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Charlotte Sohy fand verschiedene Wege, ihren Namen zu verschleiern: Mal kürzte sie ihn zu „Ch. Sohy“, mal gab sie sich den männlich klingenden Namen „Charles Sohy“. Um 1900 war es für eine Komponistin ein erhebliches Hindernis, eine Frau zu sein – eine Erfahrung, die Sohy ihr Leben lang begleiten sollte.

Zwar studierte sie bei Louis Vierne und Vincent d’Indy, wurde von ihren Zeitgenoss:innen geschätzt und erlebte private Aufführungen ihrer Werke. Doch selbst der Namenswechsel konnte ihr viele Türen nicht öffnen. Nach ihrem Tod geriet ihre Musik weitgehend in Vergessenheit, bis ein Enkel Jahrzehnte später ihre Manuskripte wiederentdeckte. Darunter befand sich auch das „Thème varié“, das Sohy ihrer Freundin Nadia Boulanger widmete.

Zwei musikalische Elemente durchlaufen darin Variationen in unterschiedlich gefärbten, impressionistischen Tonarten – „mit einem zielstrebigen, aber auch ängstlichen und geheimnisvollen Charakter“, wie die Komponistin selbst bemerkte, „als würde die Variation ihre eigene Stärke erst nach und nach erkennen“.

Ganz anders setzt Johannes Brahms sein Doppeltkonzert für Violine, Violoncello und Orchester in Szene: Wuchtig und kompromisslos beginnt es, fast wie ein musikalischer Schicksalsschlag. In virtuosen Kadenzen treten die beiden Soloinstrumente hervor, aus deren Dialog sich eine zunehmend aufgewühlte Fantasie entwickelt.

Brahms gibt dem Violoncello ein kraftvolles, markantes Hauptthema, während die Violine mit einem seufzenden Seitenthema antwortet. Im ersten Satz geraten beide in ein Wechselspiel aus leidenschaftlichen Dialogen und Momenten der Beschwichtigung, bevor sich die Musik in entrückte, beinahe idyllische Sphären öffnet. Im Finale kehrt schließlich der ungarische Tanz zurück und bringt das Werk mit tänzerischem Schwung zu seinem Abschluss.

Rund 30 Jahre zuvor arbeitete Brahms an einer Serenade – während er zugleich um seine Erste Symphonie rang. Entstanden ist lichtdurchflutete romantische Musik, die immer wieder an Haydn und Mozart erinnert. Die sechs Sätze knüpfen an die Tradition klassischer Divertimenti an: höfische Tänze, Anklänge an Tafelmusik und unterschiedliche, leichtfüßige Charaktere verbinden sich zu einem ebenso charmanten wie raffinierten Ganzen. Brahms spielt mit altertümelnden Melodien, Ländlern und stilistischen Anspielungen und setzt immer wieder auf warme, samtige Klangfarben. Ein musikalisches Vergnügen, das im Konzert viel zu selten zu erleben ist.

Besetzung

  • Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
  • Renaud Capuçon, Dirigent und Violine
  • Julia Hagen, Violoncello

Programm

Charlotte Sohy

Thème varié für Violine und Orchester op. 15

Johannes Brahms

Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102

Julia Hagen, Violoncello

Johannes Brahms

Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11

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