Contemporary Fine Arts freut sich Feast of Totems, Emily Mae Smiths erste Soloausstellung mit der Galerie und zugleich ihre erste Einzelpräsentation in Deutschland anzukündigen.
In ihren Gemälden und Zeichnungen bedient sich Smith häufig bekannter und weniger bekannter kunsthistorischer Motive und Kompositionen. Subversiv spielt Smith mit diesen Referenzen und bereichert sie mit Elementen aus Schrift, Design und Science-Fiction. Die aktuellen Arbeiten zitieren oft Werke des Neo-Klassizismus oder Symbolismus, eine Periode, die gerne auch als das Ende der klassischen Malerei bezeichnet wird. Diese Elemente setzt sie gekonnt in einen Dialog mit ihrer eigenen zeitgenössischen Bildsprache und manifestiert in ihnen die in den historischen Referenzbildern abwesende weibliche Subjektivität.
Smith arbeitet ihre Bilder akribisch aus und platziert humorvoll und kritisch zugleich eine Vielzahl an Zeichen, Symbolen und versteckten Codes. In vermeintlich klassischen Landschaftsbildern tauchen wiederholt Früchte, Stöckelschuhe oder ein animistischer Besen, angelehnt an den Protagonisten aus Disneys Fantasia, auf und treten in ein Spannungsverhältnis mit dem konventionell im Gegenlicht gehaltenen Bildhintergrund.
Die Gratwanderung zwischen Verführung und Groteske zeichnet Smiths Arbeiten aus, so schmiegt sich zum Beispiel in Fiction Flesh eine stachelige pralle Birne gegen eine knallrosa Zunge. Von verführerischen Früchten, die sich mit verschlossenen Lippen oder Dornen gegen den Betrachter wehren, bis hin zu den immer wiederkehrenden Comic-Zähnen, die oftmals als Portale und Rahmen fungieren, ist ihr Werk mit einem fast unersättlichen Drang nach Verzehr durchzogen.
Smiths erotisch aufgeladene und leicht mystische Bildsprache beschwört den Proto-Feminismus der amerikanischen Künstlerin Christina Ramberg, einer Hauptvertreterin der Chicago Imagists, herauf und weist stilistisch ebenso auf den Einfluss René Magrittes hin.
Ein wiederholter Protagonist in Smiths Arbeiten ist der bereits erwähnte Besen. In Feast of Totems taucht er zu verschiedenen Tageszeiten in Wüsten-, Strand- und pastoralen Land-schaften wie ein Avatar des Künstler-Egos auf. Der Besen fungiert bei Smith als Totem, einem Objekt das jenseits seiner Form spezielle Fähigkeiten innehat. Der nachdenkliche Besen erscheint zugleich wie ein Pinsel, ein phallisches Symbol, eine Sirene oder wie eine unsichtbare Arbeitskraft. Als schelmischer Eindringling in der männlich dominierten Kunstgeschichte eröffnet er Smith in ihrer Bildsprache neue Möglichkeiten. In The Gleaner ersetzt Smith die Frauenfigur aus William-Adolphe Bouguereaus The Bather mit dem Besen, der sich nachdenklich die Borsten säubert. In Alien Shores dient George Frederic Watts The Minotaur als Vorbild. Hier wendet sich Smith insbesondere der Psyche dieser mythologischen Kreatur in einer fremden Welt zu. Jede dieser Aneignungen und Veränderungen spielt mit den Erwartungen des Betrachters an figurative Malerei und mit der Rolle des Weiblichen in diesem Kontext.
Smiths reichhaltige Bildsprache birgt zu gleichen Maßen Humor und die Hoffnung auf einen möglichen Ausblick auf eine bunte und bizarre Zukunft. Allem voran ist in Smiths Arbeiten ihr Optimismus für das Medium Malerei deutlich zu spüren: Sie bricht im Bewusstsein um vorangegangene Bildtraditionen mutig den Weg zu neuen Ufern auf.
Emily Mae Smith (*1979 in Austin Texas) lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Sie studierte an Columbia University, New York, wo sie 2006 graduierte und an der University of Texas in Austin (bis 2002). Smiths erste institutionelle Einzelausstellung eröffnet am Le Consortium in Dijon, Frankreich im November 2018. Weitere Einzelausstellungen waren unter anderem The Sphinx or The Caress, Simone Subal Gallery, New York, USA; Tesla Girls, Rodolphe Janssen, Brüssel, Belgium (2016) und Honest Espionage, Mary Mary, Glasgow, Schottland, UK (2016). In 2015 nahm sie an der Ausstellung Unrealism, organisiert von Jeffrey Deitch and Larry Gagosian, in Miami teil.

