Rumpelstilzchen:
Ach wie gut, dass niemand weiß! Wie der Titel dieses Märchens ist. Denn wer, bitteschön, ist dieses völlig überdrehte Wesen, das hier plötzlich und völlig ungefragt in der Müllerstochter dunkler Kammer auftaucht? Wer, um Himmels Willen, verwandelt dieses Verließ innerhalb von Sekunden in eine Showbühne von internationalem Format? Mensch, es liegt doch auf der Zunge.
Es ist aber auch zum Mäuse melken: Grad wenn man reüssiert, wird von allen »Mehr!« geschrien. Und so spinnt die schöne Müllerstochter Stroh zu Gold und weint, und spinnt, und weint und spinnt. Der König, dieser Grimmsche Dagobert Duck, verlangt doch tatsächlich immer mehr. Da verspricht die Müllerstochter aus größter Not ihr Erstgeborenes dem verirrten kleinen Männchen, welches ihr zur Rettung eilt. Doof nur, dass dessen Name keiner weiß! Denn ohne den, sieht sie ihr Kindchen nimmermehr.
Ob sie das Kind am Schluss zurückbekommt? Nun, das kommt ganz darauf an, wie sorgfältig das Publikum den Spielplan studiert hat.
Der Tannenbaum
Jenes Märchen, das unserem Weihnachtsbaum das wohl berühmteste literarische Denkmal gesetzt hat: »Der Tannenbaum«. Ein Märchen über einen Baum, der sich nach der Zukunft sehnt und darüber die Gegenwart verpasst – eine Geschichte, die sich in Zeiten des Klimawandels noch einmal ganz neu erzählt.
Andersen erzählt die Geschichte einer Karriere, wie sie brutaler kaum zu erzählen wäre:
Ein Heranwachsender, der die Welt des Scheins für die Welt hält, der die Gegenwart gegen ein Versprechen eintauscht und feststellt, dass das Versprechen keine Rückgabe kennt. Der Applaus verklingt, der Schmuck wird abgenommen, der Baum wandert auf den Dachboden – erst als er dort liegt, ausgedient und vergessen, begreift er, was der Wald war.
- Märchen für ALLE – Zutritt ab 4 Jahren
Zusätzliche Informationen
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