Erste Ausgabe des mehrsprachigen Kinderliteratur-Festivals
Viele Kinder wachsen mit mehreren Sprachen, kulturellen Bezügen und unterschiedlichen familiären Geschichten auf. In der deutschsprachigen Kinderliteratur sind diese Perspektiven jedoch noch immer nicht sichtbar. Untold Stories setzt genau hier an: Das Festival versteht Mehrsprachigkeit als kreative und gesellschaftliche Ressource.
Literatur, mündliches Erzählen, bildende Kunst, Musik, Essen und gemeinsames kreatives Arbeiten eröffnen Räume, in denen es um Zugehörigkeit, Identität, Erinnerung und Gemeinschaft geht. Im Mittelpunkt stehen Kinder und Familien mit Migrationserfahrungen – nicht nur als Publikum, sondern als Wissens- und Kulturträger:innen, als Erzähler:innen und als aktive Mitgestaltende.
Untold Stories schafft zugängliche, diskriminierungssensible und fürsorgeorientierte Räume, in denen Kinder und Familien auf ihre eigene Weise teilnehmen können. Das Festival setzt auf mehrsprachige und vielfältige künstlerische Ausdrucksformen, auf kind- und familiengerechte Formate sowie auf barrierearme und neurodivergenzfreundliche Umgebungen. Das gesamte Angebot richtet sich kostenfrei an alle Familien, es wird jedoch der Versuch unternommen, solche mit Migrationserfahrung sowie an BIPoC und queere Familien zu ermutigen. Gemeinsam voneinander lernen.
PROGRAMM
Freitag, 18 SEP, 14:00–22:00
Refugio, Lenaustraße 3-4, 12047 Berlin
Der Festivalauftakt im Neuköllner Refugio beginnt mit einer mehrsprachigen Kinderbuchmesse. Zwölf Verlage präsentieren Publikationen in verschiedenen Sprachen und zu unterschiedlichen Themen. Besuchende können in den Büchern stöbern, neue Geschichten entdecken, Verlage und Organisationen kennenlernen und in entspannter Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen.
Am Nachmittag folgen Lesungen und Live-Illustrationen für unterschiedliche Altersgruppen. In einer türkischsprachigen Lesung wird Bir Sonbahar Öyküsü (Eine Herbstgeschichte) von Ayşe Pınar Köprücü vorgestellt. Ergänzt wird das Programm durch weitere visuelle und erzählerische Zugänge zur Kinderliteratur. Ein besonderer Programmpunkt für Erwachsene ist die Keynote Multilingualism in Kids’ Literature mit AYA Verlag. Die Keynote und das anschließende Gespräch widmen sich der Frage, wie Mehrsprachigkeit in der Kinderliteratur repräsentiert und als Stärke vermittelt werden kann. Der von drei Müttern in Hamburg gegründete Verlag macht Sprachen und Perspektiven sichtbar, die in der deutschsprachigen Kinderliteratur häufig fehlen. Ihre Bücher erscheinen auf Deutsch und jeweils in einer weiteren Sprache, darunter Dari, Pashto, Kurmancî und Türkisch. Zum Abschluss des ersten Festivaltags lädt die Kulturplattform AL.Berlin zu Musik, Performances und einem Community-Treffen ein.
Das Abendprogramm mit einem Live-Auftritt von Marwan und Mazen verbindet künstlerische Begegnung mit Austausch und gemeinsamer Feier.
Samstag, 19 SEP, 10:00–14:00
Amerika-Gedenkbibliothek (ZLB), Blücherplatz 1, 10961 Berlin
und 14:00–19:30 im Refugio
Der Samstag beginnt in der Amerika-Gedenkbibliothek (ZLB) mit einer interaktiven Lesung auf Kiswahili und Deutsch: Jane Mbeba stellt ihr neues Buch vor. Anschließend lädt die Al-Farabi Musikakademie zu einem Audio-Storytelling-Workshop ein, in dem mit Alltagsgegenständen Sound Art entsteht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkunden, wie Geräusche Geschichten erzählen und Erinnerungen in Klang übersetzt werden können.
Der Berliner Künstler Eric Winkler lädt junge Teilnehmenden zu einem Workshop ein: Gemeinsam verwandeln sie Poesiealben und Notizbücher mit farbenfrohen Textilien, Mustern und verschiedenen Materialien in persönliche Unikate. Inspiriert von Winklers multidisziplinärer Praxis zwischen Kunst, Mode und Textil entstehen kleine Archive für Gedanken, Erinnerungen und besondere Momente. Ein weiterer Workshop von Elisa Bauer lädt dazu ein, ein Buch auf spielerische und kreative Weise weiterzudenken.
Die von Pratyusha Sibal gegründete Berliner Non-Profit-Organisation Baking Hope nutzt Backen als Werkzeug für Empowerment, Heilung und Gemeinschaft. Gemeinsam mit Familien entdecken die Teilnehmenden Rezepte aus dem Untold Stoies Kinderkochbuch und gehen der Frage nach, wie Essen Geschichten über Erinnerungen, Fürsorge und Zugehörigkeit erzählen kann.
Am Nachmittag kehrt das Festival ins Refugio zurück. Im Familienworkshop von AYA unter dem Titel Languages Connect Worlds werden Sprachen als Verbindung zwischen Menschen und Lebenswelten erfahrbar.
Danach stellt İrem Kurt den interaktiven Graphic Novel Shababdz vor und spricht über muslimische, intersektional-feministische Perspektiven.
Der Tag verbindet damit Literatur, Gestaltung und Diskussion und versteht Geschichten als Räume für Selbstermächtigung, Sichtbarkeit und gemeinsames Nachdenken.
Sonntag, 20 SEP, 10:00–17:00
Spore Initiative, Hermannstraße 86, 12051 Berlin
Der Sonntag gehört den Workshops und partizipativen Formaten in der Spore Initiative. Nach dem Aufbau beginnt das Programm mit Rap und Poetry von Taha. Parallel dazu lädt die Al-Farabi Musikakademie im Foyer zu einem Audio-Storytelling-Workshop ein, in dem mit Alltagsgegenständen Klangkunst entsteht. Die Teilnehmer:innen erkunden, wie Geräusche Geschichten erzählen und Erinnerungen in Klang übersetzt werden können. Hagar Ophir präsentiert anschließend „Golden Threads“ und spricht über das Projekt. Ergänzend findet ein Calligraffiti-Workshop mit Mhanna statt, bei dem Schrift, Zeichnung und Gestaltung miteinander verbunden werden.
Im Foyer folgen eine Lesung und ein Gespräch zu „Mama Superstar“ mit Melissa und Malik von My Migrant Mama. Das Buch rückt migrantische Mütter und ihre Geschichten in den Mittelpunkt und macht Erfahrungen sichtbar, die im öffentlichen Erzählen häufig zu wenig Raum bekommen. Parallel dazu wird der Puppentheater-Workshop in einem zweiten Teil fortgesetzt. Die Teilnehmer:innen entwickeln ihre Figuren und Ideen weiter, bevor eine Puppenspiel-Performance das Ergebnis des Workshops auf die Bühne bringt.
Mit „Jina“ von Blue Boat Books geht es im Foyer in einer Lesung und einem anschließenden Workshop weiter. Die Geschichte wird gemeinsam erkundet und kreativ weiterentwickelt. Den Abschluss bildet eine von „Jina“ inspirierte Performance von Berfin Aktay. Sie übersetzt die Geschichte in Bewegung und Ausdruck und beendet das Festival mit einer künstlerischen Weiterführung der zuvor gemeinsam gelesenen und bearbeiteten Inhalte.
Das vielfältige und kostenfreie Rahmenprogramm mit Kinderbuchmarkt, mehrsprachigen Lesungen, Diskussionen, Workshops, Musik und kulinarischem Storytelling wird in Kürze veröffentlicht. Informationen zur Barrierefreiheit folgen ebenfalls bald.
Über lilipad
Seit 2017 baut der gemeinnützige Verein lilipad mehrsprachige Bibliotheksräume und Leseprogramme für Kinder in schwierigen Lebenslagen auf, unter anderem in Geflüchtetenunterkünften. Derzeit gibt es 21 aktive Bibliotheken in Deutschland, Marokko, Frankreich, Italien und Uganda. Der Verein wurde von der in Marokko geborenen Sara Arsalane gegründet.
„Lesen hat viele positive Effekte, aber für unsere Arbeit steht nicht nur Leseförderung im Mittelpunkt. Uns geht es vor allem um Wohlbefinden und Selbstvertrauen.“
– Sara Arsalane, Gründerin von lilipad
Zusätzliche Informationen
ORTE UND ZEITEN
Freitag, 18 SEP, 14:00–22:00
Refugio, Lenaustraße 3-4, 12047 Berlin
Samstag, 19 SEP, 10:00–14:00
Amerika-Gedenkbibliothek (ZLB), Blücherplatz 1, 10961 Berlin
und im 14:00–19:30 im Refugio
Sonntag, 20 SEP, 10:00–17:00
Spore Initiative, Hermannstraße 86, 12051 Berlin
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