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Mit der Ausstellung „Ruin und Rausch“ richtet die Neue Nationalgalerie den Blick auf ausgewählte Werke ihrer herausragenden Sammlung der Klassischen Moderne, die das Berlin der 1910er- und 1920er-Jahre thematisieren. Geprägt von Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik, waren diese Jahrzehnte von starken Gegensätzen bestimmt: Exzess und Armut, Emanzipation und Extremismus gingen in der rasant wachsenden, kosmopolitischen Metropole Hand in Hand.
Anhand von rund 45 Werken unterschiedlicher Stilrichtungen macht die Ausstellung die Ambivalenz von Glanz und Elend, Aufstieg und Abgrund im damaligen Berlin erfahrbar.
Berlin im frühen 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin im Zuge der Industrialisierung nicht nur zu einem ökonomischen, sondern vor allem zu einem politischen und kulturellen Zentrum.Mit der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wuchs die Stadt sprunghaft auf rund 4 Millionen Einwohner*innen an und wurde nach London zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt.
Neben tiefgreifenden Neuerungen in Architektur und Verkehr vollzogen sich gesellschaftliche Umwälzungen wie die Demokratisierung und die Frauenemanzipation.
Zugleich überschatteten die Traumata des Ersten Weltkriegs und der erstarkende Nationalsozialismus die sogenannten „Goldenen Zwanziger“.
Die bereits von zeitgenössischen Stimmen als „Babylon“ mystifizierte Metropole befand sich auf vielen Ebenen in Aufruhr: Kommerzielle Fülle und Exzess standen im Kontrast zu wachsender Armut und Arbeitslosigkeit.
Ausstellung in drei Sektionen
Im Sammlungsgeschoss der Neuen Nationalgalerie entfaltet die Ausstellung in drei Sektionen das von Gegensätzen geprägte Berliner Großstadtleben zwischen 1910 und 1930.Zu Beginn steht die Dynamik der wachsenden Metropole im Fokus, mit Blick auf Architektur, Verkehr und das ausschweifende Nachtleben.
Die zweite Sektion widmet sich den sozialen Abgründen, die den Alltag der Arbeiter:innenklasse bestimmten.
Im letzten Kapitel rückt die urbane Frau ins Zentrum; thematisiert werden Freiheitsdrang, Selbstbestimmung und queeres Leben ebenso wie Prostitution.
Die Vielstimmigkeit der Berliner Zwischenkriegszeit wird dabei anhand von Werken unterschiedlicher Stilrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus und Neue Sachlichkeit sichtbar gemacht.
Werke und Künstler:innen
Alle ausgestellten Werke weisen einen expliziten Bezug zur Stadt Berlin auf – sowohl motivisch als auch durch die biografische Verbindung der jeweiligen Künstler:innen zur Stadt.Zu sehen sind rund 45 Exponate, darunter zentrale Hauptwerke der Sammlung der Nationalgalerie wie Ernst Ludwig Kirchners Potsdamer Platz (1914), George Grosz’ Grauer Tag (1921) und Lotte Lasersteins Abend über Potsdam (1930). Als herausragendes Schlüsselwerk der 1920er-Jahre ergänzt eine bedeutende Leihgabe die Ausstellung: Otto Dix’ Bildnis der Tänzerin Anita Berber (1925) aus der Sammlung der Landesbank Baden-Württemberg im Kunstmuseum Stuttgart.
Künstler*innen der Ausstellung:
Otto Dix, Heinrich Ehmsen, Paul Fuhrmann, George Grosz, Hans Grundig, Karl Hofer, Hannah Höch, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Georg Kolbe, Will Lammert, Lotte Laserstein, Tamara de Lempicka, Jeanne Mammen, Carlo Mense, Otto Nagel, Oskar Nerlinger, Ernest Neuschul, Renée Sintenis, Jakob Steinhardt, Georg Tappert, Lesser Ury, Gustav Wunderwald.Erweiterungen und Vermittlung
Ergänzt wird der sammlungseigene Schwerpunkt auf Gemälde und Skulptur durch Grafiken und Objekte aus den Nachbarhäusern am Berliner Kulturforum, darunter das Kupferstichkabinett, die Kunstbibliothek und das Kunstgewerbemuseum.Zudem werden Ausschnitte aus Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis (1927) sowie aus Walther Ruttmanns experimentellem Dokumentarfilm Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (1927) präsentiert.
In allen Sektionen stehen neben Vertiefungstexten auch inhaltlich kongeniale Gedichte von Protagonist:innen der Zeit – Anita Berber, Mascha Kaléko und Erich Kästner – an Hörstationen zur Verfügung.
Ein vielfältiges Vermittlungsprogramm mit Führungen und Workshops für Familien, Schüler*innen und Erwachsene sowie ein begleitendes Veranstaltungsprogramm mit Konzerten und Vorträgen ergänzt die Ausstellung.
Kuratorisches Team
Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930 wird kuratiert von Uta Caspary und Irina Hiebert Grun, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Neuen Nationalgalerie.Kuratorische Assistenz: Noor van Rooijen.
- Eine Sonderausstellung der Neuen Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Eröffnung: Freitag, 24. April 2026, 19 Uhr


