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Musikalische Lesung

Das Echo gigantischer Schritte schallt über alle Grenzen hinweg. Ein Subjekt schreitet durch die Landschaft und wirft seine Schatten voraus. Ein Waldbrand wird gleich einer Zigarette beiläufig ausgetreten. Ein Zweifel bleibt zurück, wie ein Hitzeflimmern - unwirklich und schwer zu greifen. Er verschwindet, sobald man sich nähert. Doch über Zweifel ist das Subjekt ohnehin erhaben. Es geht weiter, ohne zurück zu schauen.


Die musikalische Lesung Echoflimmern thematisiert den Mythos der menschlichen Überlegenheit gegenüber der Natur. Poetische und zugleich humorvolle Texte verbinden sich mit elektroakustischer Musik zu einem Gewebe, das sich wie eine Membran über den Publikumsraum legt. Diese fein abgestimmte Mischung aus Sprache und Klang setzt sich auf einer Videoebene fort. Sie führt durch Landschaften, die Menschen vermessen, gestalten und zu beherrschen glauben. Darin tauchen vereinzelte Figuren auf. Sie berichten von unvorhergesehene Naturereignisse, die den Glauben an die eigene Unverletzlichkeit radikal erschüttern.


Der Text untersucht die Verbindung von Patriarchat und Klimakatastrophe. Ausgangspunkt sind Überlegungen aus der politischen Philosophie und Phänomenologie zum geschlechterspezifischen Erleben des eigenen Körpers. Eine wichtige Referenz bildet dabei Iris Marion Youngs Essay „Throwing Like a Girl“. Young beschreibt, wie Geschlechterordnungen körperliche Bewegungen, räumliche Wahrnehmung und die Erfahrung eigener Handlungsmöglichkeiten prägen. Echoflimmern überträgt diese Beobachtungen in eine Gegenwart der Klimakatastrophe: Was geschieht mit dem patriarchalen Selbstverständnis eines menschlichen Körpers, dessen Ausdehnungsmöglichkeiten scheinbar unendlich und dessen Verletzlichkeit aufgehoben ist, wenn die Umwelt diesem Anspruch Grenzen setzt? Was bedeutet es, wenn der Raum nicht länger selbstverständlich verfügbar ist, wenn Bewegungen ins Stocken geraten und der vermeintlich souveräne Schritt auf Widerstand stößt?


Für Echoflimmern setzt Till Ernecke seine Zusammenarbeit mit Jenny Szabo und Anina Woischnig fort. Ernecke arbeitet als Regisseur für Theater, Oper und Film und verbindet szenische Formen mit eigenen Texten. 2017 wurde er mit dem Preis der jungen Poeten, 2021 beim Literaturwettbewerb zeilen.lauf ausgezeichnet. Echoflimmern ist sein Literaturdebüt für die Bühne. Jenny Szabo arbeitet an der Schnittstelle von Physical Theatre, Tanz und Medienkunst. Gemeinsam mit dem Musiker Thelonious Hamel arbeitet sie international an dem Zusammenspiel von Performance, Bewegung und elektroakustischer Musik, unter anderem in Österreich, Indonesien und Taiwan. Für Echoflimmern bringt Szabo ihre Erfahrung mit Körper und Performance ein, Hamel entwickelt die musikalische Ebene. Ernecke verantwortet Text und Schauspiel, Anina Woischnig Recherche und Dramaturgie.


Mit

Text | Schauspiel: Till Ernecke

Musik: Thelonious Hamel

Video | Schauspiel: Jenny Szabo

Dramaturgie: Anina Woischnig


  • 27. November 2026
  • 19:30 Uhr
  • Kulturvolk Live, Ruhrstraße 6, 10709 Berlin-Wilmersdorf

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