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!Mediengruppe Bitnik

Anlässlich der Ausstellung Tomas Schmit. Stücke, Aktionen, Dokumente 1962–1970 im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert das Künstler*innen-Duo mit Attention, Attention – Non guided tour (2021) eine digitale Interpretation von Schmits Sanitas #79 (1962), die spielerisch die Rolle des Publikums sowie die Dimension Zeit thematisiert und zugleich auf zeitgenössische Phänomene einer hypermediatisierten Gegenwart reagiert.


In diesem kontroversen Aktionsstück fordert Schmit das Publikum auf, in einen Bus zu steigen, um dann nach 100 km Fahrt an einem beliebigen Ort ausgesetzt zu werden. In Anlehnung an eine solche Erfahrung des Orientierungsverlusts im physischen Raum überträgt die !Mediengruppe Bitnik das Fluxus-Werk in ein interaktives Online-Spiel.

Die Spieler*innen der Non guided tour werden auf einer virtuellen Karte an einen zufälligen Punkt ausgesetzt, der genau 100 km vom Neuen Berliner Kunstverein entfernt ist. Hier sind sie dazu aufgefordert, anhand rudimentärer Hinweise wie verschwommenen Straßenschildern, landschaftlichen Besonderheiten und architektonischen Erkennungsmalen den Weg zurück zum n.b.k. zu finden. Deutlich an der Struktur von Online-Games wie MapCrunch oder GeoGuessr orientiert, jedoch gezielt deren auf Punkteständen und Schnelligkeit basierenden Logik zuwiderlaufend, lädt Non guided tour dazu ein, im digitalen Raum zu flanieren.

Für das Stück greift die !Mediengruppe Bitnik auf die Infrastruktur der Website Mapillary zurück – einer kostenfreien, auf Straßen-Aufnahmen von privaten Nutzer*innen basierenden Geo-Plattform. Benutzer*innen können mithilfe teils verwackelter, in verschiedenen Jahres- und Tageszeiten entstandenen Bildausschnitten über stark befahrene Straßen oder auch anhand versteckter Trampelpfade navigieren.

Non guided tour operiert jenseits klar definierter Vektoren von Raum und Zeit oder der homogenen Überwachungsästhetik digitaler Straßenansichten, wie sie der Kartendienst Maps des Tech-Konzerns Google bereitstellt. Damit wirft die !Mediengruppe Bitnik abermals die von Fluxus-Künstler*innen formulierte Frage nach der Verschränkung von Kunst und Alltagsleben auf, indem sie deren Möglichkeiten auf der Ebene eines zunehmend privatisierten und panoptischen digitalen Raumes nachgeht.
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