- 20.11.2026 | 20 Uhr
- Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1
Tribute to Elis Regina, Nara Leão, Sylvia Telles u.a. – Vom Bossa Nova zum Sambalanço
- Sophia Bicking – vocals
- Allan Praskin – sax
- Paulo Morello – guitar
- C. H. Straatmann – bass
- Felix Astor – drums
Die Geschichte des brasilianischen Jazz und des Bossa Nova ist untrennbar mit den großen Sängerinnen ihrer Zeit verbunden. Elis Regina, Nara Leão, Maysa, Sylvia Telles und viele andere gaben Bossa Nova und Sambalanço ihre unverwechselbaren Stimmen und machten diese Musik weit über Brasilien hinaus bekannt.
Elis Regina (1945–1982) gilt bis heute als die bedeutendste Sängerin der Música Popular Brasileira. Mit ihrer außergewöhnlichen Ausdruckskraft verband sie Bossa Nova, Samba, Jazz und später die MPB zu einer neuen musikalischen Sprache. Gemeinsam mit dem Jongo Trio und Jair Rodrigues, später auch mit dem Tom Jobim, prägte sie den modernen brasilianischen Jazz und wurde auf internationalen Festivals – unter anderem in Montreux – gefeiert. Auch sie hatte wichtigr Auftritte unter anderem in der Bottles Bar in Copacabana mit Dom Salvador am Klavier.
Nara Leão (1942–1989), oft als „Muse des Bossa Nova“ bezeichnet, gab der brasilianischen Musik eine politische Stimme. Mit dem legendären Programm Opinião wandte sie sich gegen soziale Ungleichheit und die Militärdiktatur und arbeitete mit Künstlern aus den Favelas wie Zé Keti ebenso wie mit den Protagonisten der Bossa Nova zusammen. Ihre Musik schlug Brücken zwischen den wohlhabenden Vierteln Copacabana und Ipanema und den musikalischen Traditionen der Favelas. Ihr damaliger Ehemann Carlos Diegues war ein junger Filmregisseur des Cinema Novo, der der politisch engagierten Studentenbewegung in Rio de Janeiro nahestand.
Maysa (1936–1977) prägte mit ihrer unverwechselbaren Stimme den emotionalen Samba-canção und ebnete den Weg für die intime, ausdrucksstarke Gesangskultur des Bossa Nova und führte den Bossa Nova in Richtung Jazz und Sambalanço, ähnlich wie Leny Andrade und Sylvia Telles.
Mit diesem Konzert erinnern sie an eine Zeit, in der Jazz und brasilianische Popularmusik zu einer gemeinsamen Klangsprache verschmolzen. Zugleich erzählt das Programm von einer Epoche kultureller Aufbruchsstimmung, deren künstlerische Freiheit durch die Militärdiktatur zunehmend eingeschränkt wurde. Mit dem Aufkommen von Tropicália, Rock und Pop gerieten Bossa Nova und Sambalanço schließlich in den Hintergrund – ihr musikalisches Erbe aber wirkt bis heute fort.
Die Umstände und Dynamiken der Miltärdiktatur in Brasilien, die von 1964 bis 1990 andauerte, als das erste Mal freie Präsidentschaftswahlen stattfanden, reicht bis ins Jahr 2026, wie die preisgekrönten Filme "Agente Secreto" und "Ainda estou aqui" zeigen. Vielleicht liegt es auch an der öffentlichen Beschäftigung mit der Zeit, dass der brasilianische Jazz der 1960er Jahre plötzlich mit Vehemenz wiederentdeckt wird.
Sophia Bicking interpretiert diese Werke mit ihrer unverwechselbaren Stimme und wird von einer hochkarätig besetzten Berliner Jazzband begleitet, die den Klang Rio de Janeiros zwischen lyrischem Bossa Nova und mitreißendem Sambalanço neu aufleben lässt.
Gefördert durch die Projektförderung Jazz 2026 der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin.
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