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Waves matter. Sie erleuchten nachts unsere Straßen, tragen Stimmen, lassen Nahrung wachsen, verschicken Textnachrichten. Schall- und elektromagnetische Wellen: das sind allgegenwärtige, unsichtbare Kräfte, die das gesellschaftliche Zusammenleben formen, indem sie Menschen, Landschaften und Artefakte verbinden.


Und doch fehlt eine Sprache, um zu beschreiben, wie sie Menschen betreffen, selbst als sie zu Dingen von Belang werden: als strahlende Hitze, die das Leben unerträglich macht, als drahtlose Signale, die dystopische Zukünfte ermöglichen, oder als Umweltlärm und künstliches Licht, die menschliche und nichtmenschliche Gesundheit belasten.


Zugleich sind Menschen umgeben von wave matters: Bodenschwellen, die den Verkehrslärm dämpfen; Antennen auf Dächern, die 5G-Signale verbreiten; Vorhänge, Kleidung, Bäume und neuartige Beläge, die strahlende Hitze blockieren, reflektieren oder brechen. Doch die Verbindung zwischen Wellen und Dingen ist weder einfach noch stabil. Wellen bringen Körper, Städte, Geräte durcheinander— ihre Wirkungen sind vage, schwer in Worte zu fassen, kaum nachzuzeichnen. Zwischen Physik und Politik gehören sie nicht nur zum Spektrum. Sie sind auch spektral.


Diese Ausstellung erforscht, wie Wellen zu Dingen werden. Sie lädt Besucher:innen ein, das Spektrale auf drei Arten zu erleben. Sensorisch spielt sie mit den Schwellen der Wahrnehmbarkeit durch Werke, die gemeinsam mit beteiligten Künstler:innen entstanden sind. Erzählerisch greift sie kontroverse wissenschaftliche Theorien wieder auf, die etablierte Vorstellungen vom menschlichen Körper und die Grenzen zwischen den Sinnen ins Wanken bringen. Ethnografisch präsentiert sie Dinge, die unterschiedlich in Bezug zu Wellen stehen und Geschichten davon erzählen, wie Menschen und Städte im Alltag mit Wellen umgehen.


WAS SIE ERWARTET


Im Zentrum der Ausstellung steht das Wellenkabinett, ein multimodales Gerät, das wellenartige Objekte ausstellt, die das WAVEMATTERS-Team während der Feldforschung gesammelt hat. Diese Objekte werden im Ausstellungsraum jeweils in Beziehung zu ihrem eigenen Kontext gesetzt. Sie erzählen davon, wie Wellen in Städten materialisiert und problematisiert werden.

Diese Geschichten handeln von stacheligen Pflanzen, die Freizeitlärm in Barcelona regulieren, von Gerichtsverfahren in Großbritannien, die zu Orten des Protests gegen 5G werden, von Bekleidungsmode in Japan, die der Hitzeanpassung dient, oder von Insekten, die vor Licht geschützt werden.


Fünf künstlerische Positionen laden dazu ein, die Aufmerksamkeit und Sinne auf die allgegenwärtigen, aber oft unbemerkten Wellen zu richten:

In einer Videoinstallation präsentieren Amor Schumacher und Summer Banks Gesprächsfragmente, in denen Hitze den Alltag auf unterschiedliche Weise durcheinanderbringt.


Der Klangkünstler Mathias Klenner überträgt das Hintergrundrauschen eines Platzes in Barcelona in den Hauptausstellungsraum. In einer zweiten Arbeit macht er die schwer fassbaren Schwellen zwischen Wahrnehmung von Schall und Vibration in einer begehbaren Vitrine erfahrbar.


Merche Blasco lädt die Besucher:innen ein, mit eigens angefertigten elektromagnetischen Instrumenten durch das TA-T-Gebäude zu gehen, um dessen elektromagnetisches Summen zu hören.


Jeremy Knowles versetzt uns in die Perspektive eines Teiches im Görlitzer Park bei Nacht, wenn er durch künstliches Licht gestört wird.


ooooo, eine techno-feministische, transuniversale Konstellation, hinterfragt konventionelle Vorstellungen von Körpern und wie sie mittels verschiedener Typen von Antennen mit elektrischen Feldern in Beziehung stehen.


Zwei interaktive Wandinstallationen rekonstruieren kontroverse wissenschaftliche Theorien rund um den Vibrationssinn und die Bioelektrizität des Körpers. Sie dokumentieren die Suche nach einem sechsten Sinn – der Vibration – und die Idee eines Körpers, der von elektrischen Strömen geformt wird.

VERANSTALTUNGEN

Die Klangkünstlerin Merche Blasco tritt am 10. November 2026 um 20 Uhr im Rahmen der Berlin Science Week 2026 auf.


Führungen durch Mitglieder des Wavematters-Teams am 10. November 2026, 8. Dezember 2026 und 12. Januar 2027.


MITWIRKENDE

  • Kuratoren: Jorge Martín Sainz de los Terreros & Ignacio Farías (IfEE, HU Berlin)
  • Kuratorische Unterstützung: Felix Sattler & Paz Ponce (TA T)
  • Ethnograph:innen: Brett Mommersteeg, Nona-Schulte-Römer, Jorge Martín Sainz de los Terreros, Ignacio Farías/Albert Arias, Elisabeth Luggauer & Margherita Tess (IfEE, HU Berlin)
  • Historische Forschung: Brett Mommersteeg (IfEE, HU Berlin)
  • Künstler:innen: Summer Banks/Amor Schumacher, Merche Blasco, Mathias Klenner, Jeremy Knowles & ooooo


Finanziert durch den Europäischen Forschungsrat (ERC)

Wavematters. Attending to the Spectral. Bodies, Cities, Devices ist das Ergebnis eines fünfjährigen ERC Consolidator Grants unter der Leitung von Ignacio Farías am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin.



DEUTSCH/ENGLISCH

Zusätzliche Informationen

Öffnungszeiten:

Di – Sa, 14 – 18 Uhr

An gesetzlichen Feiertagen geschlossen


Eintritt frei



Informationen zur Barrierefreiheit

Einschränkungen der Barrierefreiheit

Durch einen Bauzaun ist der Besucher:inneneingang für Rollstuhlfahrer:innen aktuell nicht gut zugänglich. Für Unterstützung melden Sie sich bitte telefonisch am Empfang (+49 (0) 30 2093 46625).

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