Direkt zum Inhalt

after aftershock shock nimmt Erdbeben zum Ausgang, um verschiedenen Formen und Intensitäten des Schüttelns zu erkunden. Schütteln ist ein körperlicher Zustand, der, oft ungewollt, über uns kommt. Es kann aus unseren Körpern selbst entstehen, oder von außen in unsere Körper eindringen und sie zwingen, sich der Bewegung ihrer Umwelt anzupassen, wie ein Erdbeben – eine Naturgewalt, die uns, wenn sie stattfindet, vollständig umgibt und die Menschen, Tiere und Gegenstände gleichermaßen betrifft.

KEY VISUAL after aftershock shock
KEY VISUAL after aftershock shock © Toni Petraschk

Ansatzpunkt der künstlerischen Untersuchung ist die prekäre Erfahrung, ein Erdbeben zu erleben: eine Situation ohne Ausweg, ohne etwas zum Festhalten, in der wir komplett der Macht der Natur unterworfen sind. Es ist auch eine Erfahrung, die unsere Wahrnehmung der Umwelt und unserer Beziehung zu ihr nachhaltig verändern kann.

In einem kollaborativen Prozess benutzen Regisseurin Jingyun Li, Choreographin Saori Hala, Autorin So Young H. Kim und das Team Lautmalerei, um Bewegungen des Schüttelns zu untersuchen..

Beispielsweise gibt es im Japanischen eine Vielzahl von Wörtern, um Bewegungen zu beschreiben, jedes mit seinen eigenen, oft sehr spezifischen Konnotationen:

yurayura – ein sanftes und langsames Wiegen, z.B. von Pflanzen oder Wasser, repetitiv und ruhig; gatagata – ein intensives und aggressives Beben, z.B. von Gebäuden oder Körperteilen, stark und schnell..



Diese Wörter können als sprachliche Kristallisationen von Erfahrungen des Schüttelns angesehen werden. Während des Probenprozesses von after aftershock shock werden diese Wörter seziert, um ihr inhärentes choreographisches Potential freizulegen. Jedoch geht es nicht allein darum, die Wörter einfach in Bewegung zu übersetzen, sondern mehr noch darum, wie verschiedenen Sprachen uns dabei helfen können, verschiedene Perspektiven auf Bewegung einzunehmen.

Japanisch ist nur eine der Sprachen, die in after aftershock shock verwendet werden. Wie ein Erdbeben eine Landschaft schüttelt und durcheinander bringt, so ‚schüttelt‘ die Performance Sprachen und vermischt sie in ihrem Performance-Text. Ziel ist es, eine neue Art der mehrsprachigen und multimedialen Aufführung zu erschaffen – eine Aufführung, die nicht von Übertiteln vermittelt wird, die eine ‚fremde‘ Sprache in die ‚eigene‘ übersetzen.



Schlussendlich finden die Performer*innen ihre eigenen Wörter, um ihre Erfahrungen des Schüttelns auszudrücken, und transformieren Lautmalerei in ein neues Konzept, dass sie atomomo nennen – eine umgeschriebene, neu geschaffene Sprache in einer Mixtur aus multilingualen Silben, mit denen sie die Beziehung ihres Körpers zur Umwelt untersuchen, und wie diese sich verändert, wenn beide anfangen, sich zu schütteln.
Zusätzliche Informationen
Produktion und Regie: Jingyun Li

Choreographie: Saori Hala

Text: So Young H. Kim

Recherche: Jingyun Li, Saori Hala, So Young Kim

Dramaturgie: Thore Walch

Performance: Asuka Julia Riedl, Susanna Ylikoski, Deva Schubert

Sound: Kyoka

Video: Juli Wycisk

Bühne und Kostüm: Kathrin Sohlbach

Licht: Haesoo Eshu Jung



dramaturgisches outside eye: Dandan Liu

Foto: Toni Petraschk
Termine
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater
Datum
Berliner Ringtheater