Zur kritischen Auseinandersetzung mit der abendländischen Kultur gehört auch, die traditionelle Trennung zwischen Mensch und Tier zu hinterfragen. Welche Rolle spielen Tiere in Lyrik, Drama und Prosa? Taugen sie als Metaphern einer posthumanistischen Sprache und als literarische Figuren mit eigensinnigen Körpern?
Caren Jeß betreibt mit ihrem aktuellen Buch »Ich will dieses Leben! In geil!« (2025) dramatische Emanzipation. So beschließt etwa die 40jährige Eleonore Garazzo, ihr Leben als Katze fortzusetzen. Tim Holland ist nach »wir zaudern, wir brennen« (2022) mit einem unveröffentlichten Langgedicht angetreten, in dem das lyrische Ich am Handyscreen Besuch von nicht-menschlichen Internetnutzer*innen bekommt. Potentiell könnten also auftreten: sanftäugige Rehe, nervige Nebelkrähen, pinselohrige Luchse, die Katze Eleonore, der Zwerg-Langzungenflughund oder der Dreckspfau.
Beide Autor:innen schreiben die Troubles der Gegenwart und schaffen spekulative Literatur mit Zukunft. In geil! Die Tiere im Text sind Metapher, Vorbild, Zuversicht, gedankliche Fluchtpunkte – auf jeden Fall Lernanlässe. An dem Abend lesen und diskutieren Caren Jeß und Tim Holland über ihre jeweiligen Zugänge zu einer spekulativen Literatur und ihre Faszination an Tier-Mensch-Begegnungen. Das Gespräch moderiert Lena Vöcklinghaus.
Caren Jeß wurde 1985 in Eckernförde geboren. Ihre Theaterstücke werden im In- und Ausland gespielt und wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Mülheimer Dramatikpreis für »Die Katze Eleonore« (2023) und dem Hebbel-Preis für ihr bisheriges Werk (2024). 2025 erschien ihre Dramensammlung »Ich will dieses Leben! In geil!«. Ab April 2026 läuft ihr neuestes Theaterstück »Bookpink: New Arrivals« am Deutschen Theater Berlin. Jeß lebt in Dresden.
Tim Holland lebt als Autor, Literaturvermittler und Verleger in Berlin. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler in Tübingen, studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschien das Langgedicht »wir zaudern, wir brennen“ (2022), das auch als kinetische Installation umgesetzt wurde. Wichtiger Teil seiner künstlerischen Praxis ist die Vermittlung von Literatur. Er leitet mehrsprachige und inklusive Schreibwerkstätten, arbeitet mit Texten in Communitys und konzipiert offene Literaturveranstaltungen. Tim Holland ist Co-Verleger von hochroth München.
Lena Vöcklinghaus lebt als Dramaturgin, Dozentin und Literaturveranstalterin in Berlin. 2020 promovierte sie mit einer Arbeit über zeitgenössische Autor:innenlesungen. Sie war Mitglied des Forschungskollegs »Schreibszene Frankfurt« an der Goethe Universität in Frankfurt/M. Zuvor studierte sie Soziologie, Literaturwissenschaften und Literarisches Schreiben. Sie lehrt an der SRH Hochschule Berlin Kreatives Schreiben und arbeitet als Dramaturgin bei dem Gametheater-Kollektiv machina eX.
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