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Brasilianischer Jazz in der REH präsentiert von Jazz am Helmholtzplatz e.V

Mit der Raumerweiterungshalle und Ulf Geyersbach verbindet Jazz am Helmholtzplatz e.V. eine lange Geschichte. Seit 2019 fanden hier regelmäßig Konzerte statt – sie wurde zu einer der wichtigsten Spielstätten des Vereins. Dann wurde die REH umgesetzt, das Areal saniert und Ulf Geyersbach, ein wunderbarer Gastgeber, kündigte den Mietvertrag.


Die Wiederaufnahme der Konzerte in der REH markiert die 31. Ausgabe der Reihe Brazil&Jazz von Jazz am Helmholtzplatz e.V., mit der die Verbindungen zwischen der Música Popular Brasileira und dem Jazz aufgezeigt werden sollen.


Bis vor wenigen Jahren galt die Verbindung von Jazz und Música Popular Brasileira in Brasilien vielerorts als Häresie. Jazz war politisch und kulturell stark US-kritisch konnotiert und in Brasilien lange Zeit kaum sichtbar. Noch vor rund zehn Jahren fand sich in Rio de Janeiros Konzertkalendern kaum ein Hinweis auf die reiche Jazztradition des Landes. Musiker wie Fernando Meireilles spielten informell, etwa im inzwischen geschlossenen Plattenladen Modern Sound in Copacabana, während der Choro, der Ende des 19. Jahrhunderts in Brasilien entstand, oft als künstlerischer Rahmen für Jazzer fungierte – auch für Paulo Moura, der Jazz vor allem im Kontext von Chorokonzerten präsentierte. Der Choro war zwischen 1990 und 2020 in der Lapa, der Altstadt von Rio de Janeiro, überall zu hören.

Der Choro ist selbst eine genuin brasilianische Musikform, die bereits in den 1920er Jahren in einen produktiven Austausch mit dem Jazz trat, als Pixinguinha während eines Paris-Aufenthalts Louis Armstrong hörte. In den 1950er und 1960er Jahren folgten weitere prägende Phasen der Annäherung, insbesondere durch zahlreiche Jazztrios, aus deren Umfeld Musiker wie Hermeto Pascoal hervorgingen (u. a. das Sambrasa Trio). Diese brasilianische Jazzszene war stark politisiert, sozial engagiert und suchte bewusst den Bezug zu gesellschaftlichen Themen, etwa in der Zusammenarbeit mit Musiker:innen aus den Favelas wie Zé Keti.


Mit dem Militärputsch von 1964 geriet diese Szene zunehmend unter Druck. Viele Jazzmusiker emigrierten – darunter Dom Salvador oder Walter Wanderley – oder distanzierten sich öffentlich vom Jazz, der nun häufig unter Bezeichnungen wie Sambalanço oder Samba Novo in enger Verbindung mit populären brasilianischen Stilen weiterlebte. Der Jazz selbst wurde politisch von mehreren Seiten stigmatisiert: Den USA galt die brasilianische Jazzszene als zu „links“, während sie innerhalb Brasiliens, unter der von den USA gestützten Militärdiktatur, als zu „nordamerikanisch“ wahrgenommen wurde. Diese doppelte Zuschreibung trug dazu bei, dass Jazz über Jahrzehnte hinweg marginalisiert blieb – eine Haltung, die sich bis vor etwa zehn Jahren noch deutlich in brasilianischen Konzertprogrammen widerspiegelte.


Eine zentrale Errungenschaft der brasilianischen Jazzmusiker seit den 1950er Jahren war es zudem, Samba und später Bossa Nova auf dem Schlagzeug in einer eigenständigen, „jazzifizierten“ Spielweise zu artikulieren. Schlagzeuger wie Milton Banana, Dom Um Romão oder Edison Machado prägten damit nachhaltig das rhythmische Vokabular brasilianischer Musik und vermittelten zwischen afrobrasilianischen Traditionen und jazzästhetischen Konzepten.
Spätestens mit dem internationalen Erfolg des Pianisten Amaro Freitas, der nicht selten als eine Art „brasilianischer Thelonious Monk“ bezeichnet wird, ist Jazz in Brasilien heute wieder weithin gesellschaftlich akzeptiert.

Parallel dazu wird auch der Choro zunehmend explizit in die Nähe des Jazz gerückt – etwa durch den Mandolinisten Hamilton de Holanda, der in seinen Projekten und jüngsten Kooperationen, unter anderem mit dem kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba, diese Verbindung programmatisch weiterdenkt.


Der Abend mit dem großartigen Choro Quartett Choradeira ist wie eine Erinnerung an warme Nächte in der Lapa – mitten im Januar.



Brasil&Jazz 31: Choradeira

  • Hartmut Preyer – violão 7 cordas
  • Matthias Haffner – pandeiro
  • Lucas Madeira – flauta
  • Federico Beckhoff – cavaquinho

Konzertstart im Jahr 2026 in der REH!







Zusätzliche Informationen
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