Der Dichter Angelo Poliziano stand nur wenige Meter entfernt, als am 26. April 1478 der 25-jährige Giuliano de’ Medici während der Messe im Florentiner Dom mit 19 Messerstichen ermordet wird. Er schreibt einen Text über seine Erlebnisse und den Hergang jener Verschwörung, die auch durch diesen Text unlöslich mit dem Namen der Familie Pazzi verknüpft ist.
Schon im Sommer wird Polizianos „Kleiner Bericht über die Verschwörung der Familie Pazzi“ an gleich zwei Orten gedruckt und erscheint sowohl in Rom als auch in Florenz. Er prägt den Blick der Zeitgenossen und der nachfolgenden Jahrhunderte.
Auch wenn der Dichter Augenzeuge war, so ist sein Bericht dennoch nicht die reine Wahrheit: Poliziano liefert die offizielle Medici-Version der Geschehnisse, denn er war ein enger Vertrauter Lorenzo de’ Medicis, erzog dessen Kinder, stand an der Spitze des Literaturbiotops von Florenz.
Der Autor, Übersetzer und Renaissance-Kenner Tobias Roth führt in dieses Biotop ein, stellt den Dichter Angelo Poliziano und seine Schilderung der Pazzi-Verschwörung vor und liest aus seiner Übersetzung des „Kleinen Berichts“, die in seinem Buch „Welt der Renaissance: Florenz“ 2024 erschienen ist. So erschließt sich in der Ausstellung im Zusammenklang von Literatur und Kunst jenes Zusammenspiel von Politik und Kultur, das die Herrschaft der Medici und die ganze Renaissance auszeichnet.
Tobias Roth wurde 1985 in München geboren, wo er nach Studien in Freiburg und Berlin wieder lebt. 2017 wurde er an der HU Berlin mit einer Arbeit zur Poesie der italienischen Renaissance promoviert. Als Autor, Übersetzer und Herausgeber veröffentlichte er bisher an die vier Dutzend Bücher. Der von ihm ausgewählte, übersetzte und mit Erläuterungen versehene Foliant „Welt der Renaissance“ (2020) stand auf der Spiegel- sowie der Schweizer Bestsellerliste.
Für seine Arbeit wurde Roth unter anderem mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis (2013) und dem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des LCB (2010) ausgezeichnet; Arbeitsstipendien führten ihn etwa nach Ventspils (2016), Florenz (2018) oder Salzburg (2024). Er ist der erste Künstler, der den Bayerischen Kunstförderpreis zweimal erhalten hat (2015 und 2021). Roth ist Mitbegründer des Verlages Das Kulturelle Gedächtnis und seit 2021 Herausgeber der „Grünen Reihe“.
Eintritt frei mit Museumsticket
Zusätzliche Informationen
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