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Common Exceptions: Film-Screenings

Love Your Nails!R.: Narges Kalhor, 2026, Deutschland, 9', Deutsch, Englisch mit englischen Untertiteln



In diesem Kurzfilm entwirft Regisseurin Narges Kalhor eine Fantasiewelt, in der traditionelle Geschlechterrollen auf den Kopf gestellt werden. Lange künstliche Fingernägel, die von Frauen auch gerne als Waffen genutzt werden, bilden dabei ein wiederkehrendes Motiv. Die Fingernägel scheinen für alles einsetzbar zu sein: zum Jagen, Kämpfen, sogar zum Gebären. Mithilfe von KI werden die unausgesprochenen Codes hinter Geschlechter- und Sozialnormen zusätzlich ins Gegenteil verkehrt und kritisiert, womit der Film eine provokante Frage aufwirft: Was wäre, wenn Frauen ihre Macht so einsetzen würden, wie Männer es im Laufe der Geschichte getan haben und bis heute tun?

Shahid
R.: Narges Kalhor, 2024, Deutschland, 84', Deutsch, Farsi, Englisch mit englischen Untertiteln

Shahid ist politisches Drama und verzweifelte Komödie in einem. Es geht in Narges Kalhors autofiktional angelegtem Film um historische Helden, aktuelle Verbrechen und den Umgang mit ihnen in der Gegenwart. Zugrunde liegt der Wunsch einer Namensänderung: Die von einer Schauspielerin verkörperte Regisseurin möchte das Wort „Shahid“ (Märtyrer) aus ihrem Namen tilgen, das dem Urgroßvater im Iran hundert Jahre zuvor als Ehrentitel verliehen worden war. Das widerspricht nicht nur den Wünschen ihres Urgroßvaters, sondern hat bürokratische Komplikationen bei der Verwaltung in Bayern genauso zur Folge wie Musical-hafte Szenen und macht Shahid zu einem sehr persönlichen Film, der radikale Ideologien infrage stellt und sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt.

Im Anschluss Q&A mit Narges Kalhor
Mit Narges Kalhor, Can Sungu



Common Exceptions:

Die Filmreihe Common Exceptions versammelt aktuelle filmische Positionen aus dem deutschsprachigen Raum, die Migration als selbstverständlichen Teil gesellschaftlicher Realität begreifen. Lange Zeit wurden migrantische Erfahrungen im deutschen Kino nur aus der Außensicht erzählt – geprägt von Klischees, didaktischen Blicken und reduzierenden Zuschreibungen. Erst seit den 1990er Jahren begannen Filmschaffende, deren Eltern als Migrant*innen nach Deutschland kamen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen und damit neue Perspektiven zu eröffnen. Doch diese Öffnung blieb fragil, die Entwicklung verlief stockend. Es dauerte lange, bis eine neue Generation von Filmemacher*innen den pluralen Erzählweisen im deutschen Film neue Impulse verleihen konnte.

Common Exceptions präsentiert Werke dieser jungen Generation, die genau hier ansetzen. Ihre Filme verweigern sich der Rechtfertigung der eigenen Existenz oder dem Zwang zur Erklärung. Migration erscheint hier als Selbstverständlichkeit, nicht als dramaturgischer Ausnahmezustand. Mit Gelassenheit und Humor, zugleich komplex und präzise, formulieren sie eigene Positionen jenseits der Zuschreibungen von außen. Ob autofiktional, dokumentarisch oder essayistisch: Die Filme brechen mit etablierten Mustern, verbinden Intimität mit politischer Schärfe und entwickeln eigenständige filmische Formen. Sie sind plural, queer, intersektional und bewusst unberechenbar, wirken kompromisslos, provokativ und empowernd. Ihre besondere Stärke liegt im produktiven Widerspruch, weder gewöhnlich noch außergewöhnlich sein zu müssen. In diesem Sinne verweisen sie auf eine vielversprechende Zukunft des deutschen Films.

Common Exceptions verbindet Filmvorführungen mit Gesprächen und diskursiven Formaten. In Zusammenarbeit mit Berliner Filminitiativen und Netzwerken, die sich langfristigem Engagement verschrieben haben, entsteht so ein Raum für Austausch, Vernetzung und nachhaltige Zusammenarbeit.

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