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Autonomes Stehen // 23. hrs – a lot

Zum Parking Day 2026 stellt eine 50 Meter lange Fahrzeug-Installation in einer Berliner Wohnstraße PKW aus den 1980er Jahren und von heute gegenüber. Dazu wird ein Begleitprogramm angeboten mit Experten aus Wissenschaft und Politik angeboten. Frage: Wie wollen wir in unseren Städten leben?


Die künstlerische Intervention macht sichtbar, wie sich Berlins Wohnstraßen verändert haben


Die Installation: zwei Epochen, ein Straßenzug – schleichende Veränderung

Während öffentlich intensiv über die zukünftigen technischen und ethischen Aspekte des „Autonomes Fahrens“ debattiert wird, widmet sich „Autonomes Stehen“ einer bereits realen Herausforderung im urbanen Raum.


Die Installation “Autonomes Stehen” parkt auf der Straße vor der Kyffhäuserstraße 23 in Berlin-Schöneberg (zwischen Hohenstaufen- und Frankenstraße, südlich des Winterfeldtplatzes und parallel zu Eisenacher- und Goltzstraße) PKW aus den 1980er Jahren neben Fahrzeugen von heute. Ohne Kommentar, ohne Erzählung, sondern im direkten Vergleich erleben Besucher:innen, wie sich das Straßenbild durch immer größere Karosserien und zunehmend getönte Scheiben über die Jahrzehnte schleichend verändert hat. Ein Effekt, den die Initiatoren um Alexander Schmid, Valentin Kranz und Nele Peschel mit dem „Boiling-Frog-Syndrome“ vergleichen.


Auf der gegenüberliegenden Straßenseite laden zudem vor der Kyffhäuserstraße 3 zum Parking Day „grüne“ Inseln mit Sonnenstühlen zum Verweilen ein mit bestem Blick auf die Installation der parkenden Autos. #Foto-Opportunity :-)

Der Befund: 23 Stunden autonomer Stillstand – wem gehört der Straßenraum?


Grundlage der Installation ist eine Zahl aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ des Bundesministeriums für Verkehr: Im Schnitt beträgt die tägliche Fahrzeit eines PKW nur 42 Minuten, fast die Hälfte aller Autos wird an einem durchschnittlichen Tag überhaupt nicht bewegt. Rechnerisch steht ein Auto damit rund 23 Stunden am Tag – meist im öffentlichen Straßenraum.

Dass Fahrzeuge einen Großteil ihrer Zeit stillstehen, ist auch der Automobilindustrie bekannt: Der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess bezifferte die Nutzungsdauer seiner Autos 2022 öffentlich ebenfalls auf nur eine Stunde am Tag und beklagte 96 Prozent „idle time“. Diese “Leerlaufzeit” bindet mit den Parkplätzen öffentlichen Raum.



Begleitprogramm: Diskussion jenseits der Dogmen

Am 18.September setzt sich ab 17 Uhr setzt sich in der Studiobühne des Theater Strahl (ebenfalls Kyffhäuserstraße 23) das Begleitprogramm mit den gesellschaftspolitischen Fragen der Installation auseinander: Wie stehe ich in der Stadt neben den Autos? Wie sehe ich die Stadt durch und über die Autos hinweg? Was leisten die Werkzeuge der Mobilität in den durchschnittlich 23 Stunden täg¬lich, in denen sie geparkt sind? In Keynotes und Panels sprechen und diskutieren:

  • Prof. Dr. Andreas Knie, WZB Wissenschaftszentrum Berlin, Mobilitätsforschung, Autor von „Wo kommen all die Autos her und wie werden wir sie wieder los?“ (18:15 Uhr)
  • Prof. Dr. Martin Rolfs, Professor für ‘Allgemeine Psychologie: Aktive Wahrnehmung und Kognition' an der Humboldt-Universität zu Berlin (18:30 Uhr)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Verkehrspolitik von CDU, SPD, Linke und Grünen (19:00 Uhr)
  • Saskia Ellenbeck, Grüne
  • Spitzenkandidatin für die BVV Tempelhof-Schöneberg
  • Moritz Riesinger, SPD
  • Stv. Vorsitzender der SPD Schöneberg und Kandidat für die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg
  • Johannes Rudschies, CDU
  • Bezirksverordneter für Tempelhof-Schöneberg, Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion
  • Elisabeth Staudt, Linke
  • Kandidatin für das Abgeordnetenhaus Berlin

Alle Daten des Begleitprogramm inkl. der jeweiligen Anfangs- und Endzeiten finden Sie HIER


Das Begleitprogramm setzt die Debatte fort, die im Mai 2025 im Rahmen der Veranstaltungs-reihe „Consider Listening“ in der Fahrbereitschaft Lichtenberg der Haubrok Foundation begonnen hat.


Ergänzt wird die Installation mit einem digitalen Spaziergang durch eine Wohnstraße in Berlin sowie einem analogen Modell im Maßstab 1:24, in dem sich bestehende und wünschenswerte Parksituationen von den Besuchenden selbst einrichten und fotografieren lassen, sowie einem digitalen Spaziergang durch eine Berliner Wohnstraße. Das Modell hatte in der Fahrbereitschaft Lichtenberg bereits die Besucher:innen begeistert, weil es spielerisch die Lage und den Umgang mit den Parkplätzen in einer Straße erlebbar werden lässt.



Kommentar der Veranstalter

Zur Podiumsdiskussion mit verkehrspolitischen Sprechern (CDU, SPD, Grüne, Linke) stellt Alexander Schmid für das Team „Autonomes Stehen“ fest:

„Wir bieten nicht nur ein ‚schöne‘ Installation zum Anschauen. Mit einer verkehrspolitischen Diskussion nur zwei Tage vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und in den Bezirken können alle Besucher:innen bei „Autonomes Stehen“ die politischen Positionen der Parteien vergleichen. Live und ungefiltert. Zum einen bietet sich allen Besuchern eine gute Gelegenheit für die demokratische Teilhabe mit eigenen Fragen an die Kandidaten. Zum anderen sehe ich in der Diskussion vor allem ein starkes Zeichen der Politiker für den demokratischen Dialog miteinander. Wir blicken auf die Kompromissfähigkeit, um nach der Wahl stabile, demokratische Mehrheiten für eine Regierung in Berlin zu schaffen.“



International Parking Day

Die Initiative wurde 2005 vom San Franciscoer Designstudio Rebar (www.myparkingday.org) gestartet, um die Dominanz von Autos im urbanen Raum zu hinterfragen. Bei dieser offenen, partizipativen Aktion werden temporär Parkplätze in öffentliche Parks, Spielplätze oder Begegnungsstätten umgewandelt, um alternative Nutzungsmöglichkeiten des öffentlichen Raums bzw. eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Parkraum aufzuzeigen. Über die vergangenen zwei Jahrzehnte hat der Parking Day eine starke Tradition entwickelt und weltweit Mitmachende gefunden. Jährlich finden zum Parking Day am dritten Freitag im September zahlreiche Aktionen unter anderem auch in Berlin statt.


Zentrale VCD-Aktion zum PARK(ing) Day in Berlin

Die zentrale Berliner Aktion des VCD Nordost e.V. (Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Nordost) zum PARK(ing) Day 2026 findet am Freitag, den 18. September 2026, von 15 bis 21 Uhr in der Berliner Straße in Wilmersdorf zwischen Bamberger./Kufsteiner Str. und Prinzregentenstraße statt, in fußläufiger Entfernung zur Installation „Autonomes Stehen“ in der Kyffhäuserstraße.


Der VCD Nordost ist der Landesverband des ökologischen Verkehrsclubs VCD für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Er setzt sich für klimagerechte Mobilität, Verkehrssicherheit und eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums ein.

Mobility Action in der Europäischen Mobilitätswoche

„Autonomes Stehen“ ist eine Mobility Actions im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche, die jedes Jahr vom 16. -22. September stattfindet als führende Kampagne der Europäischen Kommission zu nachhaltiger, urbaner Mobilität. Die Kampagne bewirbt Verhaltensänderungen hin zu aktiver Mobilität, öffentlichem Nahverkehr und anderen umweltfreundlichen Transportlösungen. Für die Europäische Mobilitätswoche leistet das Umweltbundesamt die Nationale Koordinierungsstelle für Deutschland. Das Umweltbundesamt unterstützt und begleitet Kommunen und interessierte Organisationen, die sich in Deutschland an dieser weltweit größten Kampagne für nachhaltige Mobilität beteiligen.



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