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Cheikh Tidiane Diagne und Lamine Diagne

In dieser Performance setzen sich der Schauspieler und Schriftsteller Lamine Diagne und sein Vater, der Maler Cheikh Tidiane Diagne, intensiv mit dem unabgegoltenen Vermächtnis der Tirailleurs Sénégalais auseinander. Indem sie den Spuren dieser Geschichte in ihrer Familie nachgehen, legen sie einen intimen Strang frei, der ihre Leben, ihre Körper und ihre Erfahrungen als Schwarze Männer im heutigen Europa durchzieht. Als direkte Nachfahren erinnern sie daran, wie ihr Vater, ihr Großvater und ihr Urgroßvater im Ersten und Zweiten Weltkrieg für Frankreich gekämpft haben. Trotz ihrer aktiven Beteiligung am Ersten Weltkrieg wurden viele afrikanische Soldaten später unter unmenschlichen Bedingungen im Lager Camp du Courneau gefangen gehalten. Ein Drittel der dort Inhaftierten kam ums Leben. Später, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden viele gezwungen, ihre Uniformen abzulegen, und von den offiziellen Feierlichkeiten anlässlich der Befreiung Frankreichs von Nazideutschland ausgeschlossen.



In Lamines früheren Arbeiten wie etwa Le livre muet (2022) [Das stumme Buch] erscheint sein Vater nur in Fragmenten – sein Wegzug im Alter von sechzehn Jahren, seine Ankunft in Frankreich, sein künstlerischer Aufbruch. In diesem Stück stellt er sich vor, seine beiden Großväter – einer Senegalese, der andere Franzose – seien während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg gemeinsam in einem Schutzraum eingeschlossen gewesen. Neben Familienerinnerungen, die Frankreich und Senegal miteinander verbinden, wird durch diese Themenstränge die übersehene Geschichte der Tirailleurs sichtbar. In der neuen Arbeit, die am Eröffnungswochenende der Ausstellung Tirailleurs erstmals gezeigt wird, greift Lamine Elemente seiner vorherigen Arbeiten auf und erschafft, zusammen mit seinem Vater, ein gemeinsames Ritual. Ihre Gesten bilden einen lebendigen Dialog, in dem persönliche und kollektive Geschichten aufeinandertreffen, sich überlagern und einander widerstehen und so in eine lebhafte Resonanz mit der Gegenwart treten. Archivbilder und Familienerinnerungen werden auf eine Leinwand projiziert, in die der Vater live malerisch interveniert. Parallel dazu schichten die Erzählungen des Sohnes Geschichten, historische Episoden und Anrufungen der Vorfahr*innen übereinander. Ihre Aufführung verweigert sich linearen Narrativen und entlarvt Kontinuitäten von Unrecht und Ausbeutung, und sie zeigt, welcher Riten von Weitergabe, Versöhnung und Transformation es bedarf, um sie zu durchbrechen.

In Auftrag gegeben von Haus der Kulturen der Welt (HKW), koproduziert von Compagnie de L’Énelle

Mit: Cheikh Tidiane Diagne und Lamine Diagne, Video: Eric Massua

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