Das Berliner Ensemble zeigt „Transit“ nach dem Roman von Anna Seghers – eine packende Geschichte über Flucht, Exil und die Suche nach Identität im von Krieg und Faschismus geprägten Europa. Die Inszenierung beleuchtet eindringlich die Aktualität dieses Klassikers und stellt Fragen nach Freiheit, Hoffnung und menschlichem Zusammenhalt.
Zusätzliche Informationen
"Die 'Montreal' soll untergegangen sein zwischen Dakar und Martinique. Auf eine Miene gelaufen. Die Schifffahrtsgesellschaft gibt keine Auskunft." Diese Worte, die der namenlose Erzähler zu Beginn ausspricht, schreibt Anna Seghers, als sie selbst auf offenem Meer an den ersten Entwürfen ihres späteren Romans "Transit" arbeitet; während der mehrmonatigen Überfahrt von Europa nach Mexiko.Marseille 1940: Auf der Flucht vor den Nazis gelangen tausende Menschen in die südfranzösische Stadt, dem neben Lissabon letzten noch offenen Hafen Europas. Gefangen in einem Wartezustand, einer "tödlichen Langeweile", und der permanenten Angst vor Razzien, geht es für die meisten weder vor noch zurück. Auf den Konsulaten der Stadt beginnt ein Wettlauf um Papiere: Visa, Transit, Passierschein … Nur wenn alles vollständig ist, besteht Hoffnung auf eine Schiffspassage raus aus Europa. In den Wirren der Flucht fallen dem aus einem deutschen KZ geflohenen Ich-Erzähler die Papiere eines Toten in die Hände. Aus Seidler wird Weidel – zumindest auf dem Papier. Als Seidler auf Marie trifft, die zusammen mit einem deutschen Arzt flüchtete, verliebt er sich – ohne zu ahnen, dass Marie noch immer auf der Suche nach ihrem verschollenen Mann ist, einem gewissen Autor namens Weidel ...Anna Seghers' "Transit" ist eine unwahrscheinliche Geschichte. Voll von zufälligen Begegnungen und ungeplanten Verwicklungen. Doch ist es gerade die Unwahrscheinlichkeit der Ereignisse, die die individuellen Einzelschicksale von Flucht und Vertreibung miteinander verbindet. Anna Seghers' realistische Erzählweise setzt die vielen Mosaiksteinchen und Scherben einer Biografie zu etwas zusammen, was aus der Distanz betrachtet ein Bild ergibt. Vielleicht wird so, zumindest für den Moment des Erzählens, ein gemeinsames Verstehen möglich – und Trost in der zwischenmenschlichen Begegnung.Von Lukas Nowak
Teilnehmende Künstler
Von Anna Seghers (Autor/in)
Paul Zichner (Ich / Seidler)
Kathleen Morgeneyer (Marie)
Paul Herwig (Arzt / Paul Strobel / Mexikanischer Konsul u.a.)
Marie Schwesinger
Lara Scheuermann
Julia Wartemann
Timothy Roth
Robert Matysiak
Lukas Nowak