Theatertreffen 2026 | 10 bemerkenswerte Inszenierungen
Ein Spiel der Erinnerungen von Tennessee Williams
- Theater Basel
- Premiere: 30.1.2025
Es könnte ein entscheidender Abend werden für Laura Wingfield, die mit ihrer Mutter Amanda und ihrem Bruder Tom in einer bescheidenen Wohnung in St. Louis lebt. Denn Jim kommt zu Besuch und mit ihm vielleicht ein Ausweg aus dem tristen Leben, dem sich Laura durch das liebevolle Pflegen ihrer Glasfigurensammlung zu entziehen versucht. Am Ende zerbrechen jedoch nicht nur ihre Träume. In ihrer klaren und sensiblen Inszenierung der Glasmenagerie konzentriert sich Jaz Woodcock-Stewart besonders auf die Rolle von Frauen und die Mechanismen von Selbstaufopferung und Selbstoptimierung innerhalb des fragilen Familiengefüges. Wie wirkt sich der finanzielle und gesellschaftliche Druck auf die alleinerziehende Mutter und die weiteren Familienmitglieder aus? Woodcock-Stewart und ihr Ensemble laden zu einem empathischen Blick auf die Figuren und schauen zugleich hinter die Fassade.
Jurybegründung
„Das Faible für narrative Ästhetik gilt als UK-typisch. Jaz Woodcock-Stewart ist eine jener jungen britischen Regisseurinnen, die gekonnt erzählen, ohne schlicht nachzuerzählen. Sie gibt Tennessee Williams’ Glasmenagerie am Theater Basel einen sehr gegenwärtigen Drive, ohne den Text – der in den späten 1930-Jahren spielt – zu zerbrechen. (Aktuelle) Powerplates, Vibrationsplatten aus dem Gym, fördern hier gerade nicht den Muskelaufbau, sondern sind im Gegenteil ironisch gewendete, kongeniale Zeichen für die Erschütterung aller Halt gebenden Strukturen. Zwischen den nackten Betonwänden verlieren sich die drei Hauptfiguren. Eine Treppe führt ins Nichts, eine Rampe in ein reduziertes Leben ohne Geld und ohne Kontakt zur Außenwelt. Die queere Tochter flieht in eine Art Hikikomori-Dasein. Kurz wird für einen Besucher der Familie eine (Haus-)Fassade über das ausgehöhlte Leben des unglücklichen Trios gekippt; das wird nichts nützen. Eine leise, zeichenstarke, berührende Arbeit!“
Alexandra Kedves für die Theatertreffen-Jury
Künstlerisches Team
- Jaz Woodcock-Stewart – Inszenierung
- Rosie Elnile – Bühne und Kostüme
- Josh Grigg – Sounddesign
- Alex Fernandes – Lichtdesign
- Inga Schonlau – Dramaturgie
Besetzung
- Hilke Altefrohne – Amanda Wingfield, die Mutter
- Jan Bluthardt – Tom Wingfield, ihr Sohn
- Antoinette Ullrich – Laura Wingfield, ihre Tochter
- Julian Anatol Schneider – Jim O’Connor, ein netter junger Mann
- Thomy Riedtmann – Statisterie
(In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln)
Zusätzliche Informationen
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