Jeanno Gaussi im Gespräch mit Heike Albrecht und Camille Compere
Im Oktober ist die Künstlerin Jeanno Gaussi zu Gast: Im Anschluss an den Rundgang spricht sie über ihre Arbeit „Flügeldecke“.
1943 verließ ein Quattrochord-Flügel die Werkstatt von August Förster in Löbau, gebaut im Auftrag der Dienststelle Albert Speers und bestimmt für den Marmorsaal der Neuen Reichskanzlei: vier Saiten pro Taste statt der üblichen drei, siebenhundert Kilogramm schwer. Im Mitte Museum steht ein Flügel derselben Manufaktur, Typ 155 – ein anderes Instrument, für andere Zwecke gebaut. Seine Herkunft führt dennoch in eine Werkstatt, in der handwerkliche Meisterschaft mit Kriegswirtschaft und politischer Instrumentalisierung verwoben war.
Jeanno Gaussi gibt diesem Flügel eine neue Hülle: eine Yorgan-Decke, von Hand gesteppt in türkisch-osmanischer Tradition. Zwei Stofflagen, verbunden durch eine Naturfüllung und charakteristische Handsteppungen – Zuwendung, Handwerk und kollektives Gedächtnis, gesetzt gegen die Monumentalität des Instruments. Gezeigt im Wedding, verbindet die Arbeit deutsche Erinnerungsarbeit mit türkischem Handwerkswissen und fragt, welchen Stimmen Kultur Raum gibt.
Jeanno Gaussi wurde in Kabul geboren und wuchs in Kabul, Delhi und Berlin auf. In Video, Fotografie, Objekten und Texten schafft sie Installationen über Orte, Erinnerung und Identität. Ihre Arbeiten waren unter anderem auf der dOCUMENTA (13) und der Havanna-Biennale zu sehen; 2025 erhielt sie den Exile Visual Arts Special Award der Körber-Stiftung.
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