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Was heißt es, Zeugin oder Zeuge der schlimmsten Grausamkeiten zu werden, die Menschen einander zufügen können – und dennoch den Glauben an Mitgefühl nicht zu verlieren? Die Ausstellung Memoria, zu sehen vom 31. Januar bis 3. Mai 2026 bei Fotografiska Berlin, widmet sich dem Werk von James Nachtwey, einem der einflussreichsten Fotojournalisten unserer Gegenwart.



JAMES NACHTWEY ‘Memoria’


Seit über vier Jahrzehnten hält Nachtwey Kriege, humanitäre Katastrophen und soziale Ungerechtigkeiten fest.
Dabei richtet sich sein Blick konsequent auf die Menschen hinter den Ereignissen. Nicht militärische Abläufe stehen im Zentrum, sondern die menschlichen Folgen von Gewalt, die Auswirkungen globaler Krisen und die Frage, wie Würde und Menschlichkeit selbst unter extremen Bedingungen bewahrt werden können.


Memoria begreift Fotografie zugleich als Akt des Erinnerns und als Widerstand gegen das Vergessen. Nachtweys Bilder dokumentieren Geschichte, entfalten ihre Wirkung jedoch vor allem im Jetzt: Sie schärfen das Bewusstsein für Leid, Ungleichheit und Verantwortung – und eröffnen damit Räume für gesellschaftliche Veränderung.


„Memoria eröffnet einen Raum für Reflexion – über Momente, die unsere jüngste Geschichte geprägt  haben, und über jene Kräfte, die unsere Welt auch heute noch formen. James Nachtweys Fotografien bleiben uns im Gedächtnis, weil sie menschliches Leid mit außergewöhnlicher Klarheit, Mitgefühl und Respekt zeigen. Seine Bilder erinnern uns daran, warum es wichtig ist, genau hinzuschauen. Sie fordern uns auf, unsere eigene Rolle innerhalb unserer gemeinsamen Geschichte zu überdenken, und laden uns ein, uns mit den Themen auseinanderzusetzen, die uns nachhalting prägen.”

Thomas Schäfer, Associate Director of Exhibitions, Fotografiska Berlin


Nachtweys Interesse an der Fotografie entstand früh: Bilder aus dem Vietnamkrieg und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung prägten sein Verantwortungsgefühl lange, bevor er selbst zur Kamera griff. Auch als er in den 1980er-Jahren von lokalen Reportagen zur internationalen Konfliktberichterstattung wechselte, blieb sein Ansatz unverändert – Empathie als Grundlage, verbunden mit Instinkt, Präzision und einem tiefen Vertrauen in menschliche Verbundenheit.

Viele seiner Fotografien wirken beinahe wie bewusst arrangierte Kompositionen. Tatsächlich entstanden sie oft in Sekundenbruchteilen, in Situationen höchster Gefahr. Nachtwey dokumentierte nahezu alle großen Konflikte der Moderne: von den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien, in Tschetschenien und im Nahen Osten über den Völkermord in Ruanda und Hungersnöte in Somalia und im Sudan bis hin zum langjährigen Krieg in Afghanistan.

Doch sein Werk geht weit über das Abbilden von Schlachtfeldern hinaus. Es zeigt auch die leisen Konsequenzen von Gewalt: Vertreibung, Hunger, Verfolgung, Krankheit – und den täglichen Mut derjenigen, die das Unvorstellbare überleben. Dabei folgt Nachtwey einem klaren ethischen Prinzip: Zeugnis abzulegen, ohne zu instrumentalisieren; Leid sichtbar zu machen, ohne Würde zu rauben; und festzuhalten, dass selbst im Moment größter Zerstörung der Mensch im Mittelpunkt steht.


Memoria lädt dazu ein, innezuhalten und die Welt aus Nachtweys Perspektive zu betrachten – nicht als bloße Abfolge von Katastrophen, sondern als fragile Kette menschlicher Erfahrungen. Seine Fotografien erzählen weniger vom Krieg als von der Sehnsucht nach Frieden an Orten, an denen dieser längst zerbrochen ist. Sie machen strukturelle Gewalt und globale Ungerechtigkeiten sichtbar – und erinnern eindringlich daran, warum genaues Hinsehen, Mitgefühl und Verantwortung heute wichtiger sind denn je.

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