Der FLINTA* Kultur Salon greift die Berliner Tradition feministischer Salons als radikale Orte der Begegnung, des Widerstands und des kollektiven Wachstums wieder auf und denkt sie neu.
In vier interdisziplinären und intersektionalen Veranstaltungen im Jahr 2026 rückt die Reihe die Stimmen und Werke von FLINTA*-Autor:innen, Poetry-Performer:innen, Schauspieler:innen, Dramatiker:innen und Musiker:innen mit Migrationshintergrund, die in Berlin leben, in den Mittelpunkt. Durch interdisziplinäre, genreübergreifende künstlerische Praktiken, die in Wort und Sprache verwurzelt sind, untersuchen sie Themen wie Identität, Entwurzelung, Autonomie und Solidarität.
Historisch gesehen waren Berliner Salons Orte des intellektuellen und kulturellen Austauschs außerhalb starrer sozialer und politischer Strukturen. Unter der Leitung von Salonnières – meist jüdischen Frauen – brachten sie Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Denker:innen zusammen, die anderswo oft ausgegrenzt wurden, und boten Exilanten und Ausgestoßenen ein Zuhause. Dennoch blieben diese Räume weitgehend elitär und für Arbeiter:innen, Migrant:innen, queere und transsexuelle Menschen sowie Menschen ohne soziales oder bildungsbezogenes Kapital unzugänglich.
Diese Veranstaltungsreihe erweitert das Erbe historischer Salons grundlegend, indem sie Künstler:innen und Publikum, die von intersektionalen Benachteiligungen und Diskriminierung betroffen sind, Zugang und Teilhabe ermöglicht. Sie setzt die Absicht der Salonnières fort, nicht indem sie deren Räume nachbildet, sondern indem sie deren Zweck neu ausrichtet, um Bedingungen zu schaffen, unter denen kollektives Umdenken und gemeinsames Handeln möglich werden, und damit Berlins Rolle als lebendiger, zugänglicher europäischer Kulturknotenpunkt zu bewahren, der Künstler*innen aus Deutschland und dem Ausland beherbergt und unterstützt.
Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der diese Bedingungen – bezahlbarer Wohn- und Arbeitsraum, künstlerische Freiheit, gleichberechtigte Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit und mehr – zunehmend bedroht oder politisiert werden.
FLINTA* KULTUR SALON #1
Moderation: Ioana Cristina Casapu
Schwerpunkt und Themen: Dieser Abend untersucht den postfeministischen weiblichen Blick als Ort der Reibung und zeigt, wie geschlechtsspezifische Sichtweisen durch künstlerischen Ausdruck aufgelöst, umgelenkt oder als Widerstand genutzt werden können. Alle Beiträge beschäftigen sich mit Fragen der Verkörperung, Stimme und Sichtbarkeit über Genres und Disziplinen hinweg: von Performance und Klang bis hin zu visuellen Erzählungen und hybriden Textformen. Was wird durch einen weiblichen oder queeren Blick sichtbar oder sogar aussprechbar? Können poetische oder performative Formen die Hierarchie zwischen Subjekt und Objekt, Beobachter und Beobachtetem aufbrechen? Wie werden Begehren, Verletzlichkeit oder Erotik neu verhandelt, wenn sie von denen zurückerobert werden, die historisch objektiviert wurden?
Programm:
Die Autorin und Filmemacherin Marjan Sareh (Iran) präsentiert ein poetisch-linguistisches Werk, das surrealen Realismus mit persischer Poesie verbindet und das Innenleben von Frauen unter Systemen erforscht, die sie nicht geschaffen haben.
Die alevitisch-türkische Dichterin Zeynep Cekinmez schlägt eine poetische Intervention vor, die sich auf das postmigrantische Gefühl des Dazwischenseins und Julia Kristevas Konzept der semiotischen Chora konzentriert.
Die in der Schweiz lebende Performerin und Regisseurin Elsa Cailletaud und die Flötistin Flora Karetka präsentieren Anti-blasons, eine feministische und queere Neuinterpretation von Fragmenten körperbezogener Gedichte aus dem 16. Jahrhundert, die als ortsspezifische Performance entwickelt wurde.
Die digitale Geschichtenerzählerin und Musikerin Ruoming Zhao (China) performt Silence Ball: Digital Mother, eine spekulativ-feministische Sci-Fi-Dream-Pop-Performance, die auf ihrem zweisprachigen Roman basiert.
FLINTA* KULTUR SALON ist ein Projekt von FLINTA* Literatur, Berlins Plattform für Migrantinnen und Exilkünstlerinnen, in Zusammenarbeit mit Lettrétage, gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, empfohlen von The Reader Berlin und präsentiert von tip Berlin.
Termine
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