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Noa Heyne und John von Bergen – Skulptur/Installation

Auge sieht keine Dinge, sondern Figuren von Dingen, die andere Dinge bedeuten. (Italo Calvino)

Veranstaltungen in Berlin: Replace the Space
© Noa Heyne


Städtebau und Architektur sind seit jeher standhaftes Zeugnis sozialer und politischer Verfasstheit von Gesellschaften. Was ist aber nun, wenn diese Architektur dekontextualisiert oder fragmentiert wird? Wenn Architekturelemente als Symbol- und Sinnträger einer Gebäudefunktion neu interpretiert und verwendet werden? Dieser neuen, anderen Nutzung von Raum und Raumerfahrung widmen sich Noa Heyne und John von Bergen in ihren Arbeiten. In ihren Werken nehmen sie Fragmente der Architektur oder Objekte des alltäglichen Gebrauchs und heben ihre strengen Deutungsprinzipien und -kategorien auf. Ihr Schaffen ist damit gleichsam die Aufforderung zur Rhapsodie, zum Ungehorsam des Denkens gegenüber dem urbanen, architektonischen Raum.


Dieser Anspruch, Raum und Architektur neu zu denken, umzudeuten und neu erfahrbar zu machen, erscheint angesichts der Baugeschichte des gastgebenden Ausstellungsraumes – der heutigen Kommunalen Galerie Berlin – in ganz neuem, historisch belasteten Licht. Nach ihrer Machtübernahme hatten die Nationalsozialisten im Mai 1933 die freien Gewerkschaften zerschlagen und die „Deutsche Arbeitsfront“ gegründet, in der fortan Arbeitnehmer und Arbeitgeber zentral erfasst wurden. Als eine der einflussreichsten und mächtigsten Organisationen im Dritten Reich bestimmte sie alle arbeits- und sozialrechtlichen Fragen im Rahmen der NS-Ideologie. Im Krieg schwer zerstört, wird das Gebäude nach 1945 wieder aufgebaut, erhält aber eine gänzlich neue Fassadengestaltung, die heute die ursprüngliche Nutzung der Institution kaum mehr erahnen lässt. Allein Fragmente der Architektur sind heute erhalten und stilles, hinter neuer Fassade verstecktes Zeugnis der Täter-Geschichte. Architektur umzuwidmen, umzudeuten und – zuweilen spielerisch – neu zu kontextualisieren ist das Leitthema der Ausstellung Replace the Space mit Werken von Noa Heyne und John von Bergen. John von Bergen lässt in seinen Arbeiten Objekte hinter der Wandfarbe verschwinden oder lässt sie aus der Wand herauswachsen. So generiert er die Anmutung von Verborgenem, nicht mehr zu Identifizierendem. Noa Heyne bricht hingegen Boden oder Wand in Einzelteile, bindet sie wie Marionetten an Handhalterungen und Strippen und erlaubt Besucher*innen das spielerische Auflösen vermeintlich fester Strukturen.

Eröffnung: Dienstag, 3. Mai 2022, 18 Uhr
Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz, Kulturstadträtin
Elke von der Lieth, Kommunale Galerie Berlin
Einführung
Dr. Dorothea Schöne, Kunsthaus Dahlem