Direkt zum Inhalt

Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel

Im Bayerischen Viertel im Bezirk Schöneberg kann man der Geschichte auf die Spur gehen: Eine Erinnerungskultur im Straßenschildformat vermittelt die antisemitische Diskriminierung während der nationalsozialistischen Diktatur.

Zwischen 1941 und 1945 wurden etwa 50.000 Jüdinnen und Juden im Berliner Stadtgebiet durch das nationalsozialistische Regime deportiert und ermordet. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 griffen die zunehmenden Restriktionen immer weiter in die Freiheiten der Jüdinnen und Juden in Deutschland ein. Noch vor dem Kriegsbeginn 1939 gelang es etwa 80.000 jüdischen Menschen aus der Hauptstadt zu fliehen. Wie sich die Situation für die entrechteten, vertriebenen, deportierten und ermordeten Juden zwischen 1933 und 1945 zuspitzte, lässt sich noch heute im Bayerischen Viertel in Charlottenburg nachvollziehen.

Seit 1993 ist der Prozess der antisemitischen Gesetzgebung durch die Nationalsozialisten auf insgesamt 80 doppelseitig gestalteten Straßenschildern im Bayerischen Viertel dokumentiert. Auf der einen Seite der Schilder ist die nationalsozialistische Gesetzgebung kurz zusammengefasst, auf der anderen Seite befinden sich kontextbezogene Illustrationen, die mal ganz sachlich, mal etwas zynisch den Inhalt der anti-jüdischen Maßnahmen untermalen. So wird entlang der Straßenzüge deutlich, wie schleichend die antisemitische Diskriminierung von Statten ging. Die Idee für diese lebendige Art und Weise der Erinnerung auf Straßenschildern stammt von dem Künstler-Duo Renata Stih und Frieder Schnock.

Begleitend zu den physischen Denkmälern gibt es seit 2020 auch eine kostenlose App, die entlang der Schilder durch das Bayerische Viertel führt und Übersetzungen und Audiodateien bereitstellt.