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Blick über die Schlossbrücke
Friedrichswerdersche Kirche_Schlossbruecke © visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Friedrichswerdersche Kirche

Schinkels Backstein-Traum

Auf Schinkels imposante Kirche lohnt es sich immer, einen Blick zu werfen, auch wenn sie gerade geschlossen ist.

Früher sagten die Berliner oft in Anspielung auf den bekanntesten Baumeister der Stadt: „In jedem Winkel steht ein Schinkel.“ Und zumindest in Berlin-Mitte ist das bis heute so. Auch wenn seine zahlreichen Kirchenbauten, wie im Falle der Friedrichswerderschen Kirche, inzwischen oft nicht mehr als Kirchen genutzt werden. Die Friedrichswerdersche Kirche war bis Ende 2012 ein Museum, seitdem ist sie aufgrund von Bauschäden geschlossen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist es im Frühling 2020 soweit: Die Friedrichswerdersche Kirche öffnet aufs Neue ihre Türen und präsentiert sich als Ausstellungsraum für Skulpturen aus der Schinkelzeit.

Geschichte der Kirche

Die Friedrichswerdersche Kirche liegt am Werderschen Markt – heute nicht weit vom Humboldtforum, dem Roten Rathaus oder dem Außenministerium. Karl Friedrich Schinkel hat seine nationalromantische Sturm-und Drang-Zeit mit all den gotischen Kathedral-Entwürfen längst hinter sich, als er 1821 den Neubau der verfallenen deutsch-französischen Kirche plant. Schinkel entwirft nach gotischem Vorbild, unter Anlehnung an englische Chapels und unter Einbeziehung klassischer Elemente. Der Innenraum der Kirche folgt mit seinen nach ober strebenden gebündelteten Pfeilern, seiner hohen Decke und seinem Netzgewölbe der Idee der Gotik.

Baugeschichte

Die Kirche wird zwischen 1824 und 1831 errichtet und ist die erste neugotische Kirche Berlins. Schon 1843 erhält Schinkels Nachfolger Friedrich August Stüler den Auftrag, an die Werdersche Kirche Hand anzulegen und sie weiter schulmäßig zu gotisieren. Stüler setzt an den zwei Turmhelmen und stellt gotische Fialen mit krabbenbesetzten Helmen aus Zinkguss aufs Dach.
Über Hundert Jahre ist die Friedrichswerdersche Kirche Gotteshaus der lutherische Gemeinde. Die Kirche wird im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Vier Jahrzehnte ist sie Ruine. Ihre Farbfenster sind eingelagert und werden vergessen. Erst 1982, als im Berliner Dom das Wasser aus den Kellergewölben gepumpt wird, tauchen die Holzkisten, in denen sich die lang vermissten Glasfenster befinden, wieder auf.

Die Skulpturen-Ausstellung

Zur 750-Jahr-Feier wird die Friedrichswerdersche Kirche Museum. Als Dependance der Alten Nationalgalerie ist das Kirchenschiff bis 2012 der stimmungsvolle Rahmen für eine Ausstellung von Skulpturen aus Schinkels Zeit, darunter das Originalmodell zu Johann Gottfried Schadows berühmtestem Werk, der Prinzessinnengruppe, der Marmorsarkophag der Königin Luise von Preußen von Christian Daniel Rauch, mehrere Bildwerke aus dem Berliner Schloss, aber auch Bildnisse von Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, den Brüdern Humboldt sowie zahlreiche weitere Skulpturen. Derzeit sind die Skulpturen im Depot eingelagert.

Friedrichswerdersche Kirche in Mitte Innenaufnahme
Friedrichswerdersche Kirche nach der Renovierung © Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Foto: Stefan Müchler

 

 

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