Musikfest Berlin | Vladimir Jurowski, Leitung; Denisov / Vieru / Rachmaninow
Der Abend schließt mit der Chor-Sinfonie Die Glocken, die Sergej Rachmaninow zu seinen besten Werken zählte. Neben einem international renommierten Solist*innenensemble singt der Rundfunkchor Berlin.
Musik als Spiel der Farben, Schichten und Texturen: Edison Denisov widmete Peinture dem russischen Maler Boris Birger, der mit seinen existenziell und religiös aufgeladenen Arbeiten an die expressive Moderne anknüpfte. Das hochpoetisch-schillernde Klangfresko basiert auf unterschiedlichen Klangmischungen, die in den Worten Denisovs „stets melodisch“ bleiben. „Reine Farben werden nur am Anfang und am Schluss exponiert.“ Demgegenüber treffen in Anatol Vierus 2. Sinfonie schroffe rhythmische Impulse auf irisierende Klangflächen – ein Werk, das Schönbergs Bonmot bestätigt, man könne auch im 20. Jahrhundert noch gute Musik in C-Dur schreiben. Im ersten Satz trifft ein „hinkender“ Walzer im 5/4-Takt auf Burleskes à la Mahler, bevor ein pulsierender Choral sowie aus tiefsten Registern emporsteigende Klangfontänen Bilder der „unendlichen“ Säulen des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși zu beschwören scheinen. In seiner Sinfonie verarbeitete Vieru die traumatischen Erlebnisse, die er als Jude 1941 in Rumänien erfahren musste. Komponiert hat er das zwischen Spätromantik und Zweiter Wiener Schule changierende Werk als Stipendiat des DAAD in West-Berlin.
Gänzlich spätromantisch gibt sich schließlich Sergej Rachmaninows Chor-Sinfonie Kolokola (Die Glocken) nach dem Gedichtzyklus The Bells von Edgar Allan Poe, gesungen in der kongenialen russischen Übertragung des Symbolisten Konstantin Balmont. Musik von abgründigem Fatalismus, in der der Klang von Schlitten-, Hochzeits-, Feuer- und Totenglocke zum Symbol für die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens wird.
Programm
Edison Denissow
„Peinture“ für großes Orchester
Anatol Vieru
Sinfonie Nr. 2
Sergei Rachmaninow
„Die Glocken“ – Sinfonisches Poem für Sopran, Tenor, Bariton, Chor und Orchester nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe op. 35
Besetzung
- Vladimir Jurowski - Dirigent
- Galina Cheplakova - Sopran
- Anton Rositskii - Tenor
- Vladislav Sulimsky - Bariton
- Rundfunkchor Berlin
- Gijs Leenaars - Choreinstudierung
- Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
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