Die brasilianische Theatermacherin Janaina Leite blickt gemeinsam mit ihrer Mutter und einem maskierten Pornodarsteller auf die kulturhistorische Beziehung zwischen Männern und Frauen, die durch die Rollen von Täter und Opfer geprägt ist. Sie befragt Konzepte von Weiblichkeit, Lust und Begehren.
Ausgehend vom biblischen Motiv der Jungfrau Maria ruft sie Modelle von Weiblichkeit und Mutterschaft auf. Inspiriert von einem philosophischen Essay von Julia Kristeva, bezieht sich »Stabat Mater« auf das mittelalterliche Gedicht über die Jungfrau Maria, wörtlich die »dastehende Mutter« – jene Mutter, die immer da ist, zu Füßen ihres gekreuzigten Sohnes. Diese Frau, die »ohne Lust, ohne Sünde« geboren und im Schlaf geschwängert wurde, wird zum Prototyp, auf dem die westliche Welt ihr Bild von Weiblichkeit gründet, im Spannungsfeld zwischen Hure und Heiliger und zwischen Selbstverleugnung und Masochismus.
Während der Proben lud Leite professionelle Pornodarsteller zu einem Casting ein. Sie stellte ihnen die Frage: »Wärst du bereit, eine Sexszene mit mir unter der Regie meiner Mutter zu drehen?« Dieser Prozess öffnete ein ganzes Feld an Material für die Inszenierung, da sich in der Frage die Themen Mutterschaft und Sexualität und die Form von Darstellung und Performance miteinander verbinden. Leites Inszenierung spielt mit der Form der Lecture-Performance und erweitert diese, indem sie ständig neue und alternative Räume erfindet, an denen sie die historische Ordnung zwischen Mann und Frau bis auf die Knochen freilegt.
JANAINA LEITE, geboren 1981 in S.o Paulo, ist Schauspielerin, Regisseurin, Dramatikerin und Postdoktorandin an der Escola de Comunica.ões e Artes der Universidade de S.o Paulo (USP). Als eine der zentralen Stimmen des brasilianischen Theaters, die für ein » Theater des Realen« steht, schuf sie Arbeiten wie »Conversas com meu pai, Stabat Mater« (Shell-Preis für Beste Dramaturgie, 2020), »Camming – 101 noites«, »História do Olho – um conto de fadas pornô noir« und »Deeper«. Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt. Derzeit arbeitet sie an »The Black Box or How to Hide the Turtle«.
100 Minuten
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