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Eine Veranstaltung der Mosse Lectures an der Humboldt-Universität zu Berlin im Wintersemester 2026/27 — Aus der Reihe »Alone together. Figuren der Einsamkeit zwischen Pathologie und Euphorie«

»The Ambiguity of Solitude«


– mit Lothar Müller


Jede Auseinandersetzung mit Einsamkeit [»loneliness«] in unserem digitalen Zeitalter sollte das Bedürfnis nach Alleinsein [»solitude«] berücksichtigen. Auch wenn es sich um zwei unterschiedliche Erfahrungen handelt, die aus gegensätzlichen Wünschen – nach Gemeinschaft und nach Alleinsein – entstehen, haben sie doch eine gemeinsame strukturelle Dimension. In einer Welt, die vom Streben nach Profit und technologischem Fortschritt geprägt ist, wird Einsamkeit durch soziale Phänomene hervorgerufen, die ironischerweise auch die Fähigkeit zum Alleinsein untergraben. Der Vortrag konzentriert sich auf die Mehrdeutigkeiten, die entstehen, wenn wir den Wert des Alleinseins in einem Zeitalter der Einsamkeit untersuchen.



DIANE ENNS: Philosophin; Professorin für Philosophie an der Toronto Metropolitan University in Kanada mit den Schwerpunkten in der politischen Theorie und Sozialphilosophie sowie Direktorin der Society for Women of Ideas. Sie ist Autorin von vier Büchern: »Thinking Through Loneliness« [2022], »Love in the Dark: Philosophy by Another Name« [2016], »The Violence of Victimhood« [2012] und »Speaking of Freedom: Philosophy, Politics and the Struggle for Liberation« [2007], Mitherausgeberin von »Thinking About Love: Essays in Contemporary Continental Philosophy« [2015] und hat in wissenschaftlichen Zeitschriften wie »Mosaic: An Interdisciplinary Critical Journal«, »Symposium: Canadian Journal of Continental Philosophy«, »Philosophy Today« und »Theory & Event« veröffentlicht. Derzeit arbeitet sie an einem Buch darüber, wie man in dunklen Zeiten menschlich bleibt.


Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.



Die Vortragsreihe im Überblick

»Alone together. Figuren der Einsamkeit zwischen Pathologie und Euphorie«


Die Einsamkeit als unfreiwillige Form des Alleinseins zählt zu den großen Beunruhigungsfaktoren westlicher Industriegesellschaften. Nicht zuletzt die Erfahrungen der Pandemie haben die gesellschaftlichen Folgen sozialer Isolation sichtbar gemacht und ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Einsamkeit wird heute zunehmend als »Einsamkeitsbelastung« statistisch erfasst, als Symptom von »lost communities« diagnostiziert und als gesellschaftliches Risiko politisch adressiert. Gegenmaßnahmen reichen von sozialmedizinischen Präventionsprogrammen, nationalen Strategiepapieren bis zur Einrichtung eigener politischer Ämter. Die Allgegenwart der Einsamkeitsdiagnose bildet den Ausgangspunkt der Mosse Lectures im Wintersemester 2026/27.


Jenseits einer rein pathologischen Perspektive soll es um die grundsätzliche Ambivalenz von Einsamkeitserfahrungen gehen, wie sie bereits in der begrifflichen Differenzierung zwischen »Loneliness« und »Solitude« zum Ausdruck kommt. Figuren der Einsamkeit wurden und werden seit je in Philosophie, Literatur, Musik und bildender Kunst entworfen, wobei sie nicht nur als Ausdruck sozialer Isolation, sondern ebenso als Voraussetzung ästhetischer Erfahrung, existenzieller Selbstbefragung und individueller Freiheit in Erscheinung treten. Die Stichwortgeber:innen einer programmatischen, bisweilen euphorisch aufgeladenen Einsamkeit in der Moderne verbanden im 19. Jahrhundert den Rückzug in die Natur mit Projekten des Nature Writing


Die Mosse Lectures erkunden die Vitalität dieser Tradition in Literatur, Film und Populärkultur der Gegenwart und fragen insbesondere nach dem Verhältnis von »Eleanor Rigby« und »Lonesome Hero«, nach weiblichen, männlichen und queeren Figuren der Einsamkeit zwischen Isolation und Selbstbestimmung sowie nach den geschlechtsspezifischen, kulturellen und politischen Codierungen des Alleinseins.


Ergänzt wird die Vortragsreihe durch ein filmisches Begleitprogramm, das in Kooperation mit dem Zeughauskino am Deutschen Historischen Museum in Berlin an sechs Abenden im Januar und Februar 2027 zu sehen sein wird.



Weitere Veranstaltungen aus dieser Reihe:


– Janosch Schobin: »Einsamkeit, die soziale Frage unserer Zeit?« | Do., 5. November 2026


– Christian Petzold: »Gespenster« | Do., 14. Januar 2027


– Jessica J. Lee: »The Wilder World: Retreating from the Peace and Quiet of Nature« | Do., 28. Januar 2027


Filmisches Begleitprogramm im Zeughauskino des DHM Berlin [Pei-Bau]:


12. Januar 2027, 19 Uhr

Die innere Sicherheit [D 2000, R: Christian Petzold]


19. Januar 2027, 19 Uhr

Certain Women [USA 2016, R: Kelly Reichardt]


26. Januar 2027, 19 Uhr

All of Us Strangers [GB/USA 2023, R: Andrew Haigh]


2. Februar 2027, 19 Uhr

Her [USA 2013, R: Spike Jonze]


9. Februar 2027, 19 Uhr

Perfect Days [D/Japan 2023, R: Wim Wenders]


16. Februar 2027, 19 Uhr

Days [Taiwan 2020, R: Tsai Ming-liang]

Zusätzliche Informationen
Teilnehmende Künstler:innen
Diane Enns
Lothar Müller
Termine
Dezember 2026
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