Mit Tripolar hat sich 33 von einer offenen Kollaboration zu einer deutlicher konturierten Formation verdichtet, ohne dabei ihre grundlegende Unberechenbarkeit einzubüßen.
Was einst als lose Konstellation um Billy Bultheel und Alexander Iezzi begann, tritt nun als Band in Erscheinung: Mit Cem Dukkha und Ivan Cheng als festen Mitgliedern – und dennoch in einem Zustand produktiver Instabilität. Das Album entstand aus ausgedehnten Improvisationsprozessen ohne vorgegebenes Ziel.
Stundenlanges Klangmaterial wurde aufgezeichnet, geschnitten und neu zusammengesetzt. Akustische und elektronische Instrumente verschoben dabei fortwährend ihre Rollen und Bedeutungen: Perkussion, Streicher, Drehleier, Synthesizer und CDJs fungieren weniger als Vehikel der Virtuosität denn als Werkzeuge zur Öffnung von Zuständen. Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen nähern sich die neu geformten Stücke stärker der Idee des Songs an, ohne sich ihr vollständig zu unterwerfen. Barocke und postindustrielle Anklänge, akustische und elektronische Texturen greifen ineinander und entziehen sich eindeutigen genre- oder zeitlichen Zuordnungen.
Tripolar ist kein Konzeptalbum, folgt jedoch einer losen thematischen Spur, die mentale Zustände und ihre gesellschaftlichen Implikationen in den Blick nimmt. Statt linearer Erzählung oder geschlossenem Narrativ entfaltet sich ein Geflecht aus Referenzen: psychische Dispositionen als kulturelle Marker einer fragmentierten Gegenwart – von expressionistischen Annäherungen an ADHD bis zur queeren Neuinterpretation einer irischen Murder Ballad.
Die vokalen Beiträge, unter anderem von Astrid Sonne, Olan Monk, Lord Spikeheart und Golin, erweitern das Material um unterschiedliche Register und Affekte. Sie sind integraler Bestandteil der Albumstruktur und prägen die offene Form von Tripolar maßgeblich. Im Zentrum steht eine Ästhetik, die Gegensätze nicht auflöst, sondern nebeneinander bestehen lässt.
Entsprechend versteht sich das Release-Konzert an der Volksbühne nicht als lineare Reproduktion des Albums, sondern als situative Neuordnung seines Materials. Tripolar erscheint live als offenes System: schichtweise, widersprüchlich, kontrolliert entgleitend. Klang, Stimme, Bühnenbild, Dramaturgie und Präsenz verdichten sich zu einem performativen Feld, in dem musikalische Formen und mentale Topografien einander spiegeln.
Zusätzliche Informationen
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März 2026
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