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Theatertreffen 2026 | 10 bemerkenswerte Inszenierungen

Mitten hinein in die Feldküche geht es mit Jan-Christoph Gockels spektakulärer Wallenstein-Interpretation, in der Kriegsunternehmertum, strategische Selbstdarstellung, Ambitionen, Macht und Loyalität mit einer überwältigenden Vielfalt theatraler Einfälle angerichtet und scharf abgeschmeckt werden.

Ein Schlachtfest in sieben Gängen

nach Friedrich Schiller

  • Münchner Kammerspiele
  • Premiere: 4.10.2025

Im Dreißigjährigen Krieg führt Wallenstein als Oberbefehlshaber zahlreiche Söldnerheere an. Er bezahlt sie mit Plünderungen der eroberten Gebiete und macht selbst noch Profit, gemäß dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“. Als Wallenstein nach politischer Macht greift, lässt der Kaiser ihn ermorden. Im Jahr 2023 bricht Yevgeny Prigozhin, „Putins Koch“ und Kopf der Söldnergruppe Wagner, mit seiner Truppe zu einem Marsch nach Moskau auf. Der Aufstand scheitert, ein Flugzeug mit Prigozhin an Bord stürzt kurz darauf ab. Jan-Christoph Gockel verknüpft mit einer überbordenden Fülle an kreativen Ideen, Anspielungen und Stilen Friedrich Schillers monumentale Wallenstein-Trilogie mit einer zweijährigen Recherche des Produktionsteams über Ex-Söldner in der Gegenwart. Im Zentrum der einfallsreichen Inszenierung stehen die Menschen in Wallensteins Lager: Soldaten, Händler*innen, Kinder und Bauern aus dem Tross – mit ihren heutigen Entsprechungen. Wie sich annähern an den Krieg als Lebensform? Gockel und sein Ensemble entwerfen mit einem Festmahl auf der Bühne, Party, Live-Video, Marionetten, Schauspiel und Lecture Performance ein Spektakel für alle Sinne.

Jurybegründung

„Eine Doppelbelichtung der Mechanik des Krieges und eine überbordende Feier des Theaters: Das und noch viel mehr gelingt diesem Wallenstein. Sieben Stunden nehmen sich Jan-Christoph Gockel und sein Team von Individualist*innen dafür Zeit. Dass sie einem nicht lang werden, liegt an der Vielzahl der Perspektiven auf den Stoff, die sich manchmal reiben, aber immer wunderbar miteinander räsonieren. Es geht um Söldnerheere gestern und heute, um militärische Strippenzieher, die selbst an fragilen Strippen hängen, um Loyalität und die Schwierigkeit, Kriege wieder zu beenden. Zentral für die Bildwelten und den Humor des Abends sind Schillers berühmter Satz ,Der Krieg ernährt den Krieg‘, die Figur des russischen Söldnerführers Jewgeni Prigoschin und der Harry Potter-Zauberspruch ,Riddikulus‘, der beängstigende Dinge in etwas Komisches verwandelt und die lähmende Angst vertreibt. In diesem immersiven, zwischen Investigativ- und Literatur-Theater, Performance, Schau- und Puppenspiel, feiner Ironie, Satire und Ernst aufgespannten Meisterstück bleibt dagegen alles in Bewegung. Sogar die Hoffnung auf den Menschen im Krieger.“

Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury

Künstlerisches Team

  • Jan-Christoph Gockel – Regie
  • Julia Kurzweg – Bühne
  • Janina Brinkmann – Kostüme
  • Maria Moling – Musik / Komposition (Live-Musik)
  • Lion Bischof – Videodesign
  • Christian Schweig, Stephan Mariani – Lichtdesign
  • Michael Pietsch – Puppenbau
  • Annette Paulmann – Piccolomini-Menü
  • Viola Hasselberg, Claus Philipp – Dramaturgie
  • Sergei Okunev – Dramaturgische Mitarbeit und Recherche
  • Cico Beck – Musik Mitarbeit
  • Yvonne Griesel (SPRACHSPIEL) – Übertitel

Besetzung

  • Katharina Bach – Illo
  • André Benndorff – Questenberg
  • Johanna Eiworth – Isolan / Zhenya
  • Nadège Meta Kanku – Thekla, Wallensteins Tochter
  • Samuel Koch – Wallenstein
  • Annika Neugart – Max Piccolomini, Octavios Sohn
  • Annette Paulmann – Octavio Piccolomini
  • Michael Pietsch – Graf Terzky
  • Leoni Schulz / Eva Bay – Gräfin Terzky
  • Maria Moling – Seni und Live-Musik
  • Sergei Okunev – Serge – ein Typ aus Russland im Mantel und mit einem Zauberstab
  • Pari Garvanos / Daniel Hascher – Buttler

(In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln)

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Zusätzliche Informationen
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