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Reichstag und Regierungsgebäude in Berlin
Band des Bundes und Reichstag © iStock.com, Foto: savoia

Parlament der Bäume

Grüner Gedenkort im „Band des Bundes“

16 Bundesländer, 16 Bäume, ein Gedenkort: Das Parlament der Bäume erinnert unscheinbar und doch eindringlich an die deutsche Einheit.

Mitten in Berlin befindet sich ein etwas unkonventioneller Garten: Denn die Parkbank darin lädt Sie nicht nur zum Relaxen ein, sondern gibt den Blick frei auf unregelmäßig große Granitplatten am Wegesrand und eine bemalte Mauer, die den Garten einfriedet.

Erst auf den zweiten Blick werden Sie sehen, dass es sich hier um einen Gedenkort handelt – das „Parlament der Bäume gegen Gewalt und Krieg“. Der Künstler und Umweltaktivist Ben Wagin hat es 1990 auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzstreifens der Berliner Mauer angelegt. Insgesamt 58 authentische Mauerteile wurden verwendet und künstlerisch bearbeitet. Die Granitplatten nennen 258 Namen von Maueropfern, die an der innerdeutschen Grenze starben. Den Jahreszahlen zwischen Mauerbau und Mauerfall wird jeweils die Anzahl der Maueropfer zugeschrieben. Der Berliner Kultursenator Dr. Klaus Lederer bringt es im Jahr 2017 auf den Punkt: „Die authentisch erhaltenen Mauerabschnitte und die Kunstinstallation von Ben Wagin erinnern an den Riss, der durch Berlin, Deutschland und Europa ging und zugleich an die Überwindung eines inhumanen Grenzregimes und die friedliche Revolution von 1989/90.“

Mensch und Natur auf dem ehemaligen Grenzstreifen

Herzstück des Gedenkortes ist ein Karree aus 16 Bäumen, die 1990 die 16 gesamtdeutschen Ministerpräsidenten pflanzten, das eigentliche Parlament der Bäume. Gedenksteine, Zeugnisse der Berliner Grenzanlagen, Blumenbeete, Bilder und Texte ergänzen die Installation, die nicht nur an die Mauertoten erinnert. Auch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur soll thematisiert werden. Davon zeugen zum Beispiel gemalte Aussagen wie „Das Fundament eines gemeinsamen europäischen Hauses muss eine intakte Umwelt sein“.

Mauermahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Für den Bau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, das heute ebenfalls auf dem ehemaligen Grenzstreifen liegt, musste das Parlament der Bäume geringfügig verkleinert werden. An die Geschichte des Ortes erinnert im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ein Rundraum, in dem vom Künstler Wagin gesicherte Mauerreste dem ursprünglichen Verlauf der Mauer folgen. Seit 2017 steht das „Parlament der Bäume“ und das Mauer-Mahnmal des deutschen Bundestages als Teil des Denkmalbereichs Berliner Mauer unter Denkmalschutz.

Das Parlament der Bäume befindet sich am östlichen Ufer der Spree, gegenüber dem Reichstag und ist vom Schiffbauerdamm aus erreichbar. Es ist Teil des „Band des Bundes“, das sich vom Reichstag über das Paul-Löbe-Haus bis zum Bundeskanzleramt zieht.