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ZDF-Journalisten öffnen Ermittlungsakten

Für die Dreharbeiten reisen sie quer durch die Bundesrepublik. Dabei erfahren sie von unglaublichen, verstörenden und zugleich berührenden Geschichten, die sie in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Mordermittlern filmisch umsetzen.

KEY VISUAL Das Prinzip Mord von David Sarno und Sascha Lapp
KEY VISUAL Das Prinzip Mord von David Sarno und Sascha Lapp © Sarno und Lapp

Über die vielen Jahre konnten sie auf diese Weise ausgezeichnete, mitunter fast freundschaftliche Kontakte zu den ermittelnden Behörden aufbauen, deren spannende Arbeit für sie immer im Vordergrund steht. Die Journalisten lernen Ermittler kennen, denen es durch Hingabe, Hartnäckigkeit und Akribie gelingt, Täter zu überführen und hinter Gitter zu bringen und dabei das Leid der Opfer und ihrer Familien nie aus den Augen verlieren. Es sind Geschichten von Menschen, deren unterschiedliche Schicksale auf so unheilvolle Weise zusammengeführt worden sind.

Für ihr Buch »Das Prinzip Mord – Wahren Verbrechen auf der Spur« ist es ihnen gelungen, exklusive Einsicht in die Ermittlungsakten zu erlangen und ausführliche Gespräche mit Ermittlern zu führen, die mit spektakulären Mordfällen zwischen den Jahren 1971 bis 2015 betraut waren.

Sarno und Lapp berichten von fünfzehn spektakulären Fällen, die sie in den vielen Jahren ihrer Zusammenarbeit nachhaltig beeindruckt haben. Vorgänge wie die kriminaltechnische Untersuchung eines Tatorts, das Sichern von Spuren und deren Auswertung, die Rekonstruktion des Tathergangs, die Befragung der Angehörigen auf Opfer- und Täterseite sowie die Vernehmung von Tatverdächtigen werden anschaulich und fesselnd beschrieben.

Außerdem dürfen sie exklusives Bildmaterial veröffentlichen, das von der Spurensicherung an den jeweiligen Tatorten aufgenommen wurde. Der Leser sieht, was die Mordkommission damals vorgefunden hat und kann so jeden Ermittlungsschritt nachvollziehen. Die Dokumentation der Verbrechen fördert Erschreckendes zutage und liefert zugleich seltene und authentische Einblicke in die Arbeit von Mordkommissionen in ganz Deutschland.

Während im beliebten »Tatort« die Aufklärung keine 90 Minuten auf sich warten lässt, dauert es im realen Leben oft Jahre, Jahrzehnte, bis ein Fall abgeschlossen wird. Tatsache jedoch ist, das oft belächelte »Bauchgefühl« existiert! Ebenso die unglaublichen technischen Fortschritte wie DNA- und Mikroanalyse – eine einzige Hautschuppe von der Kleidung des Opfers, ein eingetrockneter Speichelrest an der vor Jahren eingetüteten Zigarette kann zum Täter führen; die Trassologie, ein wissenschaftlicher Bereich der Kriminalistik, wertet noch winzigste Spuren aus.

Auf welch unglaubliche Weise außerdem der Zufall Regie führt, zeigt der spektakuläre Fall, den sich das Autorenduo für den Schluss aufgehoben hat: Jemand beobachtet aus dem fahrenden Zug heraus einen Kampf zwischen Mann und Frau. Ein Schüler verfolgt die Berichterstattung, studiert Jus, wird Staatsanwalt, nach über 30 Jahren landet der Cold Case auf seinem Schreibtisch – und wird aufgeklärt!

Trotz des bewusst protokollhaften Stils vermitteln Sarno und Lapp, welchen Schock das Auffinden eines Mordopfers jedes Mal bedeutet. Und traurig, wie oft gerade junge Mädchen verschwinden. Töten ist, zumindest statistisch gesehen, vornehmlich Männersache.

Auf die Frage, ob es einen Fall gibt, der die Autoren besonders betroffen macht, antworten sie:

Sarno: Mir ist bis heute das Schicksal einer ermordeten Schülerin aus Frankfurt am Main im Gedächtnis. Die 16-Jährige wurde Anfang der 1980er Jahre im Frankfurter NordWestZentrum vergewaltigt und mit ­einem Messerstich mitten ins Herz getötet. Damals wie heute erschreckt mich die Kaltblütigkeit des Täters. Gleich­zeitig bin ich von der Hartnäckigkeit des damals ermittelnden Kommissars beeindruckt.

Lapp: Ganz klar der Fall einer jungen Frau aus Berlin, die von einer Geburtstagsfeier mit der U-Bahn nach Hause fahren wollte und auf dem Heimweg brutal ermordet wurde. Dank der Videokameras auf den Bahnsteigen war es möglich, nicht nur den Weg des Opfers bis zur Ermordung zu rekonstruieren, sondern auch den Täter zu entdecken. Einer der ermittelnden Kommissare hat damals zu uns gesagt, dass er während der Durchsicht des Materials am liebsten in den Bildschirm gesprungen wäre, um die junge Frau zu warnen. So etwas bleibt im Kopf.

Um letzteren Fall wird es auch in der Lesung gehen in Anwesenheit des damals ermittelnden Kommissars Ingo Kexel.

David Sarno, geboren 1982 in Offenbach am Main, arbeitet als freischaffender Autor, Filmemacher und Regisseur. Außerdem produziert er Dokumentationen für mehrere True-Crime-Formate des ZDF und ZDFinfo. Seine Film- und Performanceprojekte waren bereits auf zahlreichen Festivals und Ausstellungen vertreten und wurden mit mehreren Preisen (u. a. dem Hessischen Film- und Kinopreis) ausgezeichnet.

Sascha Lapp, geboren 1972 in Offenbach am Main, ist Journalist und Buchautor. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er für den Hörfunk des Hessischen Rundfunks und für die ARD als Reporter, Moderator und Redakteur. Seine eigene Radiorubrik, der »Polizeireport«, ist überregional erfolgreich und in Buchform erschienen. Seit vielen Jahren produziert er Dokumentationen für verschiedene True-Crime-Formate des ZDF und ZDFinfo.



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