Berliner Bilder der Aufklärung
Chodowieckis Bilder begeistern bis heute durch ihren feinsinnigen Humor, regen aber auch zum Nachdenken an. Die in ihnen anklingenden und verhandelten gesellschaftspolitischen Themen der Aufklärung haben bis heute nicht an Relevanz verloren.
Der Abschied des Jean Calas
Zum ersten Mal sind die wichtigsten Werke zu Chodowieckis um 1767 entstandener Bildschöpfung zum „Abschied des Jean Calas von seiner Familie“ aus drei Sammlungen an einem Ort zu sehen. Die Grundlage für Chodowieckis Komposition war das tragische Schicksal des Toulouser Kaufmanns Jean Calas und damit einer der bekanntesten Justizskandale der Aufklärung.
Calas gehörte als lutherisch-reformierter Christ einer im damaligen Frankreich starken Repressionen ausgesetzten religiösen Minderheit an. Als sich einer seiner Söhne 1761 das Leben nahm, versuchte die Familie zunächst den Selbstmord als Mord darzustellen, um dem Sohn ein christliches Begräbnis zu ermöglichen. So geriet schließlich Jean Calas selbst in Verdacht, seinen Sohn aufgrund dessen angeblicher Absicht, zum Katholizismus überzutreten, erwürgt zu haben. Obwohl es keine Beweise für diesen Vorwurf gab, führte der religiöse Fanatismus gegen den Protestantismus dazu, dass Jean Calas zum Tode verurteilt und am 10. März 1762 öffentlich hingerichtet wurde.
Entsetzt über diesen Justizmord verfasste der Philosoph Voltaire (1694–1778) die Schrift „Über die Toleranz“ (1763) und erreichte 1765 die posthume Rehabilitierung von Jean Calas und seiner Familie.
Chodowieckis dramatische und hochemotionale Darstellung des Moments, in dem der zum Tode verurteilte Calas von seiner Familie Abschied nimmt, zählt zu den zentralen Bildern der Aufklärung. Die Komposition sollte Rührung und Empathie auslösen und somit zur moralischen Entwicklung des Publikums beitragen.
Themen der Aufklärung
Neben Chodowieckis malerischem Hauptwerk aus der Gemäldegalerie und sämtlichen zeichnerischen und druckgraphischen Werken, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, zeigt die Ausstellung Rötelzeichnungen Chodowieckis, die ein Berliner Netzwerk der Aufklärung vorstellen, darunter den Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai und den Religionsphilosophen Moses Mendelssohn. Sie stehen stellvertretend für die vielen Intellektuellen ihrer Zeit, die für eine neue Debatten- und Diskurskultur eintraten und gegen Verschwörungstheorien und Esoterik ankämpften. Chodowiecki befasste sich in seinem umfangreichen druckgraphischen und zeichnerischen Werk, aus dem die Ausstellung eine Auswahl zeigt, mit den Themen der Aufklärung wie Bildung, Familie, Gesellschaftsordnung und trug zur Verbreitung der neuen Diskurse bei.
Chodowiecki 300
Die Kabinettausstellung wurde kuratiert von Mailena Mallach (Kupferstichkabinett), Anna Schultz (Akademie der Künste) und Sarah Salomon (Gemäldegalerie) und ist Teil des Netzwerks „Chodowiecki 300“, das den vielseitigen Berliner Künstler zum 300. Geburtstag im Jahr 2026 an verschiedenen Orten feiert.
- Eine Kabinettausstellung des Kupferstichkabinetts im Rahmen von „Chodowiecki 300“ in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten
- Montag, geschlossen
- Dienstag 10 bis 18 Uhr
- Mittwoch, 10 bis 18 Uhr
- Donnerstag, 10 bis 18 Uhr
- Freitag, 10 bis 18 Uhr
- Samstag, 10 bis 18 Uhr
- Sonntag, 10 bis 18 Uhr







