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Preisverleihung

Die Jury, der Omri Boehm, Eva Menasse sowie die letztjährige Heinrich-Mann-Preisträgerin Mely Kiyak angehörten, begründet ihre Wahl wie folgt:


„Mithu M. Sanyal ist eine der produktivsten und originellsten Essayist*innen ihrer Generation. Sie verbindet dabei die Sorgfalt der Wissenschaftlerin mit dem Talent der politischen Kommentatorin. Dazu kommt als drittes die lebhafte und originelle Sprache der Schriftstellerin.

Sanyals Themen sind enorm vielfältig. Kenntnisreich schreibt sie über Literatur: Ihr Buch über Emily Brontë sei genannt, aber auch ihr leidenschaftlicher Rettungsversuch der Literatur von Enid Blyton. Hier, bei den Diskussionen darum, ob heutzutage Enid Blyton Kindern und Jugendlichen wegen ihres überholten Gesellschaftsbildes überhaupt noch zuzumuten sei, stellt Mithu M. Sanyal ihren gewissermaßen ganzheitlichen Ansatz beim Analysieren und Kommentieren besonders eindrucksvoll unter Beweis: Sie kommt von der feministischen Forschung, hat die Beschäftigung mit Rassismus, mit der Geschichte des Kolonialismus und mit allgemeinen Minderheitenfragen ebenso in ihrem Portfolio wie die Auseinandersetzung mit diversen außenpolitischen Konflikten, bei denen sie über ein reiches, historisches sowie auch aktuelles Wissen verfügt; genannt seien besonders Indien und Pakistan, das britische Empire ebenso wie Israel und Palästina.

Ihre Essays sind geprägt von einem anteilnehmenden, niemals apodiktischen Ton; sie möchte ihre Leser*innen überzeugen und nicht überwältigen; selbst wenn man trotz ihrer vielen guten Argumente in manchen Fragen anderer Meinung bleibt, fällt es leicht, ihre Perspektiven als intellektuelle Bereicherung anzunehmen.

Denn sie lässt die Leser*innen an ihrem Entscheidungsprozess transparent teilhaben: Wie bei jeder guten Essayistin darf man ihr beim Denken zusehen; die Pros und Contras ihrer Thesen wägt sie nachvollziehbar gegeneinander ab. Sie hält es nicht für ihre Pflicht, sich in jedem Fall zu entscheiden, sie besitzt die Offenheit und geistige Freiheit, manche Fragen als derzeit unentscheidbar stehen zu lassen. Angesichts von zunehmender medialer Unversöhnlichkeit und gesellschaftlicher Spaltung ist Mithu M. Sanyals sanfte, aber nachdrückliche Stimme zu zahlreichen umstrittenen Fragen der Zeit unverwechselbar und ein Beispiel dafür, wie diskutieren sollte: mit möglichst guten, fein abgewogenen Argumenten und ganz ohne persönlichen Zorn.“

Der mit 10.000 Euro dotierte Essayistik-Preis der Akademie der Künste wird jährlich am 27. März anlässlich des Geburtstages des Schriftstellers Heinrich Mann verliehen. Die Preisträger*innen der letzten Jahre waren Mely Kiyak (2025), Lena Gorelik (2024) und György Dalos (2023).

Mithu M. Sanyal

Mithu M. Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters geboren. Sie ist Kulturwissenschafterin, Schriftstellerin und Kritikerin für WDR, DLF, SWR, Der Spiegel, The Guardian, BBC, SZ, FR, FAZ, DIE ZEIT, taz, etc. Als Jurorin sitzt sie u. a. in der Jury für den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Sachbücher: Vulva (2009), Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens (2016,) und Mithu Sanyal über Emily Brontë (2022). Ihr Debütroman Identitti (2021) wurde mit dem Ernst-Bloch-Preis und dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ihr neuer Roman Antichristie (2024) wurde ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt den Erich Pawlu-Literaturpreis.

Die Essayistin Mithu M. Sanyal erhält den diesjährigen Heinrich-Mann-Preis. Die Akademie der Künste würdigt mit dem Preis „eine der produktivsten und originellsten Essayist*innen ihrer Generation“, so die Jury.

Mit Mithu M. Sanyal, Anh-Linh Ngo, Eva Menasse, Melika Foroutan und Nathalie Mälzer

Begrüßung, Preisübergabe und Verlesen der Preisbegründung:
Anh-Linh Ngo, Vizepräsident der Akademie der Künste

Laudatio:
Eva Menasse, Autorin, Journalistin und Mitglied der Sektion Literatur

Lesung (Auszug aus antimilitaristischen Essays von Heinrich Mann):
Melika Foroutan, Schauspielerin


Anmeldung & Reservierung: ticket@adk.de, T +49 (0)30 200 57 1000

Zusätzliche Informationen
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