In der globalisierten Wirtschaft werden internationale
Handelsabkommen seit Jahrzehnten dafür kritisiert, hinter verschlossenen Türen
ausgehandelt zu werden. Unternehmenslobbys und multinationale Konzerne erhalten
Zugang und Einfluss, während demokratische Institutionen und die
Zivilgesellschaft ausgeschlossen bleiben.
Handelsabkommen seit Jahrzehnten dafür kritisiert, hinter verschlossenen Türen
ausgehandelt zu werden. Unternehmenslobbys und multinationale Konzerne erhalten
Zugang und Einfluss, während demokratische Institutionen und die
Zivilgesellschaft ausgeschlossen bleiben.
Demokratische Vertreter und NGOs sind daher zunehmend auf Publisher wie WikiLeaks angewiesen, um Maßnahmen entgegenzuwirken, die auf die Privatisierung öffentlicher Güter, die Zensur des Internets, die Verlängerung von Patenten – mit der Folge unzugänglicher lebensrettender Medikamente – sowie die Untergrabung von Umwelt- und Arbeitsvorschriften abzielen. Eine der ersten bedeutenden Veröffentlichungen von WikiLeaks deckte mutmaßlichen Steuerbetrug und Geldwäsche auf, die von der Bank Julius Bär über die Kaimaninseln ermöglicht wurden.
Infolge dieser Enthüllungen wurde die Website vorübergehend geschlossen; die einstweilige Verfügung wurde später aus Gründen der Bürgerrechte aufgehoben. Die Macht multinationaler Unternehmen zeigt sich auch in Fällen wie den Fishrot Files, in denen ein Whistleblower offenlegte, wie westliche Konzerne namibische Behörden bestachen, um Fischereiquoten zu kontrollieren und durch Steueroasen Steuerzahlungen zu umgehen.
WikiLeaks ging über das bloße Veröffentlichen von Dokumenten hinaus, um Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen. Im Jahr 2015 initiierte die Plattform eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel, 100.000 Euro zu sammeln, um Whistleblower zur Offenlegung des damals als „meistgesuchtes Geheimnis Europas“ bezeichneten Vorhabens zu ermutigen: der geplanten Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). In diesem Teil der Konferenz wird der Einfluss von WikiLeaks auf die Aufdeckung von Fehlverhalten in Politik und Wirtschaft untersucht.
Matthew Kennard, Mitbegründer von Declassified UK, analysiert seit Jahren WikiLeaks-Enthüllungen zur westlichen Außenpolitik, insbesondere zu britischen und US-amerikanischen Militär- und Geheimdienstoperationen. Derzeit untersucht er die Rolle des Vereinigten Königreichs bei der geheimdienstlichen und logistischen Unterstützung im Gaza-Konflikt.
Samstag, 21. März 2026 Global Economy & Corporate Secrets 17:00–19:00
Mit:
Matthew Kennard (Autor, investigativer Journalist, Großbritannien)
Scott Ludlam (Designer, Forscher, ehemaliger Senator für Westaustralien, Australien)
Esteban Servat (Klimaschützer, Gründer, EcoLeaks, AR/DE)
Clara López Rubio (Filmemacherin, ES/DE)
Moderation:
Deepa Govindarajan Driver (Dozentin für Governance, Regulierung und Risiko, Henley Business School, Großbritannien)
Scott Ludlam, ehemaliger australischer Politiker und Mitglied der Australian Greens, engagierte sich fast zwei Jahrzehnte gegen den Uranabbau in der Jabiluka-Mine und in Westaustralien. Er setzte sich gegen Atomwaffen, für die Landrechte der Aborigines, Frieden und Abrüstung ein und kämpfte gegen Echtzeit-Massenüberwachung sowie für die faire Behandlung von Julian Assange und WikiLeaks. Esteban Servat, Wissenschaftler aus Argentinien und Gründer von EcoLeaks, veröffentlichte ein geheimes Regierungsdokument über die Verschmutzung des Grundwassers durch erste Fracking-Pilotbohrungen in der Provinz Mendoza (Teil des Schiefergasfeldes Vaca Muerta). Die Enthüllung führte zu einer breiten Anti-Fracking-Bewegung, staatlicher Verfolgung und Morddrohungen, die ihn schließlich zur Umsiedlung zwangen.
In ihrem Film Hacking Justice (2017/2021) dokumentieren Clara López Rubio und Juan Pancorbo die Zeit, in der Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London Zuflucht suchte, sowie die Arbeit seines Anwalts Baltasar Garzón. Ein zentraler Fokus liegt auf der mit der CIA verbundenen Spionageoperation der spanischen Sicherheitsfirma UC Global während Assanges Asyl. Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Deepa Govindarajan Driver, deren Arbeit die Bedeutung von WikiLeaks im Kontext von Unternehmensverantwortung und Rechenschaftspflicht herausstellt.
Art as Evidence & Resistance 20:00–22:00
Mit:
- Robert Trafford (stellvertretender Direktor, Forensis; stellvertretender
Direktor, Forensic Architecture, UK/DE)
- Institute for Dissent and Datalove (Kollektiv von Hackern, Künstlern,
Aktivisten und Tüftlern, DE/FR/US)
- Davide Dormino (Bildender Künstler, Aktivist, IT)
- Manja McCade (Künstlerin, Mitbegründerin, Julian Assange Archive e.V., DE)
Moderation:
Becky Haghpanah-Shirwan (Direktorin, A/POLITICAL, UK)
Der Zeitraum von 2009 bis 2016 war prägend für künstlerische Praktiken im Kontext von Whistleblowing. In dieser Phase entstanden enge Vertrauensnetzwerke, deren Ursprung in den Aktivitäten von WikiLeaks lag und die die Grenzen dessen verschoben, was veröffentlicht werden darf und was als Kunst gilt. Im November 2009 veröffentlichte WikiLeaks 570.000 vertrauliche Pager-Nachrichten zum 11. September, die über mehr als 24 Stunden hinweg die Ereignisse rund um die Anschläge in New York und Washington dokumentierten.
Das Archiv (911.wikileaks.org) enthält Abhörprotokolle offizieller Kommunikation aus dem Pentagon, dem FBI, der FEMA und dem New York Police Department sowie Systemmeldungen aus dem World Trade Center. Diese „9/11 tragedy pager intercepts“ werden jedes Jahr am 11. September erneut in Echtzeit ausgestrahlt.
Das Konzept „Art as Evidence“ entstand aus einem Austausch zwischen Laura Poitras, Jacob Appelbaum, Trevor Paglen und Tatiana Bazzichelli. Vorgestellt wurde es erstmals auf der transmediale-Keynote Art as Evidence in Berlin, um künstlerische Praktiken zu untersuchen, die Realität dokumentieren, interpretieren und gesellschaftliche Reaktionen auslösen. Whistleblowing, Leaking und Disclosure haben neue Räume des Widerstands eröffnet. Wie reagieren Künstlerinnen und Aktivistinnen auf diese Entwicklungen? Wie lässt sich die Debatte um Überwachung und Transparenz kulturell übersetzen, um sowohl Fachpublikum als auch die breite Öffentlichkeit zu erreichen?
Das Panel vereint unterschiedliche künstlerische und aktivistische Ansätze:
– visuelle Beweisführung durch Open-Source-Intelligence bei Forensis und Forensic Architecture (Robert Trafford)
– kritische Technologien und spielerische Algorithmen des Institute for Dissent and Datalove
– dezentrale Skulpturen zum Schutz der Meinungsfreiheit von Davide Dormino
– The Julian Assange Archive, vorgestellt von Manja McCade, das die Geschichte von Assange und der globalen Bewegung für Pressefreiheit bewahrt Moderiert wird die Diskussion von Becky Haghpanah-Shirwan, Direktorin von A/POLITICAL. In Zusammenarbeit mit der Wau Holland Foundation organisierte sie 2023 die Ausstellung States of Violence, die den vierten Jahrestag von Assanges Inhaftierung in Belmarsh markierte. Das abschließende Panel des Symposiums diskutiert Kunst als Beweisform und als Mittel des Widerstands gegen Machtmissbrauch, für basisdemokratische Interventionen sowie für den Schutz von Bürgerrechten und sozialer Gerechtigkeit.
(Englisch / Mit deutscher Simultanübersetzung)
Zusätzliche Informationen
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