Performing Arts Season 2026/2027
Ein dunkles Feld beginnt zu leuchten wie ein Sternenhimmel. Acht Körper treiben darauf umher, dem Gewicht der Schwerkraft und dem Widerstand der Materialien ausgesetzt, zugleich in stetiger Bewegung. Die Tänzer:innen durchqueren eine sich ständig verändernde Landschaft aus schwarzem Sand, Rauch, Flüssigkeiten und Licht. Ihre Körper begegnen Elementen, die sie formen, bremsen, begrenzen oder verschlingen.
Die Arbeit ist inspiriert vom japanischen Schöpfungsmythos Kojiki, insbesondere vom Abschnitt über Ashihara-no-nakatsukuni, das „Land des Schilfes“, dessen wiegende, scheinbar endlose Bewegung zum choreographischen Prinzip wird.
Planet [wanderer] entfaltet sich als kosmisches Ritual: eine Choreografie des Umherirrens, des Suchens, des prekären Gleichgewichts zwischen Mensch und Erde.
Der Titel verweist auf die griechische Wortwurzel von „Planet“ – planaomai, das Umherirren – und öffnet einen Erfahrungsraum, in dem Körper zu wandernden Himmelskörpern werden.
In der Zusammenarbeit des französisch-belgischen Choreografen Damien Jalet mit dem japanischen bildenden Künstler Kohei Nawa verbinden sich Tanz und visuelle Kunst zu einer gemeinsamen Bild- und Bewegungssprache. Die Bühne wird zur lebendigen Oberfläche eines Planeten, der auf jede Berührung reagiert. Zwischen expressiver Choreografie und skulpturalem Experiment entsteht eine sinnliche Kosmogonie: ein Weltentwurf im Werden, fragil und widerständig zugleich. Jalet konfrontiert die Performer_innen permanent mit Material, Gravitation und Instabilität. Zustände kippen, Körper werden flüssig, mineralisch, staubhaft oder tektonisch. Individuelle Impulse greifen ineinander, beeinflussen sich, verschmelzen zu kollektiven Formationen. Migration, Transformation und Verletzlichkeit werden nicht erzählt, sondern körperlich erfahren. Planet [wanderer] zeigt eine tragische Liebesgeschichte zwischen Mensch und Planet – intensiv, viszeral, von archaischer Kraft.
Damien Jalet zählt zu den prägenden Choreografen der Gegenwart. Geboren in Belgien und in Frankreich lebend, ist er international bekannt für monumentale Arbeiten an der Schnittstelle von Tanz, Bildender Kunst, Film und Popkultur. Seine Choreografien – darunter Kooperationen mit Marina Abramović, Madonna oder Luca Guadagnino – begreift er als körperliche Landschaften, in denen Bewegung zur skulpturalen Erfahrung wird.
Mit Planet [wanderer] setzt Jalet diese Handschrift fort und formuliert zugleich eine eindringliche Reflexion über unsere Existenz auf einem Planeten, der selbst in Bewegung ist. Mit dem japanischen Bildhauer Kohei Nawa verbindet ihn seit ihrem ersten gemeinsamen Projekt Vessel eine kontinuierliche Zusammenarbeit, getragen von einer gemeinsamen Faszination für die Verwandlung von Materie in Bewegung und von Körpern in lebende Skulpturen.
Künstlerisches Team
- Damien Jalet – Konzept, Choreografie
- Kohei Nawa – Konzept, Szenografie
- Tim Hecker – Musik
- Yukiko Yoshimoto – Licht
- Sruli Recht – Kostüme
- Xavier Jacquot – Kollaboration Sounddesign
- Alexandra Hoàng Gilbert – Assistenz Choreografie
- Catalina Navarrete Hernández – Outside Eye
Mit
Shawn Ahern, Karima El Amrani, Aimilios Arapoglou, Francesco Ferrari, Vinson Fraley, Christina Guieb, Astrid Sweeney, Ema Yuasa
Zusätzliche Informationen
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