Der 7. Oktober 2023 markierte eine historische Zäsur – und für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland zugleich einen tief persönlichen Einschnitt. Was hat sich seitdem verändert? Wie leben Menschen, deren Sicherheitsgefühl, Zugehörigkeit und Vertrauen durch das Hamas-Massaker und seine Nachwirkungen erschüttert wurden?
Diesen Fragen widmet sich Marina Chernivsky, Psychologin, Antisemitismusforscherin und Gründungsgeschäftsführerin der Beratungsstelle OFEK e. V., in ihrem Buch Bruchzeiten. Darin verbindet sie autobiografische Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse und zeigt eindrucksvoll, wie sich kollektive Gewalt- und Krisenerfahrungen in individuelle Biografien einschreiben. Sie beschreibt Angst, Isolation und Enttäuschung, die durch antisemitische Vorfälle, ausbleibende Solidarität und öffentliche Debatten verstärkt werden. Zugleich benennt sie, was es bedeutet, wenn Täter-Opfer-Umkehr und Relativierungen jüdischer Erfahrungen zum Alltag werden – und welche Folgen dies für das Leben der Betroffenen hat.
So zeichnet Bruchzeiten das Bild einer doppelten Entfremdung: von einer Gesellschaft, der man sich selbstverständlich zugehörig fühlte, und zugleich von dem Vertrauen, dass die eigene Perspektive gehört und ernst genommen wird. Mit ihrem klarsichtigen und persönlichen Buch eröffnet Chernivsky einen seltenen Einblick in jüdische Lebenswirklichkeiten nach dem 7. Oktober und lädt dazu ein, über Zugehörigkeit, Verantwortung und den Zustand unserer demokratischen Gesellschaft neu nachzudenken.
Zusätzliche Informationen
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