Architekturführung
Die farbenfrohe Siedlung war Teil einer Bauoffensive, die vor dem Hintergrund der krassen Wohnungsnot und des durch die Industrialisierung ausgelösten rapiden Wachstums der Städte gestartet wurde.
Die Siedlung wurde durch die politisch links stehende Wohnungsbaugesellschaft GEHAG 1926-31 in insgesamt sieben Bauabschnitten errichtet. Maßgeblich geplant wurde sie durch durch den Architekten Bruno Taut geplant, auf dessen Entwürfe auch gleich vier der sechs Siedlungen zurückgehen, die bereits 2008 gemeinsam zum Welterbe erklärten wurden.
Das etwa 34 Hektar große Areal im bürgerlich-konservativ geprägten Zehlendorf umfasst insgesamt über 800 Reihenhäuser mit Gärten plus rund 1.100 Wohnungen in Blocks mit je drei Wohngeschossen und einem halbhohen Aufsatzgeschoss, dass zum Wäschetrocknen genutzt wurde. Sie entspricht damit in ihrer Größe nahezu der 1925-30 erbauten Britzer Hufeisensiedlung, von der auch zahlreiche Prinzipien, Grundrisse, Farbigkeiten und Bauteile übernommen und weiterentwickelt wurden.
Als Chefarchitekt der GEHAG entwarf Taut sowohl den Masterplan des gesamten Areals, als auch einen Großteil der Bauten. Neben Taut waren die beiden Architekten Otto-Rudolf Salvisberg und Hugo Häring am Entwurf beteiligt. Sie planten je eine Parzelle mit Reihenhäusern in den Bauabschnitten I und II. Für die Gestaltung der Freiräume und Gärten waren Leberecht Migge sowie Matha Willings-Göhre als Planende engagiert.
Der Bau war vor Ort nicht unumstritten: Schnell bekam die sehr virtuos farblich gestaltete und geschickt in die vorhandene waldreiche Umgebung integrierte Anlage den Namen "Papageiensiedlung". Diese Bezeichnung war zwar einst als Schmähbegriff gedacht, wird aber bis heute bewusst von den Bewohnenden auch selbst benutzt. Später brach man dann den hoch ideologisch geführten "Zehlendorfer Dächerstreit" vom Zaun, der entlang der Straße "Am Fischtal" seinen sichtbaren Niederschlag fand. Taut antworte mit einem langgestrickten Bau, den er selbst als "Peitschenknall ins Gesicht der Bourgeoisie" umschrieb.
Ein weiterer Name leitet sich aus der Nähe zum U-Bahnhof "Onkel Toms Hütte" ab, wo wir unsere Tour starten werden. Geschickt integrierte Otto Rudolf Salvisberg hier die Gestaltung zweier parallel zum Gleisbett geführten Ladenzeilen. Diese Kombination aus Verkehrsanbindung und Nahversorgung ist auch gleich eine der drei Besonderheiten, auf die man bei der Begründung des Erweiterungsvorschlags zu recht abhob ...
Die Tour am Sa, den 29.9.2026 dauert knapp zweieinhalb Stunden und startet um 11:00 Uhr am westlichen Ausgang des Bahnhofs zur Onkel-Tom-Straße.
- Die Tour kostet 15 € (ermäßigt 12 €) pro Person, zahlbar bar vor Ort.
- Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt.
- Eine Anmeldung ist erforderlich unter: tours@buschfeld.com
Zusätzliche Informationen
Weitere Führungsangebote desselben Anbieters folgen im September im Rahmen des Festivals der Industriekultur.
Informationen zur Barrierefreiheit
Die Tour umfasst einen längeren, halbwegs zügigen Spaziergang, ist prinzipiell aber auch für Rollstühle geeignet.
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