Mit der Ausstellung „What’s Going On?“ beginnt im Frühjahr 2026 ein neues Kapitel im Mies van der Rohe Haus: Unter der Leitung von Dennis Brzek richtet sich der Blick auf aktuelle künstlerische Positionen, die sich mit den Spannungen und Fragen der Gegenwart auseinandersetzen.
Der Titel der Auftaktausstellung versteht sich dabei sowohl als offene Frage als auch als Einladung, den gegenwärtigen Moment aufmerksam zu betrachten.
Die Ausstellung versammelt Arbeiten von Dora Budor, Clara Hausmann, Samuel Jeffery, Tam Ochiai, Oliver Tirré, Melvin Way und Constantina Zavitsanos. Ihre Werke bewegen sich zwischen Skulptur, Installation, Zeichnung und konzeptuellen Ansätzen und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf gesellschaftliche, politische und persönliche Zustände unserer Zeit.
In der besonderen Architektur des Mies van der Rohe Hauses treten die Arbeiten in einen Dialog mit Raum, Struktur und Geschichte des Ortes. Dabei entstehen neue Konstellationen zwischen künstlerischen Stimmen, Materialien und Narrativen, die Fragen nach Wahrnehmung, Zugehörigkeit und Gegenwart aufwerfen.
„What’s Going On?“ markiert damit nicht nur den Auftakt einer neuen programmatischen Ausrichtung, sondern auch einen Moment der Öffnung: für künstlerische Experimente, für internationale Positionen und für einen kritischen Blick auf das Hier und Jetzt.
What’s going on? bildet den Auftakt des Programms von Dennis Brzek, der neuen Leitung des Mies van der Rohe Hauses in Berlin. Die Gruppenausstellung versammelt sieben künstlerische Positionen und bringt bestehende Werke mit neuen Arbeiten zusammen, die im Dialog mit dem Ort entstanden sind. Mit der Ausstellung nähert sich das Mies van der Rohe Haus durch die Linse künstlerischer Praxis der Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart des historischen Haus Lemke, in dem die Institution angesiedelt ist. Die gezeigten Werke stellen Fragen zu Zeit, Abwesenheit und persönlichen Geschichten und machen sowohl private als auch geteilte Erinnerungen zu ihrem Material.
Unter der Leitung von Dennis Brzek geht das Mies van der Rohe Haus institutionell neue Wege. In Alt-Hohenschönhausen gelegen, mit direktem Anschluss an Park und See, macht es die Institution zu ihrem Auftrag, künstlerische Praxis zu ermöglichen, ihre Themen in die Breite zu vermitteln und über verschiedene Ansätze erfahrbar zu machen. Das Mies van der Rohe Haus ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst, das zwischen Vergangenheit und Gegenwart vermittelt. Den roten Faden bildet das Nachdenken über Architektur und ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge – dabei wird das Schaffen von Ludwig Mies van der Rohe zum Material für künstlerische Auseinandersetzungen. Ein ganzheitliches Programm aus ortsspezifischen Ausstellungen, künstlerischen Auftragsarbeiten und übergreifenden Kooperationen gibt dem Mies van der Rohe Haus ein flexibles institutionelles Vokabular, das es bewusst für verschiedene Publika mit unterschiedlichen Perspektiven auf Dauer, Aufmerksamkeit und Wissensvermittlung öffnet.
WHAT’S GOING ON?
Über Jahrzehnte verformt und abgenutzt, wurde das Haus Lemke erst mit seiner denkmalgerechten Sanierung in den Jahren 2000 bis 2002 zum heute bekannten Zeugnis für die Architektur Mies van der Rohes. Im Zuge der Arbeiten wurden jegliche Spuren früherer Nutzungen und Bewohner:innen entfernt. In seiner jetzigen Form ist das Haus Lemke auch eine Fiktion, aufwändig auf Archivbasis rekonstruiert und mit zeitgenössischen Mitteln möglichst detailgetreu wiederhergestellt. Der bald 100 Jahre alte Bau führt nun ein zeitlich vermeintlich enthobenes Dasein, das permanent den Idealzustand sucht. Mit der Ausstellung What’s going on? soll ein reflektierter Umgang mit der Logik des Denkmals angestoßen werden. Indem die gezeigten Arbeiten mit gefundenen Objekten hantieren, als Träger von Zeit die Grenzen zwischen Intention und Zufall auflösen und sich durch persönliche Erzählungen für verzweigte Geschichten öffnen, fragen sie, wie Erinnern funktionieren kann.
Ausgehend von einem erweiterten Verständnis von künstlerischer Praxis greifen die Skulpturen von Oliver Tirré, die in direkter Auseinandersetzung mit Kontext und Ort entstehen, alltägliche Tätigkeiten auf und zeigen, wie aus sehr wenig Form entstehen kann, wenn man ihm Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmet. In diesem Sinn lenkt auch Constantina Zavitsanos den Blick darauf, wie die Reibungen zwischen Leben und den es bestimmenden Regeln herkömmliche Vorstellungen von künstlerischer Praxis aushebeln können, um verschiedene Definitionen von Körper und Zeit sichtbar zu machen. Samuel Jeffery beschäftigt sich mit der Theatralik von Begegnung und Präsentation und versteht die Ausstellung als performatives Medium, um damit Fragen nach Zeitlichkeit und Grenzen zu stellen. Melvin Ways eindringliche Zeichnungen, die er trotz ihres kompakten Formats über Monate anfertigte, sind Zeugnisse seines beständigen Suchens nach den Zusammenhängen der Welt – eine Auseinandersetzung mit Sprachen und Systemen aus den Wissenschaften, die auch Clara Hausmann mit einer neuen Arbeit beschäftigt. Die Skizzen von Tam Ochiai zeigen ikonische Bauten Mies van der Rohes beim Tagträumen und umspielen die Ernsthaftigkeit des Mediums, um diesen Kanon der Moderne für anthropomorphe Fantasien zu öffnen. Die ortsspezifische Wandarbeit Nicotine Museum von Dora Budor ist selbst wiederum eine archivarische Interpretation. Mit einem Farbton aus dem Bühnenbild, der dort zur Simulation von durch Zigarettenrauch verfärbten Räumen dient, werden an den Wänden die Spuren von Möbeln der Lemkes sichtbar gezeichnet.
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Montags geschlossen
Eintritt frei
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Montags geschlossen
Eintritt frei

