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Informationsplatte auf dem Bebelplatz
Informationsplatte auf dem Bebelplatz © visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung

Wo einst Bücher verbrannt wurden…

Verpassen Sie nicht die Raumskulptur von Micha Ullman: Eine Bibliothek mit leeren Regalen erinnert an die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz.

Wenn Sie über den Bebelplatz schlendern, stoßen Sie nicht selten auf Menschen, die mitten auf dem Platz gemeinsam eine Stelle auf dem Boden betrachten. Nähert man sich, wird eine im Pflaster eingelassene Glasplatte, die den Blick in einen unterirdischen Raum mit leeren Bücherregalen freigibt, sichtbar.

Die versunkene Bibliothek

Das Denkmal zeigt das, was fehlt. Unterirdisch, fast verschwunden, keine Bücher, leere weiße Regale, direkt unter dem Bebelplatz. Verschwunden, verbrannt sind die Bücher derer, die von den Nazis verfemt und verfolgt worden sind, die das Land verlassen müssen und deren Geschichten nicht mehr aufgelegt werden darf. Die unterirdischen Bücherregale bieten symbolisch Platz für etwa 20.000 Bücher. Sie erinnern an die rund 20.000 Bücher, die die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 an dieser Stelle in Flammen aufgehen lassen. Der israelische Künstler Micha Ullman entwirft das Denkmal, das am 20. März 1995 eingeweiht wird.

Zwei ebenfalls in den Boden eingelassene Bronzeplatten informieren und warnen mit der Inschrift:
 
Das war ein Vorspiel nur, dort
wo man Bücher verbrennt,
verbrennt man am Ende auch Menschen.
Heinrich Heine 1820

In der Mitte dieses Platzes verbrannten am 10. Mai 1933 nationalsozialistische Studenten die Werke hunderter freier Schriftsteller, Publizisten, Philosophen und Wissenschaftler.

Die Bücherverbrennung

Am 10. Mai 1933 verbrennen Studenten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zusammen mit ihren Professoren Bücher in einer deutschlandweiten Aktion „wider den undeutschen Geist“.
Grundlage für die Auswahl der verbrannten Bücher sind die vom Bibliothekar Wolfgang Herrmann erstellten Schwarzen Listen, mit denen zuvor die privaten Bücherschränke und öffentlichen Büchereien und wissenschaftlichen Bibliotheken geplündert werden. Vor der Verbrennung der Bücher verschicken die Organisatoren zwölf sogenannte Feuersprüche, die bei den Bücherverbrennungen in allen Städten verlesen werden. Mit dem Feuerspruch „Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner“ wird Kästners Roman „Fabian“ ins Feuer geworfen.
Zu den verfemten Autoren gehören neben Erich Kästner u.a., Sigmund Freud, Karl Marx, Heinrich und Klaus Mann, Rosa Luxemburg, August Bebel, Bertha von Suttner und Stefan Zweig. Viele der geschmähten und verfolgten Schriftsteller haben bereits Deutschland verlassen und sind ins Exil gegangen.
Erich Kästner sieht unerkannt dabei zu, wie sein Buch Fabian ein Opfer der Flammen wird. Später beschreibt er diesen dunklen Tag mit dem Wort „Begräbniswetter“. Es regnet so heftig, dass die Flammen immer wieder erlöschen. Erst als die Feuerwehr Benzin in die Flammen gießt, brennen die Feuer.