MaHalla, selber Produktionsort für Kunst, wird einmal mehr Schauplatz und Bühne für Kreative, die sowohl das Kunstpublikum, Interessierte und die Nachbarschaft ansprechen soll.
Unruhe ist eine Gruppenausstellung über den Zustand, aus dem Kunst entsteht. Nicht die politische Gegenwart steht im Mittelpunkt, sondern jene innere Unruhe, die künstlerisches Arbeiten oft lange begleitet, bevor sie sichtbar wird. Erhöhte Wahrnehmung, Spannung, Zweifel und Beharrlichkeit werden hier nicht zum Thema der Kunst, sondern zu ihrer Voraussetzung. Während viele Ausstellungen auf die Welt reagieren, richtet diese Schau den Blick auf den Ort, an dem künstlerische Arbeiten ihren Ursprung haben.
Die Ausstellung versammelt Künstler:innen, mit denen über viele Jahre ein persönlicher und künstlerischer Austausch gewachsen ist. Zu sehen sind Schlüsselwerke und eigens für die Schau entwickelte Neuproduktionen, selten gezeigte Arbeiten sowie solche, die lange unrealisiert geblieben sind.
Die ehemalige Industriehalle hat sich zu einem der markantesten unabhängigen Produktionsorte der Berliner Kunstszene entwickelt. Künstler:innen betreiben hier einen Raum, der bewusst jenseits institutioneller Routinen arbeitet und großformatige, experimentelle und interdisziplinäre Projekte ermöglicht.
Die ukrainische Künstlerin Mariya Vasilyeva zeigt eine eigens für die Ausstellung entstandene Installation aus mehreren Tierteilen im Wintergarten der MaHalla. Ihre Werke bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Anatomie und Wissenschaft. Mit hoher anatomischer Präzision verarbeitet sie echte tierische Präparate, sezierte Fundkadaver und konservierte Embryonen zu Skulpturen. Sowohl dramatisch als auch poetisch fragt die Künstlerin nach Leben, Tod und Vergänglichkeit – und lässt unweigerlich Assoziationen zur Situation ihres Heimatlandes aufkommen.
Während Mariya Vasilyeva tierische Körper als Medium von Vergänglichkeit, Anatomie und politischer Metaphorik einsetzt, wendet sich Stella Hamberg der menschlichen Figur als Ort existenzieller Selbstverständlichkeit zu. Beide Künstlerinnen arbeiten im Feld der dreidimensionalen Arbeit, doch wo Vasilyeva mit gefundenen organischen Materialien operiert und den Tod zum Ausgangspunkt ihrer Skulpturen macht, erschafft Hamberg ihre Figuren aus dem traditionellen Dialog mit dem Bildhauer-Material. Beide eint die Frage nach dem Körper als Träger von Bedeutung.
Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf Künstler:innen-Kollektiven: Eigens für die Performance am Freitag reist Tokyo QQQ aus Japan an. Die queere Performance-Gruppe verbindet Burlesque, Poesie und Tanz – unter anderem im Rollstuhl oder an der Poledance-Stange – und feiert dabei das, was jede Person einzigartig macht. Unter den drei „Q“ – queer, quest und quirk – hinterfragt Tokyo QQQ gesellschaftliche Vorstellungen von Behinderung und bringt unterschiedliche Lebenswege zusammen. Und die Musikerinnen und Performerinnen von Melisma werden zum dritten Mal die Besucher in ihren Bann ziehen und mit ihrer Verbindung aus Musik, Performance und gemeinschaftlichem Erleben für einen besonderen Abend sorgen.
Eine besondere Arbeit ist Fallen Angel (2026) des österreichischen Aktionskünstlers und Bühnenbildners Wolfgang Flatz, bei der derzeit noch offen ist, ob sie tatsächlich stattfinden oder lediglich als Idee und Umsetzungsversuch präsentiert werden wird. Der Münchner Aktionskünstler versucht, einen Kampfjet des Typs Mikojan-Gurewitsch MiG-21 zu Fall zu bringen, indem er ein ausgesondertes Original teilweise im Boden versenkt. Doch auch das Scheitern gehört als mögliches Moment zur Arbeit, denn bürokratische und logistische Hürden sind Teil des künstlerischen Prozesses.
Parallel zu ihrer Einzelausstellung Sewing in der Miettinen Collection in Berlin zeigt die Bildhauerin Hannah Hallermann Wandobjekte. Für die aus Nürnberg stammende Künstlerin ist Material eine zentrale Bedeutungsträger: In dieser Serie verarbeitet sie Stahl, Eisen und Resin zu großformatigen, beweglichen Skulpturen, die an Pferde-Scheuklappen erinnern. Mittels Hydroforming-Technik werden die Metallformen unter hohem Druck mit Wasser aufgeblasen, bis sie sich verformen, ein Prozess zwischen Komposition und Zufall. Scharniere ermöglichen die Justierung des Sichtfelds und des Innen-Außen-Verhältnisses. Die Objekte fungieren als Metapher für die ständige Anpassung unseres Bewusstseins in einer Zeit der Informationsüberflutung.
Premiere
Ralf Schmerberg feiert die Premiere seines neuen Filmes Indarella (108 Min), für den der Filmemacher über 216 Tage alleine durch Indien reiste und ein sehr persönliches, essayistisches, bildstarkes und flirrendes Werk schuf, das Zufälligeiten, Kultur, Schönes, Spiritualität und für den Rastlosen absolut Neues darstellt.
Premiere: 8 SEP 2026, 20:30 Uhr im Schwarzen Saal
Screenings: täglich 14 / 16 / 18 / 20 / 22 Uhr
Bar
Frank Küster, ehemaliger King Size-Türsteher und Besitzer der Georgia Bar, wird mit seinem Team im Keller von MaHalla für die richtige Stimmung sorgen: einige Signature-Drinks und der Sound der Georgia Bar wird nach Oberschöneweide gebracht, sowie eine Überraschung.
Künstler:innen
Anna Borowy, Tokyo QQQ, Maria Vasilyeva, Melisma, Jonas Burgert, Martin Eder, Lars Eidinger, Stella Hamberg, Wolfgang Flatz, Matthias Mross, Hannah Nitsch, Sebastian Pielles, Ralf Schmerberg
Weitere Künstler:innen werden in Kürze bekanntgegeben.
- Laufzeit: 8.9.––13.9.2026
- Opening: DI, 8 9. 18–24 Uhr, mit Filmpremiere Indarella, 20:30 Uhr
- Ort: MaHalla Berlin, Wilhelminenhofstraße 76, 12459 Berlin-Oberschöneweide
#BerlinArtWeek
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mi-Sa 12:00–24:00 Uhr
So 12:00–20:00 Uhr
Eintritt: 12 Euro, 7 Euro ermäßigt
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