Georgisches Filmfestival
Für diese Retrospektive wurde eine Auswahl von Spielfilmen des georgischen Regisseurs Levan Tutberidze zusammengestellt sowie Dokumentarfilme, die Arbeiten einer jüngeren Generation georgischer Filmschaffender repräsentieren: Tekla Aslanishvili, Andro Dadiani, Saba Dolikashvili und Dominik Gasser aus Deutschland.
Obwohl sie unterschiedlichen Genres angehören und aus verschiedenen Zeiten stammen, beschäftigen sich sowohl die Spielfilme als auch die Dokumentarfilme mit Gesellschaften im Kaukasus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der historische Hintergrund spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im Fokus stehen Bevölkerungen in Krisensituationen, traumatisiert durch militärische Konflikte in der Region Bergkarabach sowie durch die Kriege in Abchasien und Ossetien, die zu Hunderttausenden von Binnenvertriebenen auf den Territorien Georgiens und des Kaukasus führten.
Hinzu kommen die langfristigen Folgen dieser Konflikte: wirtschaftliche Instabilität, korrupte Regierungen, Wellen des Nationalismus in den ehemaligen Sowjetrepubliken, massive Arbeitslosigkeit und ideologisch stark polarisierte Gesellschaften.
Sowohl in den Spielfilmen als auch in den Dokumentarfilmen wird der Kaukasus – mit seiner majestätischen Natur und der beeindruckenden Vielfalt der dort lebenden Völker – einer kritischen Betrachtung unterzogen.
Der vereinte, friedliche Kaukasus, wie ihn die Avantgarde-Filmemacher*innen der 1920er Jahre mit ihrer utopischen Idee einer „Einheit in der Vielfalt“ imaginierten, erwies sich als gescheitertes Projekt, wie die bis heute andauernden Konflikt in der Region Bergkarabach tragisch belegen.
Der Kaukasus selbst – mit seinen malerischen Küstenlandschaften und atemberaubenden Bergpanoramen, etwa in Levan Tutberidzes Filmen Moira und Die Reise nach Karabach – wird zu einem der zentralen Protagonisten sowohl der Spielfilme als auch der Dokumentararbeiten.
Im Kern geht es in ausgewählten Kinofilmen darum, wie geopolitische Machtkämpfe um Einflusszonen in dieser kleinen, aber strategisch äußerst wichtigen Region an der Schnittstelle zwischen dem sogenannten Osten und Westen menschliche Lebenswege deformiert und zerstört haben.
- Text (gekürzt): Dr. Lily Fürstenow
FESTIVAL PROGRAMM
- 26.2.26. Eröffnung. Scenes from Trial and Error. Tekla Aslanishvili. Doku. OmU
- 27.2.26. The Village. Levan Tutberidze. Feature. OmU
- 28.2.26. A State in a State. Tekla Aslanishvili. Doku. OmU
- 1.3.26. Moira. Levan Tutberidze. Feature. OMU
- 2.3.26. Mushti/Faust. Medea. Andro Dadiani. Doku. OmU; Animations. Saba Dolikashvili. Animations; Andro. Dominik Gasser. Doku. OmU
- 3.3.26. The Resting Samurai. Levan Tutberidze. Feature. OmU
- 4.3.26. The Mountain Speaks to the Sea. Tekla Aslanishvili. Doku. OmU