Mass vereint zwei Werkkomplexe, Arirang Half (2016/2026) und Body Borders (2023), in einer Ausstellung, die fragt, was Grenzen mit Körpern anstellen und was Körper mit Grenzen anstellen können.
Zwischen kollektivem Spektakel und intimer Spur, zwischen der Größe von Nationen und der Größe einer einzelnen sich bewegenden Figur bietet die Ausstellung den roam project space als Ort, um sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.
Arirang Half nimmt die nordkoreanischen Mass Games als Ausgangspunkt: ein Propagandaspektakel mit über 100.000 Darstellern, inszeniert unter dem Namen eines legendären koreanischen Volksliedes, das in beiden Koreanern bekannt ist. Das Werk reagiert darauf durch Abstraktion, körperliche Transkription und phonetische Verschiebung.
Eine dreistündige Videoprojektion in Endlosschleife zeigt den Körper der Künstlerin, von oben aufgenommen und über mehrere Bilder hinweg überlagert, wobei sie durch Bewegung die Originaltexte der Mass Games komponiert und auflöst.
Daneben bilden bis zu 115 im Inkjet-Verfahren gedruckte Videostills ein Raster, das an die Plakate erinnert, die Tausende von Darstellern hochhielten – ein kollektives Ritual, das sich in einer individuellen Geste bricht.
Ein handgebundenes Buch vervollständigt die Installation und gibt die Ausgangstexte durch formale Abstraktion und semantische Verschiebung wieder: Die daraus entstehende Poesie ist unsinnig und doch bewegend und verweist auf die Instabilität von Bedeutung, wenn sie durch kulturelle und sprachliche Grenzen gefiltert wird.
Arirang Half verwandelt ein Symbol starrer Kollektivität in ein offenes Feld der Interpretation und rückt die Fähigkeit des Körpers zu Mehrdeutigkeit und Widerstand in den Vordergrund.
„Body Borders“ beherrscht die Galerie in voller Größe: eine 400 × 300 cm große Zeichnung, die mit Ölpastell-Schuhen auf Papier entstanden ist und durch eine Stunde performativer Bewegung über die Oberfläche geschaffen wurde.
Der Körper ist kein Ausdrucksmittel, sondern ein Verhandlungsagent, der seine Begegnung mit Raum, Oberfläche und Grenze durch Spuren kartografiert, die sich ansammeln und überlagern. Die dabei verwendeten Schuhe sind ebenfalls zu sehen und betonen die verkörperte Arbeit hinter jeder Linie und die Spuren, die Bewegung unweigerlich hinterlässt.
Gemeinsam laden die beiden Werke die Betrachter:innen dazu ein, darüber nachzudenken, wie Grenzen – seien sie nationaler, sprachlicher oder körperlicher Natur – durch Bewegung, Übersetzung und kreatives Handeln geschaffen, aufgelöst und neu geformt werden.
John Seung-Hwan Lee ist ein in Berlin lebender interdisziplinärer Künstler, der in den Bereichen Zeichnung, Performance, Video und Schrift tätig ist.
Dieses institutionelle und volkstümliches Wissen bleibt im Zentrum einer Praxis, die den gesamten Körper als Instrument der Markierung aktiviert: Oberkörper, Arme, Beine, Füße und Kopf werden zu Trägern von Gesten, die die Grenze zwischen Tanz, Zeichnung und Schrift verwischen.
20.6 Vernissage 18–21 Uhr
21.6., 24.–27.6. 16–19 Uhr
22.–23.6. nach Vereinbarung
26.6. Finissage 19–21:30 Uhr (Gesprächsrunde 19 Uhr)
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