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Baustelle der Garnisonkirche in Potsdam
Baustelle Garnisonkirche Potsdam © SGP, Foto: Peter Michael Bauers

Garnisonkirche in Potsdam

Der Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche

"Living History" inspiriert an diesem schicksalsträchtigen Ort zu einer aktuellen Auseinandersetzung: Geschichte als Aufforderung, die Gegenwart zu reflektieren und die gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren.

Die 1735 vom norddeutschen Barock-Baumeister Philipp Gerlach errichtete Hof- und Garnisonkirche brannte 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nach einem Bombenangriff aus. 1968, zur Zeit der deutschen Teilung, ließ die DDR-Führung die Kirche aus ideologischen Gründen sprengen. Damit gehört die ehemalige Garnisonkirche zu den rund 60 Kirchenbauten, die unter dem DDR-Regime zerstört wurden.

Garnisonkirche Potsdam
Blick auf die Garnisonkirche Potsdam in den 1930er Jahren © © Anke Silomon, Foto: Christine Gottwald

Die Garnisonkirche - ein Denkmal deutscher Geschichte   

Im Herzen von Potsdam, unweit des Museum Barberini, entsteht ein neuer Turm.

2018 bestaunen Besucher die spektakulären Gründungsarbeiten: 38 Bohrpfähle werden in 38 Meter Tiefe gefräst, um die Fundamente für den neuen 90 Meter hohen Bau mit vier Vollgeschossen und Turmhaube zu legen. Im Herbst 2019 ist die Eindeckung der knapp 9m hohen Kapelle im Zentrum des Turmes abgeschlossen.  An den Ecken des Turmsockels verfügt das Mauerwerk über eine Stärke von bis zu 3.50 m, um die Lasten des etwa 1000 Tonnen schweren Turmschafts sicher zu verteilen.

Der Entschluss zur Wiedererrichtung des Turmes liegt in der bewegten Geschichte der Garnisonkirche begründet, in der sowohl die Preußische Monarchie als auch die Nazi-Diktatur ihre Spuren hinterließen. Zunächst von Friedrich Wilhelm I. errichtet für die Angehörigen des Hofstaats und der Garnison, tagten ab 1809 die ersten frei gewählten Stadtverordneten in der Garnisonkirche. Calvinisten und Lutheraner bildeten hier 1817 eine erste Union. Die Gruft der Garnisonkirche diente den preußischen Herrschern Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. als Grablege. 1933 gelangte die Garnisonkirche zu unheilvoller Berühmtheit, als dort am „Tag von Potsdam“ Adolf Hitler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg per Handschlag als Reichskanzler bestätigt wurde. 

Als Erinnerungsort deutscher Geschichte und als ein Forum für Frieden und Versöhnung wird hier ein Raum der Begegnung geschaffen, wo die Auseinandersetzung über Hochmut und Fall, über Widerstand und Anpassung und über Freiheit und Unterdrückung  lebendig geführt werden soll.
Der Versöhnungsgedanke begleitet das Projekt des Wiederaufbaues von Beginn an: Die temporäre Nagelkreuzkapelle am Rande des Baufeldes vereinigt geschichtliche Spuren mit Kirche und gesellschaftspolitischen Diskursen.

Barocker Stil trifft auf moderne Funktionalität

Der neue Turmentwurf des Architektenbüros Hilmer, Sattler & Albrecht zeigt eine spannende Symbiose aus Rekonstruktion und moderner Funktionalität. Auf etwa 1200 qm² entstehen  Ausstellungs- und Seminarflächen sowie die zentrale Kapelle als Herzstück des Turmes. Ein Highlight wird die 57 Meter hohe Aussichtsplattform mit weitem Blick über Potsdam. Auch das historische Glockenspiel unter der fast 90 Meter hohen Turmhaube soll wieder erklingen.
Das knapp 90 Meter hohe Bauwerk wird  über vier Vollgeschosse, 365 Treppenstufen und einen Fahrstuhl  verfügen. Dabei ist barrierefreies Bauen Programm.

Baustelle Erinnerungsort Garnisonkirche in Potsdam
Baustelle Garnisonkirche Beginn 1. Obergeschoss © Stiftung Garnisonkirche Potsdam; Foto: Stephanie Hochberg

Die Nagelkreuzkapelle

Am Rande des Baufeldes lädt die temporär errichtete Nagelkreuzkapelle zu Gottesdiensten, Ausstellungen und vielen geschichtlichen Informationen ein. Als Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry bildet die Grundlage inhaltlicher Arbeit ein Dreiklang: Geschichte erinnern, Verantwortung lernen und Versöhnung leben.

Garnisonkirche Potsdam
Temporäre Kapelle der Garnisonkirche Potsdam © SGP, Foto: Heike Schulz

Die Garnisonkirche bzw. Hofkirche zu Potsdam war eine evangelische Kirche in der Mitte von Potsdam. Sie war mit ihrem knapp 90 Meter hohen Turm das höchste Bauwerk und ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt. Sie gilt als ein Hauptwerk der barocken Kirchenarchitektur in Mitteleuropa und wird seit 2017 wiederaufgebaut.


Schau Mal: Baustellenführungen
Jeden ersten und dritten Samstag im Monat um 11.00 Uhr, Zugänglichkeit abhängig vom Baustand, kostenfreie Teilnahme.
Für Gruppen Voranmeldung erbeten.

Öffnungszeiten

Dienstag 11:00 – 17:00
Mittwoch 11:00 – 17:00
Donnerstag 11:00 – 17:00
Freitag 11:00 – 17:00
Samstag 11:00 – 17:00
Sonntag 11:00 – 17:00

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