieren.

›Deutschland. Ein Labermärchen‹ nimmt genau diesen Fußballballsommer 2006 in Augenschein. Ausgehend vom kollektiven Hissen der Deutschlandfähnchen fragt die Open Air-Performance nach der historischen Zäsur, die einen deutschen Nationalstolz und eine nationale Identifikation wieder massentauglich werden ließ. Talkshow-ähnlich sitzen Kapp und Nitschke als #stonekollektiv beisammen und erzählen von ihrer Recherchereise durch das bundesdeutsche Gebiet.

Mit dem Bild des unbesiegbaren deutschen Fußballs als Rahmenmetapher labern die beiden Künstlerinnen unerlässlich, über die deutsche Gegenwart, über das tagesaktuelle Geschehen, über das Spannungsfeld von einem ins Exil verbannten jüdischen Dichter und dem wiedererstarkenden Nationalismus. Von einer Hakenkreuzglocke die zu einer Rautenförmigen-Drachen-Glocke wird über den nächsten NSU-Akten-Schredder-Fauxpas – im Labern performt das #stonekollektiv für Deutschlands Vergangenheit immer wieder eine rote Linie und setzt sich so märchenhaft erdichtend dem Verdrängen der Nazivergangenheit zur Wehr.
Zusätzliche Informationen
Open-Air-Performance.

Uraufführung 09.07.21 in Bochum, eine Kooperation mit der Oval Office Bar und dem Schauspielhaus Bochum.



Performance + Konzept: Caroline Kapp, Julia Nitschke

Raum + Kostüm: die Blaue Distanz (Anna Erdmann & Franziska Goralski)

Sounddesign: Florian Wulff

Mentorin: Enis Maci

Produktionsleitung: Helene Ewert

Dramaturgie: Isabell Wapnitz
Termine
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater