Nach der umfassenden, international besetzten Ausstellung 2019 „Body Performance“, die 2019 in der Helmut Newton Foundation zu sehen war, findet nun die daran anknüpfende Ausstellung „Rooms / Stages“ statt; diese verzichtet jedoch auf künstlerische Dokumentationen, sondern verschiebt vielmehr den Kontext und den Blick vom performativen Akt auf den Bühnenraum selbst.
Für Kinofilme werden im Vorfeld eines Drehs sogenannte „location scouts“ losgeschickt, um nach konkreten Orten zu suchen, die für bestimmte Szenen geeignet sind. Im fertigen Film liegt das Hauptaugenmerk der Wahrnehmung schließlich weniger auf den Bühnenräumen, als vielmehr auf den Schauspieler:innen und der Darstellung ihrer Rollen sowie auf der Komplexität des Filmgeschehens insgesamt.
Nur wenn Menschen einen bestimmten Film lieben und erneut schauen, nehmen sie sich mitunter die Zeit, auch andere Details wie das Licht, den Sound, die Kostüme oder die Ausstattung der Räume zu studieren. Das gleiche gilt für das Theater. Im Medium Fotografie nehmen sie in den meisten Fällen einen Raum als Bildmotiv ebenfalls kaum wahr, es sei denn, der Raum selbst wird von den Fotograf:innen zum Hauptmotiv erklärt.
Die Künstler:innen der aktuellen Gruppenausstellung werden mit jeweils einer Werkgruppe vorgestellt, die das eigene Schaffen repräsentiert. Sie beziehen den Raum bewusst in ihre inszenierten Porträts oder Tanzbilder ein, lassen die Menschen oder Tänzer:innen über Langzeitaufnahmen auch wieder daraus verschwinden; oder sie thematisieren ganz pur menschenleere Innenräume, etwa das eigene Atelier oder Haus mit wechselndem, verschobenem Mobiliar oder Museen wie in Versailles oder Dresden, in die hinein Menschen unweigerlich ein bestimmtes Geschehen völlig individuell imaginieren können.
Neben gerahmten Fotografien werden manche Raumkompartimente der Ausstellungsräume durch Wandtapeten mit großformatigen Bildmotiven visuell pointiert. Wir sehen aufwendige räumliche Interventionen, die nur für eine Fotografie entstanden sind, unwirtliche und zugleich perfekt gestaltete U-Bahn-Gänge in Berlin und London sowie Tanz- und Theaterbilder.
Helmut Newton, dessen Werk durch die wechselnden Ausstellungen in seiner Berliner Stiftung immer wieder neu kontextualisiert wird, hat die verschiedensten Orte in Bühnen verwandelt, wie im zweiten Ausstellungsteil zu sehen ist. Dazu gehören die luxuriösen Hotelzimmer und -lobbys in Paris, Mailand oder New York auf seinen Modefotografien der 1960er, 70er- und 80er-Jahre oder – wie in einer 180-Grad-Wendung – die schroffen Außenraum-Situationen in Monte Carlo oder gar seine dortige Garage, wo er in den 1990er-Jahren die exklusivsten Modeentwürfe hart kontrastierte, stets dem Zeitgeist entsprechend.
Helmut Newton arbeitete wie ein Filmregisseur und Set-Designer in Personalunion auf den von ihm geschaffenen Bühnen. In der aktuellen Ausstellung werden exemplarisch Newtons modebasierte Interieurs sowie manche seiner Bühnenfotografien gezeigt, die beispielsweise 1983 in Wuppertal bei Pina Bausch im Auftrag des Magazins „The New Yorker“ oder ab Mitte der 1980er-Jahre für die Programmhefte des Balletts von Monte Carlo entstanden sind. All das begegnet uns motivisch in Form riesiger Wandtapeten, einer Auswahl an gerahmten „lifetime prints“ sowie einer Fülle von Polaroids in den Vitrinen davor.
Eine Sonderausstellung der Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie


